Geschäftsbetrieb stabilisiert: Die Suche nach einem neuen Investor für die Veritas AG wird konkreter.
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Geschäftsbetrieb stabilisiert: Die Suche nach einem neuen Investor für die Veritas AG wird konkreter.

Veritas: Insolvenzverwalter und Betriebsrat vereinbaren Interessenausgleich und Sozialplan - 54 Kündigungen

Die gute Nachricht: Beim Autozulieferer Veritas AG bleiben nach aktuellem Stand 1222 Arbeitsplätze erhalten. Die schlechte Nachricht: 54 Mitarbeiter, hauptsächlich aus der Verwaltung, werden in den kommenden Tagen ihre Kündigungen erhalten.

Gelnhausen – Das berichtete Dr. Jan Markus Plathner, der Insolvenzverwalter des weltweit tätigen Unternehmens, gestern in einer Pressemitteilung. So habe es mit dem Veritas-Betriebsrat eine Einigung über einen Interessenausgleich sowie einen Sozialplan für die Betroffenen gegeben.

Demnach sind 54 Beschäftigte des indirekten Bereichs von einer Kündigung betroffen. „Diese werden ab dem 21. Oktober persönlich durch die Insolvenzverwaltung informiert“, kündigte Plathner an.

Die Maßnahme sei notwendig, um der „wirtschaftlichen Lage des Unternehmens und dem Marktumfeld Rechnung zu tragen“. Gleichzeitig teilt der Insolvenzverwalter mit, dass 1222 Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen.

Neben Kündigungen wird es auch umfangreiche Umstrukturierungen geben

Die Arbeit des Insolvenzverwalters gehe jedoch weiter. So sehe der Interessensausgleich parallel zu den Kündigungen teils umfangreiche Umstrukturierungen in der Verwaltung vor, die noch bis zum Jahresende umgesetzt werden sollen. „Im Wesentlichen geht es dabei um die Straffung der Organisation mittels Konsolidierung von Bereichen und Abteilungen“, heißt es dazu weiter.

Die nun erzielte Einigung steht noch unter dem Vorbehalt des Gläubigerausschusses, der im Insolvenzverfahren der Veritas AG noch zustimmen muss.

Parallel zum Stellenabbau laufe die Suche nach einem Investor und der angestoßene Sanierungsprozess weiterhin auf Hochtouren. Plathner: „Es werden intensive Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten geführt. Mit einem Ergebnis wird nach aktuellem Stand zum Jahreswechsel gerechnet.

Doch es gibt auch einen Lichtblick: Der Geschäftsbetrieb habe „dank der Mitarbeiter und der Kunden weiter stabilisiert werden können“, heiß es abschließend.

Unterdessen berichtete die Kreispressestelle gestern, dass sich auch Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann erneut mit dem Veritas-Betriebsrat des getroffen haben.

Landrat lobt die Beschäftigten

Für die Mitarbeiter stehe „viel auf dem Spiel“, so Stolz, die Sorgen und Nöte seien gut nachvollziehbar. „Genau deshalb ist uns ein regelmäßiger Austausch mit dem Betriebsrat wichtig und auch immer ein Zeichen der Solidarität“, sagte Stolz laut Pressemitteilung.

„Die Beschäftigten ziehen aber in dieser schwierigen Situation voller Mut und Tatkraft mit und bringen sich mit dem Betriebsrat konstruktiv ein. Das ist eine gute Ausgangslage für jeden Interessenten“, lobte der Landrat.

Die Suche nach einem möglichen Investor für das Traditionsunternehmen werde konkreter. Näheres dazu konnte der Veritas-Betriebsrat um Glenn Lawrence nicht sagen. „Wir versuchen unsererseits alles, um Arbeitsplätze zu halten und zu sichern“, so Lawrence. Die Verlängerung der Kurzarbeiterregelung habe der Belegschaft für die Zeit, die es zu überbrücken gilt, Sicherheit gegeben. Derweil habe sich die Auftragslage verbessert, trotz fortdauernder Pandemie-Auswirkungen auf die Automobilwirtschaft

Auch für das nächste Jahr sind Ausbildungsplätze geplant.

„Es gibt zaghafte, aber erkennbare Zeichen der Hoffnung. Wichtig sind jetzt auch positive Signale in die Zukunft“, so Betriebsrat und Kreisspitze gemeinsam.

In diesem Zusammenhang waren sich sowohl die Vertreter der Veritas-Belegschaft als auch Stolz, Simmler und Ottmann einig, dass es auch wichtig wäre, im Hinblick auf das nächste Ausbildungsjahr wieder junge Menschen einzustellen und auszubilden. Die Ausbildung ist bei der Veritas ausgesetzt worden, was die Kreisspitze vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels als „nicht klug und nicht ratsam“ bewertetet.

Beide Seiten vereinbarten unterdessen, weiterhin im Gespräch zu bleiben und sich noch in diesem Jahr erneut zu einem Austausch zu treffen.  thb

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