Trotz des Luftreinigers müssen die Klassenräume weiterhin gelüftet werden.
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Trotz des Luftreinigers müssen die Klassenräume weiterhin gelüftet werden.

Pandemie

Corona-Krise: Schulen im Main-Kinzig-Kreis testen den Prototyp eines Luftreinigers

  • David Scheck
    vonDavid Scheck
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Die Firma Woco hat einen Luftreiniger entwickelt, der auch Coronaviren herausfiltern kann. Er soll nun in Schulen des Main-Taunus-Kreises getestet werden.

  • In Schulen des Main-Kinzig-Kreises wird der Prototyp einer Luftreinigungsanlage getestet.
  • Das Untenehmen Woco aus Bad Soden-Salmünster hat das Produkt entwickelt.
  • Es soll auch Coronaviren zerstören.

Main-Kinzig-Kreis - Das weltweit agierende Familienunternehmen Woco mit Hauptsitz in Bad Soden-Salmünster hat laut dem Main-Kinzig-Kreis über drei Jahre hinweg einen Prototypen entwickelt, der auf Basis von Plasmatechnologie kleinste Partikel aus der Luft filtern kann. Dazu gehören auch Viren wie das Coronavirus und andere Krankheitserreger, heißt es. Diese werden aus der Luft entfernt und unschädlich gemacht. Im Dezember soll der Prototyp „Wairify“ an ausgewählten Schulen im Main-Kinzig-Kreis getestet werden.

Woco aus dem Main-Kinzig-Kreis: Bereits Luftfilter für den Motorenbereich entwickelt

Der Automobilzulieferer Woco hat im Bereich Luftfilterung bereits ähnliche Produkte für den Motorenbereich von Fahrzeugen entwickelt, nun wird das Unternehmen mit dem Main-Kinzig-Kreis kooperieren. Über die Möglichkeiten solcher Luftreinigungsanlagen und in welchen Fällen sie sinnvoll sein können, informierten sich kürzlich Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann, Walter Dreßbach, Leiter des Referates für Wirtschaft, Arbeit und digitale Infrastruktur, sowie Matthias Eckhardt, Leiter des Amtes für Schulwesen, Bau- und Liegenschaftsverwaltung, bei einem Besuch in der Firmenzentrale. Dabei ging es auch um die Frage, inwieweit der Main-Kinzig-Kreis im Rahmen der Wirtschaftsförderung das Unternehmen bei seinem Forschungsprojekt unterstützen kann.

Michael Dietzen, Leiter für Unternehmensplanung und Strategie bei Woco, stellte den Prototypen und die Funktionsweise vor. Anders als Luftfilteranlagen arbeite der Woco-Luftreiniger nicht mit sogenannten Hepa-Filtern, die regelmäßig ausgetauscht werden müssen, sondern stattdessen mit einem Niedrigenergieplasmafeld. Dort werden Viren und andere Partikel elektrisch aufgeladen und über einen mit Leitungswasser umspülten Kegel in einen Auffangbehälter transportiert.

Luftreiniger: Plasmafeld zerstört Coronaviren

„Das Plasmafeld zerstört dabei die Zellstruktur der Viren und vernichtet diese. Das Wasser ist nach dem Abscheideprozess nachweislich virenfrei. Diese Technologie kommt ohne unhygienisches Filterwechseln aus und benötigt nur wenig Energie. All das macht diese Technologie zu einer kostengünstigen Lösung“, erläutert Dietzen.

Die Anlagen seien denkbar für Klassenräume und andere öffentliche und private Räumlichkeiten, aber auch Fahrzeuge. Der Luftreiniger „Wairify“ sei in der Lage, die Raumluft mit einem Durchsatz von bis zu 300 Kubikmetern pro Stunde umzuwälzen. Bei einer Raumgröße von 20 Quadratmetern werde die Raumluft sechsmal gereinigt.

Corona: Abstandsregeln müssen trotz Luftreiniger eingehalten werden

„Luftfilteranlagen können allerdings nur ein Baustein von vielen sein, wenn es darum geht, die Viruslast innerhalb der Klassenräume zu minimieren. Die allseits bekannten Abstandsregeln und Hygienebestimmungen, aber auch das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen und das regelmäßige Lüften der Klassenräume werden dadurch nicht generell ausgehebelt“, gibt Ottmann zu bedenken.

Er fügt hinzu: „Die Luftfilteranlagen sind vor allem für solche Räumlichkeiten interessant, in denen die vorhandenen Fenster aus Sicherheitsgründen keine Stoßlüftung zulassen. Wir werden diese Technologie nun dem Praxistest in der Schule unterziehen.“ Der Praxistest soll mehrere Monate dauern. Im Labor des Hygieneinstituts Biotec aus Gütersloh habe der Prototyp bereits mit Erfolg abgeschnitten, so Dietzen.

Luftreiniger der Firma Woco: Testreihe in Schulen des Main-Kinzig-Kreises

Die Testreihe vor Ort soll unter anderem Aufschluss darüber geben, ob die Geräte leise genug arbeiten, um den Unterricht nicht zu stören, aber auch, ob die Geräte einen störenden Luftzug verursachen. Laut Dietzen können die Luftreiniger prinzipiell mit einer Reihe von Sensoren ausgestattet werden, die Informationen zum Beispiel zum Kohlendioxid-Gehalt der Luft liefern, um die Luftqualität innerhalb der Räume zu beobachten. Die einzelnen Geräte können überdies in einem digitalen Geräteverbund untereinander kommunizieren. „Das kann hilfreich sein, wenn es um die Themen Lüften und die Personenanzahl in den Räumen geht“, so Dietzen.

„Das regelmäßige Lüften der Räume wird auch bei Gebrauch solcher Geräte nicht überflüssig werden“, macht Ottmann deutlich. „Es handelt sich hier um eine vielversprechende Technologie, die zudem direkt aus dem Main-Kinzig-Kreis stammt und dort entwickelt wurde. Der Main-Kinzig-Kreis hat sich bereits verschiedene Möglichkeiten im Bereich der Luftfilteranlagen näher angeschaut und will nun zusammen mit dem Unternehmen eine Testreihe in ausgewählten Schulen beginnen.“ (das)

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