Das Impfzentrum in Hanau ist schon lange startklar. Am 9. Dezember informierten Stadt und Kreis über die Einsatzbereitschaft und zeigten, wie die Impfungen künftig ablaufen sollen. Doch vorerst passiert in der Schärttner-Halle nichts. 
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Das Impfzentrum in Hanau ist schon lange startklar. Am 9. Dezember informierten Stadt und Kreis über die Einsatzbereitschaft und zeigten, wie die Impfungen künftig ablaufen sollen. Doch vorerst passiert in der Schärttner-Halle nichts. ARCHIV

Corona-Pandemie

Main-Kinzig-Kreis: Politik fordert Öffnung der Impfzentren - „Worauf wollen wir noch warten?“

Die Stadt Hanau und der Main-Kinzig-Kreis sind verärgert darüber, dass die Impfzentren in Hanau und Gelnhausen bisher nicht geöffnet werden. Man halte die getroffene Entscheidung, nur sechs regionale Impfzentren zu öffnen, für den falschen Weg.

Hanau/Main-Kinzig-Kreis – „Wir sind startklar und können auch mit kleineren Impfmengen in unseren Impfzentren in Hanau und Gelnhausen damit beginnen, die mobilen über 80-Jährigen im Sinne kurzer Wege im Main-Kinzig-Kreis zu impfen“, erklären Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann sowie Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und der Vorsitzende der Bürgermeisterkreisversammlung Stefan Erb in einer gemeinsamen Mitteilung.

Gemeinsam mit den anderen 20 hessischen Landkreisen hatte der Main-Kinzig-Kreis über den Hessischen Landkreistag vorgeschlagen, alle Impfzentren zeitgleich an den Start zu bringen. „Wir sind uns bewusst, dass geringere Mengen als notwendig an Impfstoff zur Verfügung stehen. Aber das ist kein Problem, sondern ermöglicht es uns, vor Ort den Betrieb in unseren Impfzentrenten Schritt für Schritt hochzufahren und vor allem für die Bürgerinnen und Bürger die Wege zur Impfung sehr deutlich zu verkürzen. Wir hätten uns gewünscht, dass das Land diesem konstruktiven Vorschlag der kommunalen Basis folgt, denn die Infrastruktur steht und das Personal ist motiviert und abrufbereit“, so Thorsten Stolz, Susanne Simmler und Winfried Ottmann.

Im Main-Kinzig-Kreis sind die ersten Chargen des Corona-Impfstoffs durch mobile Impfteams in den vergangenen Tagen verimpft worden. Nun werde allseits auf die nächsten Lieferungen durch das Land Hessen gewartet, die „dem Vernehmen nach“ größer ausfallen sollten.

„In unserem Landkreis sind bis in diese Woche hinein exakt 2863 Menschen mit Impfdosen versorgt worden, zunächst in Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern. Aber natürlich fallen weitaus mehr Menschen unter die höchste Prioritätsstufe, die jetzt schon einen Anspruch auf eine Impfung haben und ihn zurecht anmelden. Deshalb braucht es mehr Impfstationen in der Fläche, und zwar früher als geplant, wenn nun doch zumindest etwas größere Mengen an Impfstoff verfügbar sein werden“, sagte Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler.

Landrat Thorsten Stolz richtete einen klaren Appell in Richtung Wiesbaden. „Das Land Hessen muss endlich Vertrauen in die kommunale Ebene zeigen.“ Man könne den Bürgern aus dem Kreisgebiet den weiten Anfahrtsweg bis nach Frankfurt ersparen. So könne die Impfaktion „schneller an Fahrt“ aufnehmen. Unterstützung erhält der Main-Kinzig-Kreis unter anderem von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und dem Vorsitzenden der Bürgermeisterkreisversammlung, Erlensees Rathauschef Stefan Erb. Beide werben in ihren Städten für die Impfung. Allerdings berichteten sie von Beschwerden aus der Bevölkerung, dass gerade die über 80-Jährigen nun den weiten Weg bis zum Impfzentrum in Frankfurt auf sich nehmen müssen. „Wenn mich ältere Menschen aus Hanau verzweifelt fragen, ob sie denn nicht in ihrer eigenen Stadt, in einer professionell aufgestellten Impfstation den helfenden Piks erhalten können und warum sie dafür denn nach Frankfurt fahren müssen, bei allen Wehwehchen und Gebrechen, die das Alter nun mal mit sich bringt, dann muss ich ehrlicherweise sagen: Da habe auch ich keine Erklärung und vor allem kein Verständnis. Lasst uns anfangen in Hanau und Gelnhausen. Worauf wollen wir noch warten, wenn der Impfstoff dann da ist“, so Kaminsky.

Stefan Erb kennt ähnliche Fragen. Seine Bürgermeisterkollegen aus allen Teilen des Kreises seien mit derlei Anfragen beschäftigt. „Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir im einwohnerstärksten Landkreis, in einem sehr großen Flächenkreis leben. Und alle Bürgerinnen und Bürger dieses Kreises müssen Stand jetzt ab 19. Januar nach Frankfurt, um sich impfen zu lassen, wenn sie dazu berechtigt sind, also auch alle Senioren aus Steinau, Sinntal oder Jossgrund“, so Erb. Man spreche da von Fahrtstrecken von weit über 80 Kilometer. „Das ließe sich schon halbieren, wenn das Impfzentrum in Gelnhausen aufmachen würde. Für den Westkreis gilt das Gleiche. Die einzig sinnvolle Lösung kann daher nur lauten: Beide Impfzentren machen auf. Wenn der Impfstoff noch nicht zum Volllast-Betrieb reicht, dann eben in einem begrenzten zeitlichen Rahmen.“

Die Politik im Main-Kinzig-Kreis steht mit ihrer Forderung nicht alleine da. Aus allen anderen Landkreisen höre er ebenfalls Unmut, so Landrat Stolz. Diese Meinungen haben die Kreise der Landesregierung gegenüber kundgetan. Am Donnerstagnachmittag habe es eine Telefonkonferenz zwischen den Landkreisen, kreisfreien Städten sowie der Landesregierung gegeben. Während dort die Forderung nach einer Öffnung aller regionalen Impfzentren gemeinsam mit anderen Konferenzteilnehmern wiederholt wurde, sei das Land Hessen bei seinem Standpunkt geblieben, bis auf Weiteres nur sechs Impfzentren zu öffnen.

„Vor Ort fordern die Menschen von Bürgermeistern und Landräten nichts weniger als die Klärung aller offener Fragen rund um die Impfaktion, eine bessere Informationspolitik darüber, wer wann dran ist, und überhaupt eine unkomplizierte Impfung von so vielen Senioren wie möglich. Die Entscheidungen darüber trifft aber die Landesregierung“, kritisierte Susanne Simmler. „Da passt einiges nicht zusammen.“

Die Erste Kreisbeigeordnete stellte klar, dass „die Impfaktion zu ernst und existenziell wichtig ist, um daraus ein Kommunalwahlthema zu machen“. Genau das werde derzeit aber von den unterschiedlichsten Parteien und Wählergruppierungen versucht, auf Kreisebene wie auch in den Städten und Gemeinden, um gegen die dort Verantwortung Tragenden Vorwürfe zu konstruieren. „Insgesamt können wir feststellen, dass vor allem wir es sind, also die kommunale Ebene, die Landkreise, die Städte und Gemeinden, die nah bei den Menschen sind. Wir leisten unseren Beitrag. Aber Politik trägt auf allen Ebenen Verantwortung dafür, nah an der Lebenswirklichkeit der Menschen zu entscheiden. Das ist hier nicht der Fall“, so die Gesundheitsdezernentin.    cd

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