Die Wasserforscherkiste wird normalerweise von vielen Kita-Gruppen und für Kindergeburtstages gebucht.
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Die Wasserforscherkiste wird normalerweise von vielen Kita-Gruppen und für Kindergeburtstages gebucht.

Tümpel für die Unken und Laubfrösche

Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwickung hat auch in Corona-Zeiten viel Arbeit

  • Monica Bielesch
    vonMonica Bielesch
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Normalerweise wird die Wasserforscherkiste der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) im Sommer sehr oft gebucht: von Kita-Gruppen, Kindergeburtstagen, Grundschulklassen oder bei Ferienfreizeiten. Im Schnitt sind es jährlich 20 Termine, die Susanne Hufmann, Vorsitzende der GNA, mit ihren Kolleginnen und Kollegen ausrichtet. „In diesem Jahr hat kein einziger Termin stattgefunden“, bedauert die Biologin.

Hasselroth/Region – Obwohl die umweltpädagogischen Angebote der GNA wegen der Pandemie ausgefallen sind, hatte der Naturschutz-Verein in den vergangenen Monaten bei vielen Projekten aber trotzdem viel zu tun.

Ein Beispiel ihrer Arbeit zeigen Hufmann und Günter Könitzer, der seit fast 60 Jahren im Naturschutz ehrenamtlich aktiv und aktuell Schatzmeister bei der GNA ist, im Auengebiet der Kinzig bei Hasselroth. Dort musste der Biotopverbund aus kleinen und größeren Tümpeln dringend gepflegt werden. Dieser Verbund ist entscheidend für das Überleben vieler Tierarten, die auf Überschwemmungstümpel und Laichhabitate in der Aue angewiesen sind.

Dazu zählen wiesenbrütende Vogelarten wie Kiebitz und Bekassine ebenso wie seltene Libellenarten, Teichmolche, Gras- und Grünfrösche, Erdkröten und die gesamte Bandbreite an Wasserorganismen. Unter anderem wurden Büsche und sonstiger Aufwuchs rund um die Tümpel entfernt, denn eine starke Verbuschung der Tümpel habe dem europäischen Laubfrosch das Laichen erschwert, erläutert Hufmann beim Marsch über die Wiesen. Rund 6500 Quadratmeter Fläche hat die GNA in diesem Herbst gepflegt, zwölf Feuchtbiotope hergerichtet. Rund 30 000 Euro an Fördergeldern sind in diese Arbeiten investiert worden.

Der Europäische Laubfrosch steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten in Hessen. Aber durch die Biotopverbünde in den Kinzigauen sei es gelungen, den Bestand im Kreis zu sichern. „Die Population hat sich stabilisiert“, freut sich Hufmann. 400 Laubfrösche haben die Naturschützer zuletzt gezählt. Sie zählen die Tiere anhand ihrer Rufe. „Wenn Sie das so lange machen wie ich, dann können Sie auch die Rufe von Fröschen unterscheiden“, schmunzelt Günter Könitzer. Gezählt werden können nur die rufenden Männchen und dann wird die Gesamt-Population hochgerechnet, erläutert Biologin Hufmann, die seit 17 Jahren bei der GNA ist.

Noch sehen die von Grund auf gepflegten Tümpel in den Wiesen wie Krater aus. „Aber gerade dieser Rohboden ist optimal“, so Hufmann, „bald steht da das Wasser drin. Zugvögel wie Kiebitze können dort rasten und nach Nahrung stochern.“ Im nächsten Frühjahr schon sei die Vegetation nachgewachsen und sie rechnet mit einer verstärkten Rückkehr der Laubfrösche.

Noch sehen die renaturierten Tümpel bei Hasselroth wie Krater aus. Aber Susanne Hufmann von der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung ist sich sicher, dass im Frühjahr hier die Laubfrösche quaken.

Allerdings muss es dafür regnen. Die Trockenheit in diesem Jahr gibt den Naturschützern sehr zu denken. „Dieses Jahr ist es ganz schlimm“, sagt Könitzer und blickt bedauernd auf einen Tümpel, in dem noch hoch das Schilf steht, aber kaum Wasser. Einiges Schilf haben die Naturschützer belassen, denn der Laubfrosch klettert nach der Fortpflanzung an Schilf oder Büschen hoch. „Es ist der einzige europäische Frosch, der klettert wie manche südamerikanischen Froscharten“, erzählt Hufmann.

Die GNA hofft, dass sich in den renaturierten Tümpeln auch die Gelbbauchunke ansiedelt. Besonders diese fast ausgerottete Art braucht einen Biotopverbund wie in Hasselroth, ein Netz aus Einzelbiotopen, das das Überleben von bedrohten Arten in der landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft sichern soll.

Frösche, Unken und Kröten könnten sich zwischen den nahe beieinander liegenden Tümpeln bewegen und sich mit anderen Individuen ihrer Art genetisch austauschen. Aktuell gibt es von der Gelbbauchunke im Main-Kinzig-Kreis nur noch ein Restvorkommen in der Sandgrube in Neuses und in Wächtersbach. Durch die immer weiter voranschreitende Zerschneidung der Landschaft durch Straßen und Neubaugebiete seien Biotopverbünde umso wichtiger, betont Hufmann. „Wenn wir nicht aufhören, die Landschaft zu zersiedeln, sind bald viele Arten vom Rückgang bedroht.“

Es sei aus Sicht des Naturschutzes ein Trauerspiel, wie für Zufahrtsstraßen für neue Gewerbe- oder Wohngebiete Schneisen in Wälder und Felder geschlagen würden. Gerade für Amphibien wie Frösche seien solche Hindernisse auf ihren Wanderungen fast unüberwindlich. Der früher große Kinzigauenverbund werde leider immer kleiner.

Gerade deswegen lassen die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter in der GNA in ihren Aktionen und Projekten nicht nach. Insbesondere außerhalb der Brut- und Setzzeit im Herbst und im Winter gibt es bei den Renaturierungsprojekten viel zu tun. So wird aktuell auch in Langenselbold in den Kinzigauen gebaggert, um Pflegearbeiten durchzuführen.

Infos im Internet

Unter www.gna-aue.de finden sich alle Projekte und Angebote des Naturschutzvereins.

Die Vorbereitungen für diese Arbeiten nehmen viel Zeit in Anspruch. Konzepte schreiben, Fördergelder beantragen, mit den betroffenen Kommunen verhandeln, mit der Straßenverkehrsbehörde, der Unteren Naturschutzbehörde oder dem Main-Kinzig-Kreis sprechen und Aufträge an Tiefbauer oder Landschaftsgärtner ausschreiben und vergeben: All das gelingt nur, weil die Hauptamtlichen bei der GNA von vielen Ehrenamtlichen wie Günter Könitzer unterstützt werden. „Wir schreiben auch ökologische Gutachten“, ergänzt Hufmann.

Normalerweise nimmt der Verein einiges an Spenden übers Jahr hinweg ein. Aber weil im Corona-Jahr kaum Vorträge oder andere Veranstaltungen stattgefunden haben, sagt Hufmann: „Die Spenden sind ziemlich eingebrochen.“ Zurück zum Auengebiet Hasselroth: Dort demonstrieren Hufmann und Könitzer am Ende des Rundgangs die Wasserforscherkiste. Seit acht Jahren gehört dieses umweltpädagogische Angebot zum Standard bei der GNA. Im kommenden Jahr soll ein Waldrucksack das Angebot ergänzen.

In der Wasserkiste befindet sich genug Material und Werkzeug, um die Tier- und Pflanzenwelt an Bächen und Teichen mit allen Sinnen zu erforschen. Die Kinder können unter anderem die Temperatur und den pH-Wert des Wassers bestimmen, mit Köchern und Sieben nach Insekten im Wasser suchen und unter dem Binokular selbst untersuchen.

„Die sollen alles ausprobieren“, betonen Hufmann und Könitzer und freuen sich darauf, das GNA-Motto „erleben, beobachten, verstehen“, bald wieder einem breiten Publikum zugänglich machen zu können.

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