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Der Main-Kinzig-Kreis hat Fragen zu den Corona-Statistiken beantwortet.

MKK beantwortet Fragen

Corona-Statistiken: Darum wird das Alter von Infizierten nicht mehr genannt

Auch wer sonst nicht viel mit Zahlen zu tun hat: In diesen Tagen und Wochen bestimmen Zahlen unser aller Leben. Reproduktionszahlen, Infiziertenzahlen, Genesenenzahlen. Über die von den Behörden veröffentlichten Zahlen zur Corona-Pandemie hat sich ein Leser aus Langenselbold Gedanken gemacht.

Wir haben die Pressestelle des Main-Kinzig-Kreises gebeten, zu seinen Fragen Stellung zu nehmen.

Bundesweit gibt es rund 156 000 Infizierte und rund 110 000 Genesene, das sind zirka 70 Prozent Genesene im Verhältnis zu den Infizierten. Im MKK ist dieses Verhältnis ganz anders, da stehen 555 Infizierte lediglich 147 Genesenen gegenüber, das wären 26,5 Prozent. Wie kommt es im MKK zu diesem ganz anderen Verhältnis zwischen Infizierten und Genesenen?

Die Statistiken gehen hier in der Tat auseinander, so der MKK-Pressesprecher. Der Hauptgrund liege darin, dass Genesene nicht gemeldet werden müssen, im Gegensatz zu neuen laborbestätigten Fällen und Sterbefällen. Es gebe also bundesweit keine Art Zentralregister, aus der sich dann alle Statistiker bedienen, wenn sie eine „Genesenen-Quote“ wiedergeben wollen. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) spricht von einem rein geschätzten Wert. Es würden sich viele mit der 14-Tage-Faustregel behelfen. Wer 14 Tage vorher als krank gemeldet worden ist, müsse demnach heute gesund sein. „Ganz so einfach ist es aber nicht“, meint der Pressesprecher. Einige Erkrankte würden auch nach 14 Tagen noch Symptome zeigen und könnten ansteckend sein oder haben noch einen positiven Test. Der Kreis gehe daher sehr sensibel bei der Abklärung vor und verlängere im Zweifel die häusliche Isolierung. Als gesund werde nur die Person gezählt, die aus der häuslichen Absonderung entlassen worden ist. Eine wünschenswert höhere Zahl an Genesenen in kürzerer Zeit werde damit nicht erreicht, aber eine erfolgreichere Eindämmung und Verlangsamung der Pandemie, so die Pressestelle.

Es ist immer die Rede von „Sterbefällen im Zusammenhang mit Covid 19“: Wie sehen diese Zusammenhänge aus? Wer definiert das?

Die Definition des RKI ist hier leitend. In dessen Statistik werden die Covid-19-Todesfälle gezählt, „bei denen ein laborbestätigter Nachweis des Coronavirus vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind“. Das RKI unterscheidet die Sterbefälle nicht im Detail und begründet das so: „Das Risiko, an Covid-19 zu versterben, ist bei Personen, bei denen bestimmte Vorerkrankungen bestehen, höher. Daher ist es in der Praxis häufig schwierig zu entscheiden, inwieweit die SARS-CoV-2-Infektion direkt zum Tode beigetragen hat. Sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind ('gestorben an'), als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, was die Todesursache war ('gestorben mit') werden derzeit erfasst.“ Der Main-Kinzig-Kreis hält es genauso und formuliert daher in seinen Mitteilungen die Sterbefälle „im Zusammenhang mit Covid-19“.

Warum wird das Alter der Neu-Infizierten nicht mehr genannt?

Als die Statistik begonnen wurde, war die Nennung des Alters noch üblich. Bei den ersten einzelnen Fällen war das hessenweit so üblich, bestätigt die Pressestelle. Der Main-Kinzig-Kreis ist ähnlich vorgegangen, obwohl der Nachrichtenwert des Geschlechts und des Alters eher gering gewesen sei. Natürlich bestehe für Ältere ein höheres Risiko, einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln, aber davor seien Jüngere nicht vollends gefeit. Der Main-Kinzig-Kreis sei in den vergangenen Wochen vielfach von Bürgern aufgefordert worden, konkrete Krankheitsverläufe, Vorerkrankungen und Bewegungsprofile der 14 Tage zuvor sowie nähere Ortsangaben zu den Infizierten zu machen. „Diese sehr spezielle Neugier wollen wir nicht noch mit befeuern“, begründet der Pressesprecher daher das Weglassen des Alters der Neu-Infizierten in der Kreis-Statistik. mcb

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