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Die Wiedereröffnung der Schulen sorgt weiter für Diskussionen.

Schuldezernent nimmt Stellung

Streit über Schulöffnungen: Lehrerverbände kritisieren die Maßnahmen des Kreises

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Dass am Montag einige Schüler wieder zur Schule gehen, sorgt nicht nur bundesweit für Diskussionsstoff. So haben die Kreisverbände Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Main-Kinzig den Kreis scharf kritisiert.

Dieser hatte vor vier Tagen in einer Pressemitteilung seine Maßnahmen für die teilweisen Schulöffnungen dargestellt. Die GEW und der VBE sprechen von „großspurigen Erklärungen des MKK“, die bei den betroffenen Lehrkräften Empörung hervorrufen würden. „Wir alle wollen, dass Schule wieder stattfinden kann, aber vieles ist vor Ort noch völlig ungeklärt“, so die beiden Interessenvertretungen.

Kreis-Schuldezernent Winfried Ottmann (CDU), der stellvertretende Leiter des Staatlichen Schulamtes in Hanau, Günter Rau sowie Frank Bornmann, Hanauer Schulamtsleiter, äußerten sich in einer Pressekonferenz am Freitag zu den ihrer Meinung nach „plakativen“ Vorwürfen. Unterstützt wurden sie vom Leiter des Kreis-Gesundheitsamtes Dr. Siegfried Giernat. Wir stellen die Positionen in einem Frage-Antwort-Text dar.

GEW und VBE kritisieren, dass es in den Schulen an Seife, Papierhandtüchern und Desinfektionsmitteln mangeln würde, außerdem gebe es in der Regel kein warmes Wasser zum Waschen und in vielen Klassenräumen nicht einmal ein Waschbecken.

Dazu meint der Leiter des MKK-Gesundheitsamtes, dass Seife und kaltes Wasser für eine Reinigung von Händen und Flächen zum Schutz vor Coronaviren ausreichend seien. Insbesondere für Grundschüler sei die korrekte und ungefährliche Handhabung von Desinfektionsmitteln nicht umsetzbar.

Gibt es schon neue Details zur Schülerbeförderung? Nicht nur VBE und GEW kritisieren, dass insbesondere in den Bussen die Sicherheitsabstände von den Schülern nicht eingehalten werden könnten.

Dazu sagte Ottmann, dass es aktuell noch keine Zahlen gebe, wie viele Schüler bei einer teilweisen Schulöffnung tatsächlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren würden. „Wenn Schulen im Schichtbetrieb öffnen, dann bilden wir das auch im ÖPNV ab“, so Ottmann. „Die Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig werde die freien Kapazitäten aufgrund der geringeren Schülerzahlen und der zurzeit wenigen Pendler nutzen, um größere Abstände zu ermöglichen“, kündigte der Schuldezernent an. Zudem würden die Abfahrtszeiten und die Kapazitäten in der kommenden Woche bei Bedarf angepasst. Und Dr. Giernat betonte, dass die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen als Schutz ausreiche. „Wenn Masken getragen werden, ist das Abstandsgebot aufgehoben“, führte er aus. Geplant sei zudem, dass Lehrer an den Bushaltestellen vor den Schulen für ein geordnetes Ein- und Aussteigen sorgen würden.

Was wurde für die Schulen getan, wo es laut GEW und VBE „keine oder nur eine unzureichende hygienische Ausstattung“ gebe?

Gegen diesen Vorwurf verwahren sich die Verantwortlichen vehement. „Es gibt an den Schulen bereits Hygienestandards, wir haben lediglich aufgesattelt“, so Ottmann. So sei eine intensivere Reinigung der Räume durch die Fachfirmen geplant, statt alle zweieinhalb Tage eine tägliche Reinigung. Türklinken und Toiletten sollen besonders gesäubert werden und Klassenräume ohne Waschbecken erhalten eine eigene Toilette zugewiesen. Grundlage für die erweiterten Hygienemaßnahmen sei der entsprechende Plan, den das Hessische Kultusministerium am Mittwoch veröffentlicht habe. Ottmann erklärte, dass der Kreis bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt Schutzmaterial für die Notbetreuung in den Schulen zur Verfügung gestellt habe. Allerdings räumte er auch ein, dass es bei der flächendeckenden Verteilung zu Versäumnissen gekommen sei. Es habe „ein paar Schulen“, so Ottmann, im Westkreisgebiet gegeben, die bei der ersten Verteilungswelle leer ausgegangen seien, da die aus Fulda angelieferten Masken zunächst im Ostkreis verteilt wurden, „und weiter unten ist das versehentlich nicht weitergegangen“, erklärte der Christdemokrat weiter.

Außerdem wollen die Interessenverbände, dass höchstens sieben bis acht Schüler in einer Klasse sitzen.

Wie viele Schüler zusammensitzen, hänge immer von der Größe des Raumes ab, so Ottmann und Rau. Hauptsache der Sicherheitsabstand könne eingehalten werden. So sei es auch gelungen, die Abiturprüfungen ohne eine Corona-Infektion durchzuführen, erklärte Rau. Die Einhaltung dieses Sicherheitsabstands müsse geübt werden – egal in welcher Altersstufe.

Kritisiert wird insbesondere, dass es in den Schulen keine Maskenpflicht geben soll – das wäre gegenüber der Maskenpflicht im Einzelhan‧del unlogisch.

„Wenn die Schüler ausreichend Abstand halten, dann sind alle geschützt“, meint dazu Dr. Giernat. Diese Forderung macht aus Sicht des Leiters des Gesundheitsamts daher keinen Sinn. „Im Schulbus ist eine Maske sinnvoll, aber nicht in einem Klassenraum, wo der Sicherheitsabstand eingehalten werden kann.“ In den Pausen müssten die Lehrer darauf achten, dass die Schüler weiter Abstand halten oder die Schutzmaske aufsetzen.

GEW und VBE schlagen unter anderem vor, Lehrkräfte mit FFP2-Schutzmasken auszurüsten.

Das ist aus Sicht der Verantwortlichen im MKK und in der Stadt Hanau nicht erforderlich. Allerdings werde die Stadt Hanau als Schulträger jeder Hanauer Schule ein Kontingent an FFP2-Masken zur Verfügung stellen, damit Lehrer in einem Erste-Hilfe-Fall ausgerüstet sind. „Jede Schule erhält dafür fünf FFP2-Masken“, so Bornmann.

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