Darüber, wie viele Erwachsene in Deutschland von Schlafapnoe betroffen sind, gibt es keine verlässlichen Zahlen. Symbolbild: Pixabay

Main-Kinzig-Kreis

Langes Warten auf einen Schlaflaborplatz

Main-Kinzig-Kreis. Die Patientenselbsthilfegruppe Schnarchen und Schlafapnoe Main-Kinzig hat einen Streit über die Zuweisung in Schlaflabore vom Zaun gebrochen.

Von Reinhold Schlitt

Die Wartezeiten für eine Diagnostik in ambulanten Schlaflaboren hätten sich „von drei bis sechs Monaten auf bis zu ein Jahr verlängert“. Dagegen stünden Krankenhaus-Schlaflabore „vielfach vor dem finanziellen Aus“. Im Main-Kinzig-Kreis selbst gibt es keine Krankenhaus-Schlaflabore.

Die Gruppe hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zum Handeln aufgefordert und auch die Wahlkreisabgeordneten informiert. Krankenkassen, so der Vorwurf der Patienten-Selbsthilfegruppe, würden seit Anfang 2018 unter „fadenscheinigen Gründen nur noch die Kosten für so genannte ambulante Schlaflabore“ übernehmen.

Ein Jahr Vorlauf

Minister Spahn, so ihre Forderung, solle dafür sorgen, dass die Krankenhäuser ihre Schlaflaborleistungen ambulant abrechnen können. Der Hintergrund: Krankenhäuser stellen den Krankenkassen ihre Kosten für die Schlaflabordiagnostik direkt in Rechnung. Dagegen erhalten niedergelassene Fachärzte ihr Geld aus dem allgemeinen Fachärzte-Honorartopf ihrer Kassenärztlichen Vereinigung (KV).

Aus diesem Honorartopf werden dann auch die Leistungen für die Schlaflabordiagnostik vergütet, sodass die Kassen – anders als bei den Krankenhäusern – dafür nicht extra zahlen müssen. Die DAK-Pressestelle in Hamburg macht auch keinen Hehl daraus: „Wir stimmen dieser Einschätzung zu“, heißt es gegenüber unserer Zeitung. Die DAK unterläge, wie auch die anderen gesetzlichen Krankenkassen, dem sogenannten Wirtschaftlichkeitsgebot.

Die Schlafapnoe-Diagnostik sei von niedergelassenen Fachärzten zu erbringen. Das, so beispielsweise die Barmer Ersatzkasse, habe das Bundessozialgericht im Jahr 2012 eindeutig klargestellt. Nur in Ausnahmefällen beziehungsweise bei bestimmten akuten sowie Begleiterkrankungen sei eine Überweisung in ein Krankenhaus-Schlaflabor gerechtfertigt.

Anders als die Darstellung der Selbsthilfegruppe verweist die Barmer darauf, dass die ambulanten Schlaflaborkapazitäten laut Kassenärztlicher Vereinigung ausreichend seien. Die Techniker Krankenkasse entgegnet auf die Behauptung langer Wartezeiten, dass die Überweisung eines Patienten in ein ambulantes Schlaflabor vom zuweisenden Facharzt mit einem Dringlichkeitsvermerk versehen werden könne. Von der KV-Terminservicestelle müsste dann ein Termin innerhalb von vier Wochen vermittelt werden.

Qualität gleichwertig

Dagegen sieht eine andere große Krankenkasse, die AOK Hessen, sehr wohl Kapazitätsprobleme und stützt damit die Beschwerden der Patientenselbsthilfegruppe. „(Die AOK) weiß um die regionalen Versorgungsengpässe und hat aus diesem Grund Versorgungsverträge mit stationären Leistungserbringern (Krankenhäuser) auf den Weg gebracht“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung.

Solche Verträge hat die Kasse mit elf Kliniken im süd- und mittelhessischen Raum abgeschlossen. Der Pressesprecher der Kasse betont aber dennoch, dass die Qualität der ambulanten Schlaflabor-Diagnostik im Vergleich mit stationären Untersuchungen absolut gleichwertig sei.

Akkreditierte Schlaflabore

Ärzte, die ambulante Schlaflaborleistungen anbieten, unterliegen einer gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätssicherung, die exakt vorgibt, wie die Schlaflabore gerätetechnisch, räumlich und organisatorisch ausgestattet und personell besetzt sein müssen.

Für die Kontrolle sind hier die Kassenärztlichen Vereinigungen zuständig. Die meisten Krankenhäuser verweisen ihrerseits auf eine Akkreditierung ihrer Schlaflabore durch eine Medizinische Fachgesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Sie gibt ihrerseits diagnostische und technische Anforderungen an die Schlaflabore vor.

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