1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Kinzig-Kreis

Kriminalstatistik zeigt: Diebe nehmen Kleintransporter ins Visier

Erstellt: Aktualisiert:

Die Zahl der Aufbrüche von Fahrzeugen und Diebstählen daraus stieg in Hanau um 45 auf 216 Fälle, im übrigen Landkreis um sechs auf 259. Bevorzugte Ziele sind Geschäftswagen, etwa Kleintransporter von Spenglern oder Elektroinstallateuren. Archivfoto: Pixabay
Die Zahl der Aufbrüche von Fahrzeugen und Diebstählen daraus stieg in Hanau um 45 auf 216 Fälle, im übrigen Landkreis um sechs auf 259. Bevorzugte Ziele sind Geschäftswagen, etwa Kleintransporter von Spenglern oder Elektroinstallateuren. Archivfoto: Pixabay

Main-Kinzig-Kreis/Hanau. Das Polizeipräsidium Südosthessen hat die Kriminalstatistik für das Jahr 2016 vorgelegt. Die Zahlen zeigen zwar, dass die "Kriminalitätsbelastung" insgesamt gesunken ist. Doch Problemfelder gibt es dennoch genug.

Von Dieter A. Graber

Weit über die Hälfte der Deutschen wähnt sich in einer unsicheren Zeit. Laut Umfragen, zum Beispiel von Allensbach aus dem Jahr 2016, befürchten sogar 82 Prozent eine Zunahme der Kriminalität. Die Angst scheint nicht unbegründet, wenngleich die Chefetage des Polizeipräsidiums Südosthessen auch jetzt wieder beruhigt: „Noch nie war der Sicherheitsstandard auf höherem Niveau“, so Polizeipräsident Roland Ullmann. Im Main-Kinzig-Kreis (ohne Hanau) zum Beispiel habe die „Kriminalitätsbelastung“ den tiefsten Stand erreicht: 11041 Delikte wurden vergangenes Jahr gezählt, 130 weniger als noch 2015. Zum Vergleich: 2004 waren es 15030.

Viele Wohnungseinbrüche im Kreisgebiet

Aber Skepsis lässt sich mit Statistik allein nicht begegnen. Tatsache ist, dass zum Beispiel die Zahl der Wohnungseinbrüche im Kreisgebiet zwar sinkt, sich aber dennoch auf einem enorm hohen Stand befindet: 220 Taten, einschließlich misslungener Versuche, wurden 2016 angezeigt. Und wenn wir schon, wie es die Kriminalstatistiker gerne tun, den Langzeitvergleich zu Rate ziehen: 2003 waren es lediglich 158 Fälle.Polizeipräsident Ullmann räumte denn auch ein, dass die Brüche zu einem großen Teil auf das Konto mobiler Banden aus Osteuropa gingen. Es ist da nur wenig beruhigend, dass jeder zweite Versuch scheiterte.Die Täter, vorwiegend aus Rumänien, Bulgarien oder Serbien eingereist, sind darauf aus, schnell Beute zu machen; wo sie auf gesicherte Türen und Fenster stoßen, auf Hunde oder aufmerksame Nachbarn, geben sie lieber Fersengeld.

Aufwendige Ermittlungsarbeit

Die Fahnder konzentrierten ihre Bemühungen deshalb verstärkt auf Beratung von Mietern und Hausbesitzern, so Abteilungsleiter Alexander König. Die Ermittlungsarbeit ist aufwendig. Observationen, Telefonüberwachung, Spurensicherung kosten Zeit und Geld. Im vergangenen Jahr trugen die Polizeistationen in Schlüchtern, Gelnhausen, Bad Orb und Wächtersbach übrigens mehr als 28 000 Überstunden vor sich her. Die Aufklärungsquote bei diesem Delikt ist im Kreis folglich um fast sechs Prozent gesunken.Die Fahnder setzen zunehmend auch auf Kommissar Computer: Mit dem bei der Polizeidirektion Main-Kinzig angesiedelten EDV-Programm „ KLB operativ“, das die räumlichen und zeitlichen Schwerpunkte mit Verhaltensmustern von Tätern abgleicht, sollen Einbrüche quasi „vorhergesehen“ werden. Erste Erfolge: In den zurückliegenden drei Monaten konnten vier Verdächtige gefasst werden.

Automarder sind schwer aktiv

Zunehmend aktiv wurden auch die „Automarder“: Die Zahl der Aufbrüche von Fahrzeugen und Diebstählen daraus stieg in Hanau um 45 auf 216 Fälle, im übrigen Landkreis um sechs auf 259. Bevorzugte Ziele sind nunmehr Geschäftswagen, etwa Kleintransporter von Spenglern oder Elektroinstallateuren, aus denen Werkzeuge, Material oder sogar komplette Maschinen verschwinden, manche im Wert von über 10 000 Euro.Vergangenen Juni etwa wurde in Bad Orb ein Kroate (37) auf frischer Tat erwischt. In seinem Wagen stießen die Beamten auf hochwertiges Handwerkerzubehör, zusammengestohlen aus geparkten Fahrzeugen. Der Mann ist übrigens inzwischen wieder auf freiem Fuß: Die Untersuchungshaft wurde ihm angerechnet. Erfolgreiche Polizeiarbeit stößt halt da an ihre Grenzen, wo „Mama oder Papa Gnädig“ hinterm Richtertisch sitzen.

Ausländer verüben über 50 Prozent der Taten

Im offiziellen Teil der Statistik tauchen sie nicht auf, die Zahlen über kriminelle Ausländer, wenngleich sie erhoben werden. Für Hanau lässt sich eine erschreckende Entwicklung ablesen: Der Anteil der „nichtdeutschen“ Tatverdächtigen ist in der Stadt inzwischen auf mehr als 50 Prozent gestiegen. Das waren im vergangenen Jahr 2091 Personen (2015: 1898), im übrigen Kreisgebiet liegt die Zahl bei 1573, das ist immerhin fast jeder dritte Täter. 7,2 Prozent verfügten über türkische Pässe, 5,5 Prozent über rumänische.Getrübt wurde die Krimibilanz übrigens auch durch Flüchtlinge, die besonders bei Körperverletzung (225 Fälle im Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen), Diebstählen (224) und Beförderungserschleichung (157) auffällig wurden.

Viele Taten in Flüchtlingsheim

Allerdings: Zu den meisten Straftaten kam es nach Angaben von Polizeipräsident Ullmann in den Flüchtlingsheimen selbst. „Die Bevölkerung ist davon in der Regel nicht betroffen.“ Die Straßenkriminalität sei bei Asylbewerbern mit insgesamt 40 Fällen denn auch eher niedrig.Gleichwohl sprach sich Ullmann für eine harte Gangart aus. Die Polizei arbeite dabei verstärkt mit den Ausländerbehörden zusammen. Von 20 als notorisch kriminell eingestuften Flüchtlingen seien jüngst 15 abgeschoben worden: „Wer sich nicht an die Regeln hält, m

Auch interessant