Der Schriftzug „Stop“ auf dem Weg zur Isolierstation des Krankenhauses Schlüchtern der Main-Kinzig Kliniken hat symbolischen Charakter: Nur gemeinsam könne es gelingen, die Entwicklung des Coronavirus zu verlangsamen, so Kreis und Stadt in einer Mitteilung.
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Der Schriftzug „Stop“ auf dem Weg zur Isolierstation des Krankenhauses Schlüchtern der Main-Kinzig Kliniken hat symbolischen Charakter: Nur gemeinsam könne es gelingen, die Entwicklung des Coronavirus zu verlangsamen, so Kreis und Stadt in einer Mitteilung.

Zahlen auf hohem Niveau

Kreisspitze und Hanaus OB zur Corona-Situation in der Region: „Betrachten Entwicklung mit großer Sorge“

Landrat Thorsten Stolz und der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky ziehen in einer Mitteilung gemeinsam mit Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler nach den ersten beiden Wochen des „Lockdown light“ für den Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau ein differenziertes und ausführliches Fazit.

Region Hanau – „Auf der einen Seite sind wir dankbar dafür, wie diszipliniert sich der überwältigende Teil der Bürgerinnen und Bürger in den ersten beiden Novemberwochen in unserer Region verhalten hat, auf der anderen Seite spiegelt die Entwicklung der Infektionszahlen im Main-Kinzig-Kreis und in Hanau diese Disziplin noch nicht so wider, wie wir es uns erhofft haben“, erklären die Kreisspitze und der OB.

Hohe Inzidenzen in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis

Die Inzidenzwerte in den Kommunen im Main-Kinzig-Kreis und insbesondere in Hanau bewegten sich derzeit auf einem sehr hohen Niveau. „Es ist erkennbar, dass enge urbane Räume in der Rhein-Main-Region bei den Inzidenzen in Hessen derzeit an der Spitze liegen“, bilanzieren Stadt- und Kreisspitze in der Mitteilung.

Frankfurt weise eine Inzidenz von 290 (RKI) aus, Offenbach von 342 (Homepage der Stadt) und Hanau, würde man es vom Main-Kinzig-Kreis getrennt betrachten, einen Wert von über 370. Doch auch in allen anderen Städten und Gemeinden im Main-Kinzig-Kreise seien zum jetzigen Zeitpunkt hohe Infektionswerte festzustellen. Dies zeige der kreisweite Inzidenzwert 217 (Alle Angaben Stand Donnerstag, 12. November, 8 Uhr). Das bedeute, dass sich das Virus in der Bevölkerung ausbreite.

„Auch wenn wir alle wissen, dass sich die Auswirkungen der uns auferlegten Maßnahmen erst ab der kommenden Woche zeigen können, betrachten wir diese Entwicklungen derzeit mit einer großen Sorge“, unterstreicht die Erste Kreisbeigeordnete laut Mitteilung.

Main-Kinzig-Kreis: Zahl der belegten Intensivbetten steigt massiv an

Die Sorge begründe sich darauf, dass in den vergangenen drei Wochen die Zahl der belegten Intensivbetten in den Krankenhäusern in Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern massiv angestiegen sei. Während am 14. Oktober im gesamten Kreisgebiet keine Patienten auf der Covid-Intensivstation gelegen hätten, seien dies am Freitag bereits insgesamt 14 gewesen, davon acht unter künstlicher Beatmung.

Auch in sensiblen Einrichtungen wie Seniorenheimen sei ein „vermehrter Eintrag“ des Virus festzustellen gewesen. Diese Entwicklung sei zwar auch bundesweit feststellbar, was jedoch nicht die Dramatik gerade in der hoch vulnerablen Gruppe von Personen abschwäche.

Krankenhäuser reduzieren Zahl der Eingriffe

„Wir sind sehr nahe an dem Stand vom Frühjahr dieses Jahres – an einigen Stellen schon einen Schritt weiter. Das macht jede Maßnahme, jede Entscheidung eines jeden von uns allen umso wichtiger. Jeder, der Hilfe braucht, soll sie bekommen. Jeder, der Hilfe leisten kann, der soll sie leisten können. Das geht nur, wenn wir die Gesundheitssysteme nicht überfordern“, so Kreis- und Stadtspitze laut Mitteilung.

Der Blick auf die Lage in den Krankenhäusern bereite ernsthafte Sorge: „Wir sind mittlerweile in der Situation, dass Elektiveingriffe in unseren Krankenhäusern zurückgefahren werden müssen, um die notwendigen Kapazitäten im Bereich der Intensivstationen für Corona-Patienten vorzuhalten und auch das pflegerische Personal nicht überzubelasten.“, führt Landrat Stolz aus.

Hanau und Main-Kinzig-Kreis: Corona-Fälle auch bei den Krankenhaus-Mitarbeitern

Und auch, wenn das mancher noch nicht wahrhaben wolle: „Es tritt exakt das ein, was wir immer gesagt haben: Mit einer Zunahme des Infektionsgeschehens innerhalb der Bevölkerung steigen auch die stationären Aufnahmen. Der Rettungsdienst führt den Krankenhäusern kontinuierlich Patienten zu – auch Patienten außerhalb des Main-Kinzig-Kreises, die Aufnahmen in den Normalstationen steigen und die Intensivstationen haben viel zu tun. Gleichzeitig vermelden auch unsere Krankenhäuser Corona-Fälle unter der Mitarbeiterschaft – und genau das ist insgesamt eine herausfordernde Situation“, erläutern Stolz und Kaminsky.

Durch die Ende der vergangenen Woche getroffene Entscheidung, in den Schulen des Main-Kinzig-Kreises und der Stadt Hanau zunächst bis zu den Weihnachtsferien den Unterricht im Wechsel zwischen Präsenz und Distanz ab Klasse 7 zu organisieren, hoffen alle Verantwortlichen laut Mitteilung auf eine Entspannung in den Schulen.

Zahlreiche Schulen im Main-Kinzig-Kreis von Corona betroffen

„Mit Stand vom Donnerstag waren 39 Schulen im MKK und der Stadt Hanau von Covid-Fällen in der Schulgemeinde betroffen. Mehr Distanz ist das allgemeine Ziel – das geht nur mit weniger Schülern in den Klassen. Wir sehen sonst die Gefahr des ‘Salami-Lockdowns’, alleine schon, wenn zu viele Lehrer in Quarantäne gehen müssen und keine Lehrkräfte mehr in den Schulen unterrichten können. Die Schulen als Anker der Stabilität – und Schulschließungen so lange als möglich zu verhindern – dieser Gedanke leitet uns“, resümieren Stadt und Kreis.

Auch treten sie beide dafür ein, so viel Präsenzunterricht wie möglich anbieten zu können – „jedoch nicht um jeden Preis, sondern sorgsam und abgewogen“.

Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises rüstet personell auf

Durch die Vielzahl der Infektionen der vergangenen Wochen gepaart mit der Vielzahl von sozialen Kontakten vor dem Lockdown seien die Mitarbeiter im Gesundheitsamt an der Grenze des Möglichen angelangt.

„Wir haben das Personal in den letzten Wochen noch einmal massiv aufgestockt, haben Personal aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung abgezogen, um das Gesundheitsamt zu stärken, die Kollegen arbeiten seit einigen Wochen Spätschichten bis nach 21 Uhr, die Bundeswehr zur Unterstützung nach Gelnhausen geholt und erhalten in der nächsten Zeit auch noch Bedienstete des Landes zur Unterstützung“, zählt die Gesundheitsdezernentin in der Mitteilung nur einige der Maßnahmen auf, die seit einigen Wochen greifen.

Kreis und Stadt Hanau appellieren an Vernunft der Bevölkerung

Wichtig sei bei allem aber die Erkenntnis, dass es nur im Miteinander gehe. „Politik kann nicht gegen eine Pandemie anregieren. Appelle verhallen, wenn nicht wir alle begreifen, dass es an jedem von uns liegt. Wir können diese besondere Situation nur im gemeinsamen Schulterschluss aller Bürgerinnen und Bürger bewältigen“, heben Kaminsky und Simmler hervor.

„Es liegt in der individuellen Verantwortung aller, durch Reduzierung der sozialen Kontakte auf das Notwendigste dazu beizutragen, dass unser Gesundheitssystem nicht noch weiter über das menschlich Leistbare gefordert wird“, hebt Oberbürgermeister Kaminsky gemeinsam mit Landrat Thorsten Stolz hervor. Auch wenn sich den jetzigen Lockdown niemand gewünscht habe, auch wenn diese schwierige Zeit für viele in der Gesellschaft mit persönlichen Härten und Verzicht verbunden sei, so sei es trotzdem der richtige und einzig mögliche Weg gewesen, machen Kreis- und Stadtspitze deutlich.

Corona-Leugner sorgen für Unverständnis in der Politik

In diesem Zusammenhang danken Simmler und Kaminsky all jenen Menschen, „die sich so vorbildlich an die Kontaktbeschränkungen halten und im Geiste der Verordnung alle Zusammenkünfte, die nicht zwingend notwendig sind, auf ein Mindestmaß reduzieren“. Mit großer Besorgnis und auch einer gehörigen Portion Unverständnis schauen Stadt- und Kreisspitze auf die Reihen der Corona-Leugner und „Querdenker“, die für sich besondere Rechte in Anspruch nehmen wollen, wie die Demonstration in Leipzig offenbart habe.

In Hanau seien am Mittwoch „zum Glück“ nur rund 50 Personen zum Demonstrieren gewesen. „Unser Bundespräsident hat die richtigen Worte gefunden: Rücksichtslosigkeit ist kein Freiheitsrecht“, schließen sich Oberbürgermeister Kaminsky, Landrat Stolz und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler laut Mitteilung Frank Walter Steinmeier an.

Mitarbeiter des Gesundheitsamtes werden am Telefon beschimpft

Insgesamt sei feststellbar, dass sich der Umgangston in den vergangenen Wochen und Monaten spürbar verändert habe. So würden die Mitarbeiter im Gesundheitsamt in Telefonaten vermehrt beschimpft und aggressiv angegangen, ähnlich erginge es Polizei und Ordnungsamtsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern und auch den Beschäftigten in den Testzentren der Kassenärztlichen Vereinigung.

„Es liegt an uns selbst, dass wir bei aller psychischen und physischen Belastung, der so viele Menschen derzeit ausgesetzt sind, ein gewisses Maß an guten Gepflogenheiten im Umgang miteinander beibehalten“, unterstreichen der Oberbürgermeister und die Erste Beigeordnete laut Mitteilung.

Dank an Pflegekräfte, Ärzte und Krankenhäuser

Wichtig sei es ihnen, ihren Dank und ihren großen Respekt gegenüber all denen auszusprechen, die beim Kampf gegen Corona in vorderster Reihe tätig sind. „Ob in der Pflege, in den Krankenhäusern, bei den niedergelassenen Ärzten, in den Testzentren und auch im Gesundheitsamt: Hier leisten Menschen Hervorragendes“, bedanken sich Simmler, Stolz, Kaminsky in der Mitteilung bei allen, die in diesen Zeiten ein außerordentliches Maß an Verantwortung tragen. cd

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