Gelegenheit für Austausch: Susanne Simmler (Dritte von links), die erste Kreisbeigeordnete des Main-Kinzig-Kreises, besuchte im Rahmen der traditionellen Weihnachtsbereisung auch das Polizeidirektorium am Hanauer Freiheitsplatz. Foto: Jasmin Jakob

Region Hanau

Kreisspitze besucht alle Polizeistationen im Main-Kinzig-Kreis

Region Hanau. Susanne Simmler, die Erste Kreisbeigeordnete des Main-Kinzig-Kreises, staunte nicht schlecht, als am Wochenende zwei Polizisten vor ihrer Haustür standen, um sie über Wohnungseinbrüche aufzuklären.

Von Jasmin Jakob

Bei den Nachbarn war eingebrochen worden. Am Mittwoch darauf sitzt Simmler den Kollegen der Einsatzkräfte gegenüber, um ihnen noch mal im Namen aller Bürger zu danken. Aber auch aus einem anderen Grund.

Kurz vor Weihnachten bekommen alle Polizeireviere im Main-Kinzig-Kreis nämlich traditionell hohen Besuch aus der Kreisverwaltung: Zum Jahresende nehmen sich beide Seiten Zeit, innezuhalten, das Jahr Revue passieren zu lassen, zu überlegen, welche Probleme es bei der Polizeiarbeit gab. Auch um darüber nachzudenken, wo politischer Handlungsbedarf besteht und was gut lief. Auch in diesem Jahr wollten Landrat Thorsten Stolz und die Erste Kreisbeigeordnete das direkt von den Einsatzkräften erfahren.

Während Stolz in diesem Jahr die Stationen Bad Orb, Gelnhausen, Schlüchtern und Langenselbold abfährt, besucht Simmler parallel die Reviere Hanau I und II, den Kriminaldauerdienst, Großauheim und Maintal. In diesem Jahr haben wir Simmler bei ihren Gesprächen mit den Polizisten begleitet.

Simmler schätzt den Austausch

Simmler schätze an der sogenannten „Weihnachtsbereisung“ vor allem den Austausch mit der Basis: „Die Führungsebene treffen wir regelmäßig“, erzählt sie. Zum Beispiel im Rahmen der intensiven Zusammenarbeit im Präventionsrat. „Da ist es schon etwas Besonderes, zu hören, was die Kollegen denken, die den Dienst ausführen.“ Den Präventionsrat hatte der Landrat Thorsten Stolz 2017 unter anderem mit dem Polizeipräsidenten des Polizeipräsidiums Südosthessen ins Leben gerufen, um das Sicherheitsgefühl zu stärken. Durch den regelmäßigen Austausch von Staatsanwaltschaft, Verfassungsschutz, Kreisverwaltung und Polizei sollen Kriminalität und Gewaltdelikte bereits im Vorfeld verhindert werden.

In weihnachtlich dekorierten Konferenzräumen trifft Simmler am Mittwoch auf verschiedene Einsatzgruppen, die auch an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen für Sicherheit sorgen werden. Etwa, wenn Familienstreitigkeiten unter dem Tannenbaum eskalieren. Aber auch Abteilungsleiter Claus Spinnler. Personalrat Markus Hüschenbett und der leitende Polizeidirektor Jürgen Fehler bringen ihre Beobachtungen und Anregungen in die Gespräche ein.

Abteilungsdirektor Spinnler zieht für 2019 insgesamt eine positive Bilanz: „Die Kriminalität ist zurückgegangen, die Fallzahlen sind gesunken“, verkündet Spinnler. Dennoch steht die Polizei auch weiterhin vor großen Herausforderungen. Das Hauptthema in allen Stationen war in diesem Jahr der Personalmangel bei einer zunehmend wachsenden Bevölkerung. Bei Schichtdiensten gelange man da schnell an die Belastungsgrenzen. Simmler zeigt dafür viel Verständnis. Zusammen mit Thorsten Stolz will sie diesem Thema einen Brief an den Polizeipräsidenten widmen.

Einiges im Gange

Es sei jedoch schon einiges im Gange: „Wir arbeiten daran, dass der Personalkörper groß genug wird“, sagt Spinnler. Das Thema sei auch in der Landesregierung angekommen. Doch es fehle an Ausbildern und Räumlichkeiten sowie an geeignetem Nachwuchs. Daher appellierte er an seine Kollegen im Einsatz-Team, aktiv für den Beruf zu werben. „Zeigt, wie attraktiv die Arbeit der Polizei ist. Das ist interessant, da erlebst du was.“ Auch im Hinblick auf die Ausrüstung habe sich vieles getan, was zur Sicherheit der Polizisten und der Bevölkerung beitrage, wie etwa die Ausstattung mit Bodycams.

Die Körperkameras seien auch dringend notwendig, denn obwohl die Anzahl an Widerständen gleich bleibe, nehme die Aggressivität seitens der Bevölkerung zu. „Bei uns ist die Toleranz für Beleidigungen und Übergriffe leider so stark gestiegen, dass wir nur noch gravierende Fälle zur Anzeige bringen“, sagt eine Polizistin.

Wünschenswert sei außerdem eine Komplettsanierung der Polizeidirektion Main-Kinzig. Bauzäune umgeben bereits das Gebäude am Hanauer Freiheitsplatz. Hier sollen bald mehr Parkplätze zur Verfügung stehen. Zudem soll das Gelände um die Polizeistation umzäunt und mit zusätzlichen Kameras gesichert werden. Der Gewahrsamstrakt im Untergeschoss des Gebäudes soll im kommenden Jahr ebenfalls umgebaut werden.

Kernsanierung sei nötig

Darüber hinaus sei jedoch eine Kernsanierung nötig. „Derzeit werden Pläne für 2026 vorgeplant“, drückt es der leitende Polizeidirektor Fehler diplomatisch aus. Dann müsse die Direktion für ein paar Jahre auf einen Übergangsstandort ausweichen. „Es ist unser großes Ziel, in optimale Räumen zurückkehren zu können“, sagt er.

Zur hohen Auslastung kämen Betrugsmaschen von Callcentern aus dem Ausland hinzu. Die versuchten ältere Menschen gezielt um ihr Vermögen zu bringen. Zuletzt gab es mehrere Vorfälle in Bad Orb und Schlüchtern. „Das belastet unsere Arbeit extrem“, berichtet ein Polizist des Kriminaldauerdienstes, „weil man an die Hintermänner schwer rankommt.“ Die hätten sich so stark professionalisiert, dass bei ihren Anrufen sogar die Notrufnummer der Polizei auf dem Display erscheint. „Da sollte man hellhörig werden“, betont er. „Denn wir rufen niemals mit dieser Nummer an.“

Aber das Bewusstsein der Bevölkerung sei geschärft. Auch was die Sicherung der eigenen vier Wände betreffe. „Die Zahl der Wohnungseinbrüche geht flächendeckend zurück“, resümiert Spinnler, auch durch die Aufklärungsarbeit der Polizei. „Wenn man selbst einen Wohnungseinbruch erlebt hat, geht das an die Psyche, sagt Spinnler. „Das den Leuten zu ersparen, ist die Arbeit wert.“

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