Gabriele Kaufmann (Klarinette, Bassklarinette, Tenorsaxofon), Laura Heinz (Gesang), Nina Hacker (Kontrabass) und Almut Schwab (Akkordeon, Flöten, Hackbrett) bringen musikalische Erfahrungen sehr unterschiedlicher Stilrichtungen mit ein. Foto: Pauly

Gelnhausen

"Klezmers Techter" in der ehemaligen Synagoge in Gelnhausen

Gelnhausen. Die Musik wirkt wie eine ständige Aufforderung, das Leben trotz aller Hindernisse zu lieben und zu feiern.. So auch bei diesem Konzert, als das Trio „Klezmers Techter“ zum wiederholten Male in der ehemaligen Synagoge in Gelnhausen zu Gast war.

Von Andrea Pauly

Im Programm „In Eynem“ vereinten sich auch bei diesem Auftritt künstlerische Kraft, temperamentvolle Spielfreude und musikalische Tiefe mit der vielschichtigen Stimme der jungen Mainzer Sängerin Laura Heinz.Klezmer-Musik, der sich hierzulande seit einigen Jahren immer mehr Musikerinnen und Musiker widmen oder stilmäßig in ihre Werkinterpreationen einfließen lassen, stammt ursprünglich aus dem jiddischsprachigen Osteuropa und wurde von der nicht-jiddischen Musik der Region beeinflusst.

Nach den ersten Auswanderungswellen kam diese Musik nach Amerika und verband sich dort auch mit dem swingenden Jazz. Die „Klezmorim“ intensivierten dort noch ihre Zusammenarbeit mit anderen kulturellen Gruppierungen wie den türkischen und ungarischen Musikern. Diese Tradition folgen „Klezmers Techter“.

Verschiedene EinflüsseGabriela Kaufmann (Klarinette, Bassklarinette, Tenorsaxofon), Almut Schwab (Akkordeon, Flöten, Hackbrett) und Nina Hacker (Kontrabass) bringen musikalische Erfahrungen sehr unterschiedlicher Stilrichtungen mit ein, von der Klassik über Neue Musik bis hin zum Jazz.

Seit seiner Gründung vor bald 25 Jahren hat sich das preisgekrönte Ensemble den Ruf erspielt, zur Spitzenklasse der europäischen Klezmerszene zu gehören. Die drei Musikerinnen traten unzählige Male in Deutschland, im europäischen Ausland sowie in Argentinien auf und tourten schon mit Giora Feidman, dem King of Klezmer, durch Israel.

Gefühle und ProfessionalitätDass sich die Damen bestens auf die musikalische Verschmelzung von Ekstase und Verzweiflung, Lebenslust und Wehmut verstehen, bewiesen sie vor allem bei den instrumentalen und traditionellen Fiddler-Stücken, bei denen Gabriela Kaufmann ihrer Klarinette die temperamentvollsten Juchzer und Schluchzer entlockte. Aber auch bei den klagenden schmerzvollen Werken aus dem Holocaust wie „Frühling“ und „Unter Deinem weißen Stern“ (Gesang Laura Heinz) berührten die drei Musikerinnen mit traumwandlerischer sicherer Professionalität, die den individuell interpretierten Gefühlen allen Raum ließ.

Dabei gefiel vor allem der spielerische Dialog zwischen Klarinette und Akkordeon, der vom Kontrabass untermalt wurde. „Die Grine Kusine“ wiederum handelte von einem hübschen Mädchen, das nach Amerika auswandert. Bekannt war auch das Kinderlied „Und als der Rebbe singt“, und natürlich kannte jeder im Publikum den Evergreen „Bei mir bist du scheen“, der als Zugabe erklang. Laura Heinz sang die jiddischen Lieder mit warmer, reiner, heller Stimme, mal gefühlvoll weich und mal mit keck forderndem Unterton. Von tiefer Melancholie bis zu überschwänglicher Lebensfreude – Klezmers Techter und Sängerin Heinz brachten bei ihrem Konzert in der ehemaligen Synagoge die unzählige Facetten menschlicher Gefühle zum Klingen und erzählten dabei, wie es schien – jede der vier Frauen für sich – ein kleines bisschen von sich selbst. Das Publikum war hingerissen von soviel gefühlvoller Harmonie und leidenschaftlicher Virtuosität – stehende Ovationen und tosender Beifall am Ende bezeugten dies

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