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Kleine Orte, ganz groß: Hof Trages

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Kunstgenuss vor der Kapelle: Immer wieder öffnete sich der Park Kulturtreibenden. Foto: Breyer
Kunstgenuss vor der Kapelle: Immer wieder öffnete sich der Park Kulturtreibenden. Foto: Breyer

Freigericht.   Es ist ein einzigartiges Kleinod mit lebendiger Geschichte: Hier gingen große Literaten ein und aus. Hof Trages war vor rund 200 Jahren ein bedeutender Treffpunkt der Romantik.

Von Reinhard Breyer

Zum Abschluss unserer Serie "Kleine Orte, ganz groß" steht Hof Trages im Fokus. Hof Trages ist echtes Grenzgebiet, denn hier stoßen das Land Hessen und der Freistaat Bayern aneinander. Nur wenige Meter entfernt verlief die Birkenhainer Straße, der bedeutende mittelalterliche Handelsweg. Er verband Hanau mit Gemünden am Main und verkürzte damit den Weg über die nordwestlichen Ausläufer des Spessarts.Ein Mann namens Drago hat die günstige Lage des Fleckens erkannt und rodete im 9. Jahrhundert ein Stück Wald. Damit legte er den Grundstein für den heutigen Hof Trages.Die Siedlung war heiß umkämpft. In ihrem Buch über Trages schreibt Gunda von Savigny: „Durch Urkunden aus dem Jahr 1317 weiß man, dass Peter von Dragus mit seiner Sippe in der neu entstandenen Siedlung lebte und ihr vorstand. Von diesem Zeitpunkt an hieß der Ort Dragus.“ Daraus entstand Trages, abgeleitet vermutlich von Trageser – einem Familienname, den man im Raum Freigericht häufig antrifft.Gunda von Savigny: „Urkunden geben auch Auskunft darüber, dass Peter von Dragus Klage gegen die in der Burg über Kälberau hausenden Herren von Randenberg erhob, weil sie wiederholt seine Länder verwüstet hatten.“Als der Dreißigjährige Krieg wütete, wurde die Siedlung zerstört. Um 1730 begann unter Johann Hieronymus von Cranz der Wiederaufbau. Zwischen Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel und dem Kurfürst von Mainz entzündete sich ein Gerangel um diesen Zipfel. Schließlich kam Trages zur Landgrafschaft Hessen-Kassel, später zum Großherzogtum Frankfurt, dann ging es an das Kurfürstentum Hessen. Heute gehört die Siedlung zur Gemeinde Freigericht.

Das Brentano-ZiimmerZu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Anwesen zum Treffpunkt berühmter Persönlichkeiten der Romantik. Dazu zählte etwa der Jurist und spätere preußische Minister Friedrich Carl von Savigny, der den Hof von seinem Vater geerbt hatte.Während einer Reise freundete sich Friedrich Carl von Savigny in Jena mit Clemens Brentano an, einem der führenden Literaten der Epoche. Karoline von Günderrode verliebte sich in den späteren Minister. Nach 1800 lehrte Friedrich Carl von Savigny an der Universität Marburg.Sein erster Marburger Schüler war Jacob Grimm, über den sein Bruder Wilhelm zu dem Kreis hinzustieß. 1804 vermählte sich Savigny mit Kunigunde Brentano, der älteren Schwester von Clemens und Bettine Brentano. 1805 lernte Savigny Achim von Arnim kennen. 1811 heiratete Bettine Brentano Achim von Arnim. Aus ihr wurde als Bettine von Arnim eine bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik. Achim von Arnim und Clemens Brentano haben unter dem Titel „Des Knaben Wunderhorn“ von 1805 bis 1808 eine Sammlung von mehr als 700 Liebes-, Soldaten-, Wander- und Kinderliedern vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert publiziert. Das Werk gilt als wichtiges Zeugnis der Romantik. Brentano schrieb hier sein berühmtes Märchen „Gockel, Hinkel und Gackeleia“. Im Brentano-Zimmer künden noch heute die 1809 bemalten Wände mit romantischen Motiven davon.Der Kreis der Romantiker hielt sich häufig auf Hof Trages auf. Dort gesellte sich auch Ludwig Emil Grimm hinzu, der „Malerbruder“ von Jacob und Wilhelm Grimm. Über seine subtile Sprache, die er in Karikaturen zum Ausdruck brachte, haben erst kürzlich die Literaturwissenschaftler Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz auf Trages einen Vortrag gehalten, wie unsere Zeitung berichtete.Heute noch dient Hof Trages der Familie von Savigny als Domizil. Sie öffnet das Anwesen mit dem romantischen Park alljährlich in der ersten Augustwoche gerne der Öffentlichkeit. Hausherr ist Hubertus von Savigny. Seit 1998 finden dort außerdem die Sommerlichen Musiktage statt. Nach dem Umbau und der Sanierung des ehemaligen Gutshofes lag es nahe, den Innenhof des Golfparks, sowie Schlosspark und Schlosskapelle für Musikveranstaltungen zu nutzen. Der Kirchenmusiker, Chorleiter und Dirigent Helmuth Smola fand – mit Unterstützung durch Baronin Karin von Savigny – in dem damaligen Freigerichter Bürgermeister Manfred W. Franz einen Mitstreiter für diese Idee.

Bei Golfern hoch im KursDie Nachbargemeinde Rodenbach und deren Kulturinitiative wurden als Mitveranstalter gewonnen. Rund 2000 Besucher nahmen in diesem Jahr an den Musikdarbietungen teil, die glanzvoll mit Edward Elgars Militär-Marsch „Pomp and Circumstances“ und einem Feuerwerk zu Ende gingen. Daneben bieten die Eigentümer in Kooperation mit dem Kulturverein Kaleidoskop Künstlern der Region ein Forum für ihre Werke.Die 18-Loch-Anlage steht bei Golfspielern hoch im Kurs. Lage, Ambiente und der Panoramablick über die Spessartlandschaft haben ihren besonderen Charme. Der „Golfpark absolute Trages“, wie die Anlage offiziell heißt, steht Spielern seit 1994 zur Verfügung. Für ein Hotel läuft derzeit das Bebauungsplanverfahren.Auch die Brentanos, von Savignys und von Arnims hätten hier vermutlich gerne einmal den Golfschläger geschwungen.

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