Corona-Pandemie

Kitas im eingeschränkten Betrieb: So kommen Erzieherinnen und Kinder zurecht

  • vonUlrike Pongratz
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Kitas in Hessen dürfen im Rahmen der Corona-Lockerungen wieder mehr Kinder aufnehmen. Auch in den Kitas im Main-Kinzig-Kreis werden wieder mehr Kinder betreut. Sie müssen sich mit der neuen Situation engagieren.

  • Kitas in Hessen nehmen wieder mehr Kinder auf
  • Corona sorgt für besondere Umstände in den Kitas
  • Kitas müssen die Corona-Maßnahmen genau einhalten

Region Hanau – Seit dem 2. Juni nehmen die Kitas in Hessen wieder mehr Kinder auf. Die Landesregierung hat für ein Schutz- und Hygienekonzept Rahmenbedingungen vorgegeben, die in den Einrichtungen nach den jeweiligen Gegebenheiten umgesetzt werden.

Kitas in Hessen setzen Corona-Verordnungen unterschiedlich um

Unter anderem müssen in geschlossenen Räumen pro Kind fünf Quadratmeter zur Verfügung stehen, weshalb sich die Gruppen verkleinern. Jede Kita kann also entsprechend ihrer Raum- oder Personalkapazitäten den „eingeschränkten Regelbetrieb“ oder die „erweiterte Notbetreuung“ in der täglichen Praxis ein wenig anders umsetzen.

Grundsätzlich gilt, die einzelnen Gruppen möglichst getrennt zu halten und auf Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln zu achten, um eine mögliche Ansteckung mit Covid-19 zu begrenzen. Wir haben mit Myriam Harter, Leiterin der Kita Zauberwald, einer Einrichtung des Behindertenwerks Main-Kinzig (BWMK), und Astrid Amara, Leiterin des Evangelischen Kindergartens Dörnigheim, telefonisch über die aktuelle Situation gesprochen.

Corona: Deutlich weniger Kinder in den Kitas 

Aufgrund der Einschränkungen können noch nicht alle Kinder die Einrichtungen besuchen. In der Kita Zauberwald werden zurzeit zwei Drittel der Jungen und Mädchen ganztags betreut, im vergleichsweise kleinen Evangelischen Kindergarten in Dörnigheim reicht die Raumkapazität für genau die Hälfte der Kinder. Hier ist es dem Team gelungen, mit solidarischen Eltern, auch Zwei- oder Dreitagesplätze zu vereinbaren.

So wurde mit einer wechselnden Tagesbetreuung statt für 23 immerhin Platz für 35 Kinder geschaffen. „Wir haben im Vorfeld sehr viel überlegt und sehr viel mit den Eltern gesprochen“, sagt Astrid Amara, „und oftmals den Unmut der Eltern zu spüren bekommen.“

Corona in den Kitas: Viele Eltern sind verzweifelt

Auch Myriam Harter kennt verzweifelte Eltern, deren Kinder noch zu Hause bleiben müssen. „Die freien Plätze werden nach pädagogischen Kriterien vergeben“, erklärt Astrid Amara. Zu den Jungen und Mädchen in der Notbetreuung sind die Einrichtungen nun auch für Vorschulkinder, Kinder mit Förderbedarf, Kinder aus Familien in besonderen Notsituationen und Kinder, deren Eltern beide berufstätig sind, wieder geöffnet.

In der integrativen Kita Zauberwald des BWMK zählen einige Kinder zu den Risikogruppen, die noch nicht wieder in der Kita sind, weil es den Eltern noch zu gefährlich erscheint. „Wir sind dennoch froh, wieder so viele Jungen und Mädchen bei uns zu haben“, sagt Leiterin Myriam Harter, „und wir sehen auch, wie wir ihnen durch unsere geregelte Struktur wieder Sicherheit geben können.“

Kinder kommen mit Corona-Situation in Kitas gut zurecht

Astrid Amara sagt: „Die Kinder haben sich in den letzten zehn Wochen unglaublich weiterentwickelt. In den kleinen Gruppen haben wir jetzt sehr viel Zeit für jedes Kind und können es ganz neu kennenlernen.“ Die Jungen und Mädchen, das sagen beide Leiterinnen übereinstimmend, kommen erstaunlich gut mit der neuen Situation zurecht.

Das Händewaschen ist kein Thema mehr. Die Kinder haben sich schnell daran gewöhnt, jetzt in festen Gruppen zu spielen, die in beiden Kitas neu organisiert wurden. Geschwisterkinder bleiben zusammen, Freunde wurden manchmal getrennt. „Dadurch haben sich wiederum neue Freundschaften entwickelt, die sich wohl nicht ergeben hätten“, stellt Myriam Harter fest.

Corona: Weiter Abstand beim Mittagessen in Hessens Kitas

In beiden Kitas wurde die geregelte Tagesstruktur punktuell angepasst. In der Kita Zauberwald wurde Beispielsweise das gemeinsame Außengelände unterteilt, in der evangelischen Einrichtung wird der Garten abwechselnd genutzt. Beim Mittagessen sitzen die Kinder in weitem Abstand, die Mahlzeiten werden von den Erzieherinnen auf die Teller gelegt.

Früher konnten sich die Kinder selbst bedienen. „Das gehört zu unserem pädagogischen Konzept, die Selbstständigkeit zu fördern. In dieser Hinsicht machen wir einen Rückschritt“, stellt Astrid Amara fest. 

Corona-Maßnahmen werden in Kitas penibel beachtet

Natürlich wird in beiden Einrichtungen noch penibler als vorher auf die Reinigung und Desinfektion geachtet; in der Kita Zauberwald werden zudem die Maßnahmen protokolliert. Einspielen musste sich zunächst das Bringen und Abholen. In der Kita Zauberwald bleiben die Eltern draußen, die Kinder werden an der Türe von den Erzieherinnen abgeholt und am Nachmittag wieder zur Tür gebracht.

„Wir schauen, wer da ist, sagen in der Gruppe Bescheid. Wir öffnen einen zweiten Eingang, um Warteschlangen an der Türe zu vermeiden“, sagt Leiterin Harter. In der sehr viel kleineren evangelischen Kita ist die Situation etwas entspannter. Einige Kinder werden bereits um zwölf Uhr mittags geholt, andere dann zwischen eins und halb vier Uhr nachmittags.

Kitas haben Corona-Zwangspause kreativ genutzt

„Wir nutzen die Übergabe, um kurz mit den Eltern zu sprechen“, sagt Astrid Amara, „bei Bedarf sprechen wir länger am Telefon oder per E-Mail.“ Die Kitas haben die Zwangspause der Q uarantäne produktiv nutzen können. „Zauberwald“ hat eine eigene App entwickelt, um Eltern mit Bastelideen, Liedern und Rezepten zu unterstützen.

Im evangelischen Kindergarten Dörnigheim wurde ausgemistet und verschönert, die Kinder per Post und persönlich mit Materialien versorgt. Beide Kitas haben Kontakt mit ihren Schützlingen gehalten. Die Kolleginnen seien hoch motiviert, gäben auch unter diesen Umständen ihr Bestes, können die Leiterinnen übereinstimmend feststellen. „Zugleich sehen wir auch die belastende Situation in den Familien und Verzweiflung mancher Eltern, deren Kinder noch immer zu Hause betreut werden.“

Rubriklistenbild: © dpa

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