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Kiebitz droht auszusterben

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Im Kreis werden immer weniger Kiebitze gesichtet.
Im Kreis werden immer weniger Kiebitze gesichtet.

Main-Kinzig-Kreis. Früher waren sie aus der Natur nicht wegzudenken, jetzt droht der Kiebitz auszusterben. Die Landwirtschaft zerstört Nester, Jungvögel werden getötet. Die Vogelschutzgruppe Niedermittlau kämpft für den Erhalt der Vogelart.

Von Andreas ZiegertIm Jahr 1957 wählte die Vogelschutzgruppe Niedermittlau bei ihrer Gründung den Kiebitz zum Vereinsvogel. Knapp 70 Jahre später befürchtet Raimer Thienhaus nun ein komplettes Verschwinden dieser Vogelart. „Der stumme Frühling ist nicht mehr fern“, so der bekannte Vogelschützer aus Niedermittlau.„Als ich im Jahr 1955 im Kinzigtal zwischen Wächtersbach und Langenselbold speziell die Wiesenvögel beobachtete, waren der Große Brachvogel, die Uferschnepfe, die Bekassine, der Kampfläufer, der Grünschenkel, der Bruchwasserläufer, der Dunkle Wasserläufer und die Wasserralle keine Seltenheit. Sogar der Waldwasserläufer wurde brütend in einem Erlenbruch festgestellt und auch der Flussuferläufer war an der Kinzig anzutreffen“, erinnert sich Thienhaus an die jährlichen Frühjahrszüge dieser Vögel bis in den Juni hinein mit einem Zwischenstopp auf den heimischen, feuchten Wiesen. Der Kiebitz sei vor allem in der Gemarkung Hasselroth als Brutvogel beobachtet worden.Nester wurden markiertThienhaus entwickelte ein Beobachtungssystem. Nester auf Ackerflächen, Grünland und Wiesen wurden erfasst und mit kleinen Stöcken beidseitig markiert, sodass die Landwirte sie mit ihren Maschinen nicht zerstörten.„Die großräumige Entwässerung und Übernutzung der Landschaft und die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung führt mit einem massiven Dünger- und Gülleeinsatz zur Eutrophierung, also zur Anreicherung von Nährstoffen. Das hört sich zwar sehr positiv an, wirkt sich aber für die Kleinorganismen nachteilig aus.“Nester werden zerstörtVor allem der schneller und dichter wachsende Bodenbewuchs, der noch vor Jahren erst im Frühjahr begann, sei für die Wiesenbrüter von großem Nachteil.Um schneller an Grünzeug zu kommen, werde früher und häufiger gemäht, was dazu führe, dass die Nester des Kiebitzes zerstört und Jungvögel von den Landmaschinen getötet würden. Inwieweit man in Zukunft dem Bestandsrückgang entgegentreten könne, sei ungewiss.100 bis 300 Kiebitze überfliegen KinzigtalDie Aufzeichnungen der Vogelschutzgruppe Hasselroth zeigten jedenfalls eine klare Tendenz an. Dass im Frühjahr jährlich noch 100 bis 300 Kiebitze das Kinzigtal und seine Nebentäler überfliegen, sei nur ein schwacher Trost. Thienhaus fordert daher eine enge Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz, um die gefährdete Vogelart doch noch zu erhalten.

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