+
Wolkenloser Himmel über Linsengericht: Das sonnige Wetter macht Mark Trageser, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Main-Kinzig, Sorgen. Der Regen wird dringend für die Frühjahrsaussaat benötigt.

Zum Keimen fehlt das Wasser

Landwirte blicken sorgenvoll auf die trockenen Böden – Noch besteht Hoffnung

  • Mirjam Fritzsche
    vonMirjam Fritzsche
    schließen

Während sich viele Menschen in Hanau und Umgebung über das anhaltend sonnige Wetter freuen, bereitet die Trockenheit Landwirten große Sorgen. „Die Lage ist angespannt“, sagt Mark Trageser, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Main-Kinzig.

Es habe über Wochen keinen nennenswerten Niederschlag gegeben. „Hinzu kamen die kalten Ostwinde, dadurch ist die Trockenheit besonders massiv“, sagt der Landwirt, der einen Hof in Linsengericht bewirtschaftet. Froh sei man, dass es aktuell zumindest keinen Wechselfrost mehr gibt. 

Das Hauptproblem: Die Frühjahrsaussaat braucht dringend Wasser. Zuckerrüben, Mais, Bohnen sowie das Sommergetreide liegen in der staubtrockenen Erde. „Sie beginnen gerade erst mit dem Wachstum, deshalb ist die Trockenheit jetzt besonders schlimm“, erläutert Trageser. Die im Herbst eingesäten Pflanzen kämen hingegen noch ganz gut zurecht. 

„Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun' und Fass“

Denn im Winter habe es gut geregnet und die Grundwasserstände haben sich erholt. „Winterweizen und Raps konnten über den Winter schon lange Wurzeln bilden. Die haben jetzt natürlich einen Vorteil.“ Sollte es weiter so trocken bleiben, müssen die Bauern mit Ernteeinbußen rechnen – das dritte Jahr in Folge. Bereits 2018 und 2019 war es zu trocken und zu heiß. Noch will Mark Trageser den Kopf nicht in den Sand stecken. „Wenn es in den nächsten zwei oder drei Wochen ordentlich regnet, könnten die Pflanzen das noch kompensieren“, ist sich der Fachmann sicher. 

Die Bauernweisheit „Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun' und Fass“ gelte tatsächlich. So mancher Landwirt wird daher wohl nach Regenwolken Ausschau halten. Die Aussichten stimmen allerdings alles andere als hoffnungsvoll. HA-Wetterexperte Alban Burster sagt für den Wonnemonat nur wenig Niederschlag voraus. 

Trageser: „Zusammen mit der aktuellen Trockenheit stimmt uns das nicht gerade hoffnungsvoll“

Dabei sind die Voraussetzungen in dieser Gegend gut. Das Gebiet im Altkreis Hanau könne sich über gute Böden freuen. „Das bedeutet wenig Steine, ebene Flächen und eine gute Zusammensetzung, für die unter anderem der Humusgehalt eine Rolle spielt“, erläutert Trageser. Angesichts einer zunehmenden Trockenheit müsse man mehr darauf achten, den Humusgehalt zu steigern. Er könne das Wasser einfach besser halten. Diese könne durch Zwischenfrüchteanbau erreicht werden oder indem Mist aus der Tierhaltung auf die Felder ausgebracht wird. Angebaut werden in der Region um Hanau hauptsächlich Getreide, zudem Mais und Zuckerrüben. Die aktuelle Lage bereite ihm Kopfzerbrechen, gibt Trageser zu. 

„Zwar merken die Menschen gerade in diesen Zeiten, wie wichtig die heimische Produktion von Lebensmitteln ist, doch die politischen Vorgaben werden trotzdem weiter verschärft“, bemängelt der Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Vor allem die strengeren Regeln fürs Düngen stehen bei Landwirten in der Kritik. Seit Kurzem ist eine neue Verordnung in Kraft. Hintergrund ist ein zu hoher Nitratgehalt im Grundwasser. 2018 hatte der Europäische Gerichtshof Deutschland nach einer Klage der EU-Kommission verurteilt, weil über Jahre zu wenig gegen die Verunreinigung unternommen worden sei. „Zusammen mit der aktuellen Trockenheit stimmt uns das nicht gerade hoffnungsvoll“, so Trageser.

Das könnte Sie auch interessieren