Die CDU Main-Kinzig befindet sich laut Katja Leikert an einem Tiefpunkt. Um diesen zu überwinden, müsse das parteiinterne Miteinander verbessert werden. Dazu möchte sie als Kreisvorsitzende einen Teil beitragen. Archivfoto: Pompalla

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Katja Leikert kandidiert für den CDU-Kreisvorsitz

Main-Kinzig-Kreis. Wiederholt hatte es Spannungen gegeben in der CDU Main-Kinzig. Der vorläufige Höhepunkt: der abgebrochene Kreisparteitag in Rodenbach. Der bisherige Vorsitzende Johannes Heger wurde nicht wiedergewählt und warf anschließend hin. Nun möchte Bundestagsabgeordnete Katja Leikert die Scherben zusammenkehren.

Von Sebastian Zeh

„Für uns war es wirklich scheußlich“, kommentiert Leikert den Ausgang des Kreisparteitags im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass es ein derart schlechtes Ergebnis für Heger werden würde, sei im Vorfeld nicht abzusehen gewesen. Der Ausgang habe der Kreis-CDU einen großen Imageschaden beschert. „Wir befinden uns an einem echten Tiefpunkt“, so Leikert.

„Es ist möglich, dass es einen Unmut gegen Johannes Heger persönlich gibt“, sagt die Bundestagsabgeordnete. Den Ausgang für Heger bedauere sie, da sie den scheidenden Vorsitzenden als politischen Mitstreiter schätzt: „Er hat für die CDU Main-Kinzig viel erreicht.“

Alles kam zusammenÜberhaupt sieht Leikert nicht einzelne Verfehlungen, sondern eine „Gemengelage“ als ausschlaggebend für das Debakel. Der Unmut innerhalb der Partei sei nicht plötzlich entstanden. Auch die Wahlniederlage während der Landratswahl sowie vorangegangene Personalentscheidungen spielten für das Ergebnis eine Rolle.

„Klar ist: Es ist ein Lernprozess für die gesamte Partei“, sagt Leikert. Gerade das Miteinander und die Äußerung von Kritik seien verbesserungswürdig. „Es kann nicht sein, dass man sich bei Personalentscheidungen ständig zerreißt“, sagt sie. Mit Unmut, aber auch mit Niederlagen müsse anders umgegangen werden. Ein Abstrafen per Wahlzettel empfinde sie als „schrecklich“.

„Es steht allen Mitgliedern frei, sich um ein Amt im Vorstand zu bewerben“Klar sei jedoch, dass sachliche Kritik geäußert werden müsse. „Dass es zum Beispiel keine Kandidatenlisten gegeben hat, war eine eindeutige Verfehlung“, so Leikert. Parteiintern sei man deshalb darauf bedacht, beim kommenden Kreisparteitag für einen transparenten Wahlgang zu sorgen. „Es steht allen Mitgliedern frei, sich um ein Amt im Vorstand zu bewerben“, so Leikert. Dabei soll es im Vorfeld genug Zeit und Raum geben, für sich und die eigenen Ziele zu werben, um den restlichen Mitgliedern einen guten Eindruck von den zur Wahl stehenden Kandidaten zu geben.

Um den Schaden, den die Kreis-CDU genommen hat, auszubessern, gelte es, sich neu aufzustellen. Dazu gehöre auch ein faires, transparentes Verfahren zur Findung eines neuen Vorstands. „Ich sehe da gute Chancen für die Bewerber aus den Ortsverbänden“, sagt Leikert. Sie geht fest von mehreren Mitbewerbern aus.

„Auch das spricht ja für eine gute Arbeit des Kreisvorstands.“Aus Leikerts Sicht wird es für die CDU Main-Kinzig in der Zukunft vor allem um eines gehen: „Es kann nicht immer nur um das Negative gehen. Wir müssen es erreichen, dass wir wieder gemeinsam stolz auf Erfolge sein können.“ Dazu zählten etwa die klaren Wahlsiege bei Bundes- und Landtagswahlen in den Wahlkreisen des Main-Kinzig-Kreises. „Auch das spricht ja für eine gute Arbeit des Kreisvorstands.“

„Für mich ist klar: Wir arbeiten für den Main-Kinzig-Kreis. Und hier gibt es viel zu tun – das zeigt beispielsweise ein Blick auf unsere Schulen“, so Leikert weiter. Positiv stimme dabei die Tatsache, dass es seitens der Kreis-SPD keine Worte der Häme gegeben habe. „Daran zeigt sich, dass sie an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert sind.“

Chance auf NeuanfangEinige CDU-Mitglieder haben bereits ihre Unterstützung zugesagt. Der Landtagsabgeordnete Heiko Kasse-ckert bezeichnete die Kandidatur in einer Mitteilung als „Chance für Neuanfang“. Leikert genieße in der Partei einen guten Ruf und verfüge aus seiner Sicht über die Fähigkeit, Menschen mitzunehmen und zu führen. Das brauche die CDU Main-Kinzig in der aktuellen Lage, so der Landtagsabgeordnete.

Nach dem desaströsen Kreisparteitag erwarte die Parteibasis eine stärkere Einbeziehung und eine bessere Führung. Dieser Kritik müsse sich der Kreisvorstand stellen. Man müsse weg von Vorwürfen, Misstrauen und Unehrlichkeit, um offen für das gemeinsame Ziel einer starken CDU Main-Kinzig arbeiten zu können, so Kasseckert. Leikerts Kandidatur sei ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung, die Kasseckert unterstützt.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung begrüßten auch die Vorsitzenden der CDU-Stadtverbände Hanau, Gelnhausen und Sinntal Leikerts Kandidatur. Joachim Stamm (Hanau), Christian Litzinger (Gelnhausen) und Herwig Patzer (Sinntal) lobten die bisherige Arbeit der Bundestagsabgeordneten und sagten ihre Unterstützung zu. Dass die 43-jährige Bruchköblerin zunächst das Gespräch mit allen Stadt- und Gemeindeverbandsvorsitzen-den gesucht hatte, werten die Verbandsvertreter als „gutes Zeichen, dass künftig mehr mit- statt übereinander gesprochen wird.“

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