Karnevalisten tragen Trauer: Auf einem schwarzen Schiff mit schwarzen Segeln trugen die Matrosen des Kleingartenvereins Alte May schwarze Schleifen an den Schultern. Foto: Axel Häsler

Main-Kinzig-Kreis

Karnevalsumzüge in der Region positionieren sich gegen Rechts

Main-Kinzig-Kreis. Nachdem die Karnevalszüge in Hanau und Maintal aus Pietäts- und Sicherheitsgründen wegen des Terrorakts vom 19. Februar abgesagt wurden, haben die Umzugswagen andernorts Stellung dazu bezogen.

Von Jasmin Jakob

So startete beispielsweise der Karnevalsumzug in Wächtersbach am Sonntag mit einer Gedenkminute sowie dem Appell des Bürgermeisters Andreas Weiher, Hass und Rassismus in der Gesellschaft keinen Raum zu geben. Die Motivwagen des Niederissigheimer Karnevalsumzugs trugen Trauerflor und Bilder, was die Veranstalter des Niederissigheimer Carnevals Clubs 1974 (NCC) verteilt hatten. Die Botschaft der Narren lautete allerorts: Wir stehen zusammen und lassen uns durch rassistische Taten nicht einschüchtern.

„Wir sind in Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen, möchten dem Täter diesen Triumph nicht auch noch gönnen“, verkündete beispielsweise der NCC auf seiner Internetseite. Ähnlich äußerten sich auch die Keweler Eisbären und der Karnevalszugverein Maintal (KVM). In Niederissigheim trug jeder Wagen der 40 Zugnummern ein Bild mit der Kerze, die mit dem Datum des Terroranschlags als Zeichen der Trauer und Anteilnahme in den sozialen Netzwerken geteilt wurde.

Vereine wichen auf die Region aus

Dem Umzug hatten sich spontan neun weitere Vereine aus Großauheim, Maintal und der Hanauer Innenstadt angemeldet, die eigentlich an den ‧Umzügen in Hanau oder Maintal teilnehmen wollten. Der KVM reiste sogar mit seiner ‧gesamten Karnevalsgemeinschaft mit Reisebussen und Lkw nach Niederissigheim. „Gefühlt waren es viel mehr Zuschauer als in den letzten Jahren, viele Eltern waren mit kleinen Kindern da“, sagte Andreas Zorbach, der Zugmarschall in Niederissigheim. „Gerade für die kleinen Kinder war das berauschend, weil die Vereine viel mehr Süßigkeiten zu verteilen hatten. Aber auch für die Erwachsenen war es ein Fest.“

Die Vereine wichen außerdem auf die Umzüge in Gelnhausen und Mühlheim am Main aus. So schlossensich Karnevalszugvereine aus Maintal und Hanau dem gestrigen Straßenkarneval in Mühlheim an und setzten mit ihren Wagen ebenso ein deutliches Statement. Auch der 1. KG Klein-Auheim, die 1. SKG Steinheim, der Carneval Club Schwarz-Weiß Steinheim und der 1. KGK Großauheim nahmen an dem Zug teil, dessen Veranstalter auch die Ereignisse des 19. Februar kommentierte. Der Karnevalsumzug in Gelnhausen bekam zu seinen knapp 70 Zugnummern kurzerhand ein Dutzend Teilnehmer und 200 Fahrzeugmeter dazu. „Nachdem am Freitag der Karnevalsumzug in Maintal abgesagt wurde, bekam ich Anrufe im Minutentakt“, sagte Zugmarschall Jakob Morkel.

Im Zwiespalt zwischen Trauer und Feiern

Viele Vereine zeigten sich betroffen, wollten jedoch am Brauchtum festhalten und ein Zeichen setzten: „Wir haben viele Stunden Herzblut und Geld in den Wagen gesteckt, bei uns waren es um die 5000 Euro“, sagte beispielsweise Bendix Knop von den Keweler Eisbären auf Anfrage des HA. „Angesichts der Ereignisse war es nicht leicht, als Wagenbauer eine Entscheidung zu treffen.“ Lange hätten er und seine Vereinsmitglieder auch überlegt, ob man mit Schildern oder Wagendekoration seine Anteilnahme ausdrücke.

„Wir waren da in einem Zwiespalt, denn einerseits Trauer zu zeigen und gleichzeitig auf den Wagen zu springen und zu tanzen, war für uns ein Widerspruch. Als Karnevalsverein wollten wir uns hier politisch nicht äußern.“ Der Bruchköbeler Karnevalsverein hatte sich spontan entschlossen wie auch die Feuerwehr Roßdorf, die Eintracht Oberissigheim, die Issgemer Jungs und die Äppler Crew, am Samstag am Gelnhäuser Faschingsumzug teilzunehmen.

Meinungen über Maintals Absage gingen auseinander

Auch den Einsatzkräften der Feuerwehr Roßdorf sei die Entscheidung schwer gefallen: „Das hat uns alle schockiert und berührt“, sagte Patrick Faber, „die Jungs wollten aber trotzdem mitfahren.“ Sie hatten sich entschlossen, mit einer Deutschlandfahne mit schwarzem Trauerflor ein Zeichen an ihrem Wagen zu setzen. Auch die Fußballmanschaft von Eintracht Oberissigheim wollte mit ihrem „Götter des Olymps“-Motivwagen am Straßenkarneval teilnehmen. „Natürlich war das, was in Hanau passiert ist, in den Hinterköpfen, aber insgesamt war die Stimmung auf beiden Umzügen ausgelassen, friedlich und fröhlich“, sagte Michael Bellack, Fußballspieler des Vereins.

Kaminskys Entscheidung, die Hanauer Karnevalsumzüge, von denen einer sogar direkt an einem der Tatorte am Heumarkt vorbeigeführt hätte, abzusagen sei laut den Vereinen vollkommen richtig. Über die Absage in Maintal gingen die Meinungen jedoch stark auseinander.

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