Wer Nachts im Kreis unterwegs ist, muss einen triftigen Grund haben. Die Polizei kontrolliert die Ausgangssperre. 
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Wer Nachts im Kreis unterwegs ist, muss einen triftigen Grund haben. Die Polizei kontrolliert die Ausgangssperre. archiv

Keine verlässlichen Zahlen

Inzidenzwert unter 200: Main-Kinzig-Kreis hält trotzdem an Ausgangssperre fest

  • Monica Bielesch
    vonMonica Bielesch
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Mittlerweile seit knapp einem Monat gilt im Kreis eine nächtliche Ausgangssperre von 21 Uhr bis 5 Uhr morgens. Und der Main-Kinzig-Kreis hält weiter an dieser Ausgangssperre fest, lässt die Pressestelle auf Nachfrage verlauten.

Main-Kinzig-Kreis - Dabei hatten andere benachbarte Kreise wie der Wetteraukreis oder Darmstadt-Dieburg wegen rückläufiger Inzidenzwerte die nächtliche Ausgangssperre ausgesetzt. Auch im MKK ist dieser Wert rückläufig, die Sieben-Tagesinzidenz lag am Montag bei 175.

Am 11. Dezember des vergangenen Jahres hatte die Kreisverwaltung erstmals die Ausgangssperre im bevölkerungsreichsten Kreis Hessens angeordnet. Nötig wurde diese Maßnahme, weil der Main-Kinzig-Kreis einen Inzidenzwert von mehr als 200 Neuinfektionen an sieben aufeinanderfolgenden Tagen auf 100 000 Einwohner vermelden musste.

Main-Kinzig-Kreis verweist auf Feiertage

Das Eskalationskonzept des Landes Hessen sieht in diesem Fall eine Ausgangssperre vor. Damals lag der Inzidenzwert im MKK bei 253. Diese Verschärfung der Maßnahmen wurde von allen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Kreis mitgetragen und am 20. Dezember sogar noch bis zum 10. Januar 2021 verlängert.

Der Kreis führt als Begründung für das aktuelle Festhalten an der Ausgangssperre an, dass das Hessische Ministerium für Soziales und Integration allen Kreisen und kreisfreien Städte bereits vor Weihnachten deutlich gemacht habe, dass in der Betrachtung des Sieben-Tages-Inzidenzwerts in den Tagen vor und nach dem Jahreswechsel auch die Melde- und Laborverzüge über die Feiertage zu berücksichtigen seien. Im Zweifelsfall gelte demnach zur Bewertung das Infektionsgeschehen von vor dem 24. Dezember, argumentiert der Kreis. Zu dieser Zeit lag der Inzidenzwert im Kreisgebiet bei über 300.

Allgemeinverfügung im Main-Kinzig-Kreis noch nicht aufgehoben

Da der Main-Kinzig-Kreis erst im Laufe dieser Woche wieder mit belastbareren Inzidenzwerten rechnet, ist die Allgemeinverfügung, die formal bis 10. Januar läuft, bisher nicht vorzeitig aufgehoben worden. Erst im Laufe der nächsten Tage werde es klarer werden, in welche Richtung sich die Zahl der Neuinfektionen und damit auch der Inzidenzwert bewege.

Schon für Montag (4. Januar) hat der Main-Kinzig-Kreis wieder eine deutlich höhere Zahl an Neuinfektionen vermeldet, womit der Inzidenzwert auf 175 steigt. Die regionale Infektionslage könne also nicht als entspannt und vor allem nicht verlässlich unter dem Wert von 200 verortet werden, so der Kreis weiter.

Laut Kreis noch kein klarer Trend erkennbar

Auch Landrat Thorsten Stolz (SPD) äußerte sich auf Facebook zu Nachfragen wegen der Aufrechterhaltung der Ausgangssperre. Vor allem, weil der Kreis die Daten- und Faktenlage nicht für ausreichend hält und laut Stolz für den MKK kein klarer Trend erkennbar ist. Stolz verweist nochmals auf die Empfehlung des Landes Hessen, wegen der Verzerrung der Zahlen durch die Feiertage auf belastbarere Werte zu warten.

„Wir müssen aktuell davon ausgehen, dass auch bei uns im Main-Kinzig-Kreis die aktuell gemeldeten Neuinfektionen nicht das realistische Infektionsgeschehen widerspiegeln,“ so Stolz in seinen Facebook-Post weiter. Diese Lage werde auch an den weiterhin stabilen hohen Zahlen der stationären Aufnahmen in den Krankenhäusern deutlich, so Stolz und meint: „Aber genau das muss jeder Landkreis für sich bewerten und seine Entwicklungen betrachten und beurteilen.“

Polizei zieht Zwischenbilanz zu Ausgangssperre im Main-Kinzig-Kreis

Laut Polizeisprecher Rudi Neu vom Präsidium Südosthessen ist die Ausgangssperre größtenteils von den Bürgern befolgt worden. Der überwiegende Teil der Bevölkerung halte sich daran, so Neu.

In der Woche von Weihnachten hat die Polizei insgesamt 350 Kontrollen im Kreisgebiet durchgeführt und dabei 108 Verstöße festgestellt. Darunter waren 14 Geschäfte und Gastronomiebetriebe, die trotz Verbot geöffnet hatten. Sie erwartet ein Bußgeld zwischen 500 und 1000 Euro.

Ausgangssperre im Main-Kinzig-Kreis: Vermehrte Verstöße in der Silvesternacht

Am Silvestertag stellte die Polizei 20 Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkung fest. In den ersten drei Tagen des Jahres führte die Polizei 76 Kontrollen durch. Dabei stellte sie 26 Verstöße gegen die Ausgangssperre fest. Davon waren die meisten in der Silvesternacht zu vermelden, so Polizeisprecher Neu. In dieser Nacht löste die Polizei insgesamt auch zwölf Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen auf. Den betroffenen Personen, droht ein Bußgeld von 200 Euro.

Insgesamt sind 279 Anzeigen wegen Verstoßes gegen die Ausgangssperre beim Main-Kinzig-Kreis eingegangen, so die Kreis-Pressestelle. Hiervon befinden sich derzeit 140 Anzeigen bereits in der Bearbeitung und entsprechende Anhörungsverfahren wurden eingeleitet. In den nächsten drei Wochen ergehen hier Bußgeldbescheide, sofern im Anhörungsverfahren keine entlastenden Gründe vorgebracht werden können. Weitere 139 Anzeigen sind erst kürzlich, insbesondere über die Weihnachtsfeiertage, eingegangen und werden als nächstes bearbeitet, heißt es weiter.

Stand Dienstag gilt eine Ausgangssperre, außer im Main-Kinzig-Kreis noch im Kreis Gießen (bis 12. Januar), in Stadt und Land Offenbach (bis 10. Januar), im Kreis Fulda, Limburg-Weilburg (jeweils bis 10. Januar) sowie im Vogelsbergkreis. In den Kreisen Limburg-Weilburg und Gießen sind die Werte ohnehin deutlich höher als im Landesschnitt.

Schnelltestzentren bleiben im Betrieb

Derweil hält der Kreis den Betrieb der drei Schnelltestzentren über den 6. Januar hinaus aufrecht. Wer Angehörige in einer stationären Pflegeeinrichtung und stationären Einrichtung der Eingliederungshilfe im Main-Kinzig-Kreis besuchen will, könne sich somit weiterhin täglich zwischen 8 und 12 Uhr vorab in Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern auf das Coronavirus testen lassen, so der Kreis in einer Pressemitteilung.

Die Testzentren befinden sich zum einen in der Hanauer August-Schärttner-Halle und der Gelnhäuser Sporthalle am Hallenbad, also den Standorten der seit Mitte Dezember vorbereiteten Kreis-Impfzentren. Das Schlüchterner Testzentrum befindet sich noch bis einschließlich heute im Ulrich-von-Hutten-Gymnasium und zieht danach um. Ab morgen ist es dann an den Main-Kinzig-Kliniken in Schlüchtern zu finden (erster Stock).

„Wir bieten diesen Service als eigenen und zusätzlichen Beitrag an, um die stationären Einrichtungen zu entlasten“, erläutert der Landrat laut Mitteilung. Während die mobilen Impfteams parallel dabei seien, die Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Personal durch Impfungen zu immunisieren, „leisten wir mit den Schnelltestzentren einen Schutzbeitrag von außen.“

Mitzubringen sind ein gültiger Lichtbildausweis und ein Formular, mit dem die zu Testenden nachweisen, dass sie die Berechtigung zum Besuch einer Pflegeeinrichtungen haben. Dieses Formular wird in der Regel von den Einrichtungen selbst ausgegeben.

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