Axel Hilfenhaus, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hanau, erklärt zwei Schülern die Technik, die im Ausbildungsfahrzeug des Berufs- und Technologiezentrums (BTZ) steckt. Beim tag der offenen Tür durften die Jugendlichen überall hieneinschnuppern. Foto: Holger Weber

Main-Kinzig-Kreis

Im Interview: Kreishandwerkerschaft-Chef zur Meisterpflicht

Hanau. Die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken war auch eines der zentralen Themen beim Tag der offenen Tür der Kreishandwerkerschaft (KH) gestern an deren Sitz in der Martin-Luther-King-Straße in Hanau.

Von Christian Dauber und Holger Weber

Die Meisterpflicht war 2004 von der damals rot-grünen Regierung unter der Führung von Gerhard Schröder aufgehoben worden. Kreishandwerksmeister Martin Gutmann feierte den Beschluss als die Rückkehr zur Qualität in den betreffenden Gewerken. Auch KH-Geschäftsführer Axel Hilfenhaus freute sich über die Kehrtwende im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Große Koalition hat sich darauf verständigt, die Meisterpflicht ab Anfang 2020 in zwölf Gewerken wieder einzuführen. Begrüßen Sie das?Aus unserer Sicht ist es die absolut richtige Entscheidung, diese Gewerke wieder in die Meisterpflicht zu nehmen. Dafür haben wir auf allen Ebenen jahrelang gekämpft. Die Wiedereinführung der Meisterpflicht war längst überfällig.

Warum ist die Meisterpflicht wichtig? Welche Auswirkungen hatte der Wegfall in der Region?Die meistergeführten Betriebe stehen für Qualität in der Arbeit und auch in der Ausbildung. Dies dient letztlich auch dem Verbraucherschutz. Die im Jahr 2004 aufgehobene Meisterpflicht in den betreffenden Gewerken ist überall spürbar. Es wurde weniger ausgebildet in diesen Berufen. Und auch die Qualität der Arbeit ist durch den Wegfall der Meisterpflicht spürbar gesunken. Zum besseren Verständnis: In diesen Gewerken konnte man sich selbstständig machen, ohne überhaupt den Beruf erlernt zu haben. Es ging also um wesentlich mehr als nur die Meisterpflicht. Das war eine fatale Entscheidung.

Das Handwerk beklagt seit Langem einen Mangel an Lehrlingen. Wie kann die Meisterpflicht bei der Nachwuchsgewinnung helfen?In diesen Berufen wird jetzt generell wieder ausgebildet, weil jetzt wieder eine Struktur zurückkommt, die seit der Abschaffung der Meisterpflicht gefehlt hat. Diese Strukturen machen auch die einzelnen Gewerke wieder attraktiver. Denn sie geben mit dem Meister auch ein Ziel für junge Lehrlinge vor.

Viele Jugendliche zieht es nach der Schule an die Uni. Hat das Handwerk ein Imageproblem?Tendenziell gibt es demografisch weniger Jugendliche und diese streben höhere Bildungsabschlüsse an. Für uns ist es wichtig, dass wir Jugendliche über die Möglichkeiten der dualen Ausbildung speziell im Handwerk informieren. Wir müssen ihnen zeigen, welche Karrierechancen es bei uns im Handwerk gibt. Durch Ausbildung und Meisterschule kann man ganz schnell in Verantwortung kommen und auch seinen eigenen Betrieb gründen. Darauf müssen wir immer wieder hinweisen, dass die duale Ausbildung im Handwerk keine Sackgasse, sondern ein Königsweg ist.

Schon jetzt sind Handwerker knapp, die Wartezeiten lang. Mit der Meisterpflicht dürfte die Zahl der Betriebe weiter sinken – und damit die Suche nach einem Handwerker schwieriger werden.Das wird aus unserer Sicht nicht passieren. Die etablierten meistergeführten Betriebe werden versuchen, diese Kapazitäten aufzubauen. Ich finde es generell besser, ein paar Wochen mehr auf einen guten Handwerker zu warten. Dann bekommt man eine Arbeit abgeliefert, die Qualität hat. Die schnellen Lösungen sind bekanntlich nicht immer die besten. Im schlimmsten Fall muss die Arbeit noch einmal gemacht werden. Es braucht jetzt einfach wieder eine gewisse Zeit, um diese Strukturen aufzubauen. Aber es geht zumindest in die richtige Richtung und in Richtung Verbraucherschutz.

Warum mischt sich die Politik ein? Wäre es nicht besser, die Kunden entscheiden zu lassen, ob sie einen Meisterbetrieb beauftragen wollen oder nicht?Aus unserer Sicht hat sich die Politik damals im Jahr 2004 in den Markt eingemischt, indem sie diese Berufe aus der Meisterpflicht genommen hat. Damit wurde eine Struktur geschaffen, die jetzt nur auf politischer Ebene wieder korrigierbar war. Das Ungleichgewicht, das geschaffen worden war, ließ sich so nicht mehr über den Markt regeln.

Intelligente Heizungen und Lampen, vernetzte Häuser: Es wird viel geredet über Digitalisierung. Wie begegnet das Handwerk den neuen Herausforderungen?Für das Handwerk ist die Digitalisierung auch eine große Chance. Die Betriebe müssen ihre Mitarbeiter und Lehrlinge immer wieder weiterqualifizieren. Mittlerweile sind so viele Handwerksbetriebe so technologisch, dass es ohne erweiterte Computerkenntnisse und ohne Digitalisierung nicht mehr geht. Auch deshalb ist es wichtig, Jugendliche zu informieren, wie innovativ und hochtechnologisch die Handwerksberufe sind und sie dafür zu begeistern.

Innovation im Handwerk ist nichts Neues, die gibt es schon seit 100 Jahren. Die neue Technologie, die aus der Industrie kommt, neue Autos, neue Heizsysteme, um nur ein paar Beispiele zu nennen, die muss ja durch das Handwerk installiert werden. Es ist sozusagen eine Innovationskette. Gerade bei uns im Berufstechnologiezentrum ist dies ein Schwerpunkt unserer Lehrgänge, die wir im Auftrag unserer Betriebe durchführen. Wir halten immer wieder die Hochtechnologie vor, um die Mitarbeiter auf dem neuesten Stand zu bringen. Das zeigen wir auch beim Tag der offenen Tür.

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