Fordert Klimaschutz auf lokaler Ebene: Clara von Endt (rechts) hat die erste Klima-Demo in Gelnhausen mitorganisert und geleitet. Foto: Andreas Ziegert

Gelnhausen

Interview: Demo-Organisatorin Clara vom Endt zur Klimapolitik

Gelnhausen. Über 400 Menschen haben im September an der ersten Klima-Demonstration in Gelnhausen teilgenommen. Zuvor hat sich auch in der Barbarossastadt eine Ortsgruppe der Bewegung „Fridays-for-Future“ gebildet. Leiterin des Demozugs war Clara vom Endt.

Sie legt allerdings Wert darauf, dass sie nicht im Namen der überregionalen Organisation Fridays-for-Future spricht, sondern als Mitglied der Fridays-for-Future Ortsgruppe Gelnhausen.

Wie viele Schüler engagieren sich inzwischen für „Fridays-for-Future“ im Raum Gelnhausen?Das kommt auf die Definition von „engagieren“ an. Unser Orga-Team hat seit der Demo am 19. September regen Zuwachs erfahren. Wir sind im Moment zirka 20 Leute. Bei der Demo selbst waren, wie man auf den Bildern sehen kann, nicht nur Schüler und Studierende beteiligt, sondern auch viele andere. Da‧her kann ich hier keine genauen Zahlen sagen, nehme aber an, dass es weit über 100 waren.

Und wie ist die Idee entstanden, sich an dem inzwischen weltweiten Protest zu beteiligen?Wir haben davon erfahren, dass die „People for Future“ Gelnhausen das Klimafest an der Müllerwiese planen. Da konnten wir es natürlich nicht auf uns sitzen lassen, dass die Erwachsenen in Gelnhausen vor uns aktiv werden! Also hat sich ein, zugegebenermaßen sehr kleines, Orga-Team aus Studierenden und Schüler gebildet, die in Er‧gänzung zum Klimafest einen Demo-Zug organisieren wollten.

Bei der Kundgebung im Anschluss an die Demonstration hieß es: „Wir machen Panik, bis jemand handelt.“ Wen genau sprechen Sie damit im Kreis an?Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Jede Einzelne und jeder Einzelne ist gefragt, an der Erreichung der vereinbarten Klimaziele aktiv mitzuwirken. Und damit meine ich nicht nur, den eigenen Alltag klimafreundlicher zu gestalten, sondern vor allem auch Druck auf die Politik auszuüben und sich verantwortlich zu fühlen, für das, was den nachfolgenden Generationen hinterlassen wird. Vor allem sprechen wir die überregionale Politik an.

Dort ist Handeln am dringendsten gefragt. Deshalb haben wir ja auch den Zeitpunkt für die Demo gewählt, zu dem das Klimakabinett der Bundesregierung getagt hat. Aber natürlich muss jeder Politiker, ob regional oder überregional, handeln und Beschlüsse fassen, die dafür sorgen, dass wir die vereinbarten Klimaziele erreichen können.

Bei dieser ersten Demo in Gelnhausen war eine Zusammenarbeit mit der ebenfalls neuen Gruppe „People-for-Future“ offensichtlich, soll das so bleiben?Die Gruppen bleiben weiter unabhängig, aber arbeiten eng zusammen.

Dieser Gruppe gehören unter anderem aktive SPD-Parteimitglieder an. Gehören diese nicht auch zu den Erwachsenen, die Sie in Panik versetzen wollen?Bei diesen Mitgliedern hat es ja anscheinend schon geklappt. „Fridays-for-Future“ Gelnhausen ist wie „People-for-Future“ Gelnhausen eine überparteiliche Organisation. Ich gehe davon aus, dass Menschen, die sich bei „People-for-Future“ engagieren, sich auch innerhalb ihrer Parteien für eine bessere Klimapolitik einsetzen.

Landrat Thorsten Stolz oder die Bundestagsabgeordnete Bettina Müller, beide SPD, sowie Vertreter von Grünen oder Linken wurden bei der Kundgebung ebenso gesichtet. Welche Botschaften haben Sie an diese Politiker aus dem Main-Kinzig-Kreis?Es hat mich gefreut, dass diese Politiker dem Aufruf gefolgt sind, aber natürlich erwarten wir nicht nur Auftritte, sondern auch Aktionen. Unterstützung zeigen, ist gut, Handeln ist besser. Und notwendig, auch auf kommunaler Ebene!“

Wie beurteilen Sie die aktuelle Klimapolitik hier in der Region?„Das ist so eine kurze Frage und man könnte wahrscheinlich trotzdem einen Essay darüber schreiben. Zunächst ist zu sagen, dass die meisten Entscheidungen zum Klimaschutz auf nationaler Ebene getroffen werden. Aber die Städte, Kreise und Gemeinden müssen natürlich auch ihren Teil leisten. Es ist positiv zu ‧erwähnen, dass der Main-Kinzig-Kreis Mitglied des Klima-Bündnisses ist.

Damit wurde die Verpflichtung ein‧gegangen, die CO2-Emissionen um zehn Prozent alle fünf Jahre zu reduzieren und auf die Nutzung von Tropenholz zu verzichten. Allerdings hat sich die Bundesregierung auch verpflichtet, das 1,5 Grad Ziel einzuhalten und wir sehen ja wie gut das läuft . . . Maßnahmen sind dann zum Beispiel energetische Sanierungen, Ausbau der ÖPNV-Nutzung, Einführung des Programms‚ Ökoprofit’ für Unternehmen, Ausbau alternativer Mobilitätskonzepte (zum Beispiel Carsharing und Ausbau der Radwege) . . . wir brauchen ein kreisweites, aktuelles Klimaschutzkonzept mit konkreten Maßnahmen, die dafür sorgen, dass die Emissionen pro Kopf pro Jahr deutlich sinken.

Welche Aktivitäten plant „Fridays-for-Future“ in Gelnhausen als Nächstes?Der nächste globale Klimastreik ist vermutlich Ende November. Ich kann mir gut ‧vorstellen, dass „Fridays-for-Future“ Gelnhausen wieder dabei ist. Bis dahin veranstalten wir Treffen des Gelnhäuser Klimabündnisses. Hier tauschen sich Interessierte aus, um kommunale Lösungen zu finden und Aktionen zu planen.

Das Interview führte Andreas Ziegert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema