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In der „Krone“ in Hüttengesäß entlässt Reiner Erdt mit seinem Team die Gäste mit einem netten Spruch in den Tag.

Monteure sind die einzigen Gäste

So versuchen die Hotels in der Region, sich in der Corona-Krise über Wasser zu halten

  • Jutta Degen-Peters
    vonJutta Degen-Peters
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Hotelzimmer als Homeoffice-Arbeitsplatz, Lunchpakete vor die Tür anstelle des Frühstücksbüfetts, Zuspruch und Zuwendung für Monteure und Fernfahrer, die sich bisweilen wie Aussätzige fühlen – die Hoteliers in der Region suchen derzeit nach Wegen, um sich in Corona-Zeiten über Wasser zu halten.

Die meisten Häuser haben geöffnet, doch da touristische sowie Firmenreisen verboten sind, sind Monteure und beruflich reisende Angestellte die einzigen Gäste. Nachdem dasMain-Kinzig Hotel am Limes in Erlensee die Anregung der Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) aufgegriffen hat und Zimmer für Homeoffice-Zwecke vermietet, haben wir uns bei einigen Häusern im Kreis umgehört. Für die meisten ist die Vermietung von Zimmern zu Homeoffice- Zwecken kein Thema.

Reisestopp von Firmen trifft Hotels hart

Im „Hotel bei den Tongruben“ in Neuberg, einem Hotel mit 29 Zimmern, sagt Inhaberin und Geschäftsführerin Daniela Kremhöller, die auch im Landesverband Hessen der DEHOGA für Hanau zuständig ist: „Ich finde es toll, wenn einer das wagt. Es ist aber ein Rechenexempel.“ Man spare zwar vielleicht das Frühstück, gibt sie zu bedenken, doch gereinigt werden müsse das Zimmer ja trotzdem.

In ihrem Hotel spiegele sich im Normalfall wider, dass Hanau überwiegend von Firmenreisen profitiert, weil dort Gäste von Thermo Fischer und anderen örtlichen Großbetrieben absteigen. Firmen aber haben derzeit alle Reisestopp.

Monteure die einzigen Gäste in den Hotels

Auch Reiner Erdt vom Hotel „Zur Krone“ in Hüttengesäß ist stets offen für neue Ideen. Die Homeoffice-Variante, die die DEHOGA unlängst in ihrem Newsletter als Gedankenspiel vorgestellt hatte, könnte er sich auch für sein Haus vorstellen. „Aber das funktioniert eher im Ballungsraum, also dort, wo räumliche Enge herrscht“, gibt er zu bedenken. „Im Ronneburger Hügelland gibt es dafür keine Nachfrage.“

In der „Krone“ ist man angesichts der Flaute durch Corona froh über die Dauerbaustelle in Limeshain, die dem Hotel aktuell einige Monteure beschert. Damit die sich wohlfühlen in diesen Krisenzeiten, versucht das Team um Erdt, „sie aufzufangen mit unserer Gastlichkeit“.

Lunchpaket statt Frühstücksbüfett

Da es kein Frühstücksbüfett geben dürfe, stelle man den Kunden morgens um 5 Uhr ein Lunchpaket vor die Tür mit einem netten Gruß und den Zutaten, die die Klienten am Vorabend auf einer Liste ankreuzen konnten. Erdt stellt fest, dass sich die Fragen der Gäste komplett verändert haben. Anstelle von: „Haben Sie einen Parkplatz?“ fragten sie stark verunsichert an, ob das Restaurant geöffnet und die Versorgung gewährleistet seien. „Unser Restaurant ist offen, dort können sich die Gäste ihr Essen abholen und es auf dem Zimmer zu sich nehmen.“

Von den Monteuren profitiert auch das Hotel„Waldschlösschen“ an der Hochstädter Landstraße in Hanau. „Was uns weggebrochen ist, ist der Wochenendbetrieb, die Hochzeiten, Geburtstage, Konfirmationen“, heißt es dort. Ähnliches berichtet Andreas Nagy, Geschäftsführer des „Turm-Hotels“ in Hanau, das 38 Zimmer bietet. „Wir haben hauptsächlich Monteure und Handwerker, so komme ich noch auf meine Kosten“, erklärt er. Das Aufkommen an Gästen sei deutlich geringer, „aber ich musste noch nicht schließen“.

Die Idee mit dem Homeoffice findet Nagy gut. Bisher sei aber diesbezüglich noch keine Anfrage bei ihm eingegangen. Das Hotel „Tulip Inn/Plaza“ in Hanau ist bis zum 4. Mai geschlossen, hieß es aus dem Haus in Darmstadt auf Anfrage.

Mitarbeiter müssen bezahlt werden - Hoteliers mit den Nerven am Ende

Im Familienbetrieb„Zum Schwanen“ in Bruchköbel, in dem es 40 einzelne Zimmer gibt, versucht man optimistisch zu bleiben. „Wir bieten Longstay-Appartements mit Küchen an“, sagt Charlotte Schmidt auf Anfrage. Doch die Nachfrage sei am Boden. 15 Mitarbeiter seien zu bezahlen. Gerade habe sie erst mal eine Runde geheult, bekennt die Chefin offen gegenüber unserer Zeitung.

Auch im Bruchköbeler Hotel „Zum Schwanen“ herrscht Flaute. Keiner weiß, was die nächsten Tage bringen.

„Wir haben in den letzten 13 Jahren jedes Zimmer hier renoviert und uns auf drei Sterne hochgearbeitet“, so Schmidt weiter. Doch ein Gästehaus ohne Gäste sei tot, „die Gäste sind die Seele des Hauses“. Über einen Mangel an Arbeit kann sich Schmidts Familie nicht beklagen. Sie betreibt auch Landwirtschaft, hat Hühner, Rinder und Schweine zu versorgen. Aber Schmidt weiß nicht, wie sie für die Zukunft planen soll.

Sie berichtet von einem Beratungsgespräch mit einem Ehepaar, das im September seine goldene Hochzeit feiern möchte. „Da weiß ich weder, ob wir da einen Sektempfang ausrichten können, noch ob bis dahin wieder ein Büfett erlaubt ist“. Denn wer weiß denn schon, wie bis dahin die Bestimmungen aussehen, ob und welche Lockerungen der Corona-Beschränkungen es bis dahin geben könnte.

Krisenzeit sollte zur Renovierung genutzt werden

Noch ganz andere Probleme schildert René Fichtner, Chef des „Vier-Sterne-Hotels Birkenhof“ in Hanau-Steinheim. Die Zeit der Krise, in der das Haus am Tag unseres Anrufs vier Buchungen von Baufirmen erhalten hat, nutzt er zur Renovierung. Fichtner, der auch zweiter Vorsitzender des DEHOGA-Ortsverbandes Hanau ist, sieht ausgerechnet in der Krisenzeit, in der die vielen Firmen, die sonst als Gäste bei ihm gebucht sind, sein großes Bauprojekt auf Eis gelegt. Er will sein Familienunternehmen, das 48 Zimmer hat, um einen Neubau mit 24 Zimmern erweitern. Doch wegen Corona stockten Planungen und Baugenehmigungen.

Der „Birkenhof“ in Steinheim leidet wie viele Häuser in der Region unter der Corona-Krise.

„Wir haben das Glück, dass wir als Familienbetrieb eine gute Substanz haben“, sagt Fichtner. Er hat wie viele seiner Kollegen Soforthilfe beantragt und die Bestätigung erhalten, dass diese genehmigt würde. Auf die Auszahlung warte er aber noch, erklärte er bei unserem Gespräch. Dass er im April ganze 24 Übernachtungen verzeichnete, macht deutlich, wie schwierig die Lage ist. Von Vorteil könnte die Krise für die Lehrlinge sein. Da für diese keine Kurzarbeit angemeldet werden kann, können sie sich jetzt als „Krisenmanager“ üben, sagt Fichtner mit einem Augenzwinkern.

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