Zum Portrait-Termin gibt es einen regionalen Schoppen: CDU-Landtagsabgeordneter und -kandidat Heiko Kasseckert (links) und HA-Redakteur Torsten Kleinerüschkamp stoßen an. Foto: HA

Region Hanau

Heiko Kasseckert (CDU) möchte wieder in den Landtag

Region Hanau. Man mag ihn – oder auch nicht. Heiko Kasseckert liegen die deutlichen Worte. „Rede nur, wenn Du etwas zu sagen hast – nichts ist schlimmer, als sein Vertrauen zu verspielen“, weiß er.

Von Torsten Kleinerüschkamp

Der Langenselbolder ist nicht jedermanns Freund. „Ich kann unbequem werden“, sagt er. Vor allem, wenn der Karren fest im Dreck steckt. Dann blüht der Langenselbolder zur Hochform auf und schenkt so manchem reinen Wein ein. Mehrfach hat er heillos zerstrittene Parteigliederungen heimischer Christdemokraten wieder flott gemacht. Ihn interessiert nur das Ergebnis, dass man endlich zum Punkt kommt und die Konsequenzen zieht.

Kasseckert ist seit 2014 Landtagsabgeordneter. Im Wahlkreis 41 (Main-Kinzig II) tritt er erneut an.„Reiner Wein“ besteht beim Treffen mit dem HA aus normalem Apfelwein. Der HA hat ihn zum Porträtieren unter dem Motto „Auf einen Äppler mit . . .“ getroffen. Am liebsten trinkt Kasseckert aber Sauergespritzten, der möglichst kalt sein muss. „Ich mag aber auch sehr gern heißen Apfelwein mit Nelken und Zimt.“

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In einem kapitalen Konferenzraum bittet Kasseckert den Besuch Platz zu nehmen. Mainhattens Hochhäuser, fotografiert zur blauen Stunde, zieren die Stirnseite des Raumes. Die massive Tafel im Domizil von KPM (Kasseckert Public Management) hat die Größe mehrerer Billardtische. Der Selbständige berät hier Vertreter von Kommunen und Firmen, um Bauprojekte wie Einkaufszentren oder Wohnbauprojekte zu verwirklichen. Der Christdemokrat hat ebenfalls sein Wahlkreis-Büro im Green Building in der Rodenbacher Chaussee 6 angesiedelt, dem ehemaligen und aufwendig sanierten Y-Bau im einstigen Atomdorf Wolfgang.

Seine Mentalität, direkt und verbindlich zu sein, führt er auf seine Herkunft zurück. Er wächst als Sohn eines Polizisten in Ronneburg-Hüttengesäß auf. „Ich wollte eigentlich auch Polizist werden“, sagt er. Schließlich war der Großvater schon Ordnungshüter. Doch Zeitgeist und Berufswunsch kommen nicht zur Deckung. Der Vater ist oft nachts und an Wochenenden unterwegs. Die Familie sorgt sich um das Leben des Vaters, weil er im Einsatz ist, um das Land vor der Roten Armee Fraktion (RAF) zu schützen.

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Der junge Mann folgt dem Rat der Eltern, doch lieber einen sicheren Beruf zu erlernen – beispielsweise eine Banklehre zu machen. Genau genommen war es ein „Ausreden“. Und er ist dankbar, dass er eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten bei der Barmer Hanau absolviert hat.

Wie ist eigentlich Heiko Kasseckert zur Politik gekommen? Schließlich war er mit 25 Jahren einst der jüngste Bürgermeister Deutschlands, als er in diesem zarten Alter schon Rathaus-Chef in Langenselbold wurde. Die Motivation, in die Politik zu gehen und auch die Gewissheit zu haben, über das entsprechende Rüstzeug und die Qualifikation zu verfügen, hat der heute 48-Jährige einem weiteren politischen und epochalen Ereignis zu verdanken: der deutschen Wiedervereinigung.

Aufbauarbeit im Osten

Als junger Erwachsener und Berufsanfänger wird er gefragt, ob er in die neuen Bundesländer gehen möchte. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenzen entscheidet er sich, für zwei Jahre für die Barmer Aufbauarbeit zu leisten. „Ich hatte plötzlich eine große Verantwortung und bin mit viel Erfahrung zurückgekehrt.“ Nach einem zusätzlichen Studium für Marketing und Vertrieb wird er mit Leitungsfunktionen betraut. Der Sprung in die Politik gelingt durch einen Zufall. Dank seines Freundes Roland Sahler, der ironischerweise Sozialdemokrat in Langenselbold ist, kommt Kasseckert auf den Geschmack. Sein Debüt findet aber bei der CDU statt.

Der politische Neuling wird 1993 prompt in die Langenselbolder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Und drei Jahre später ist er schon Bürgermeister der Gründaustadt. „Das hatte ich eigentlich nie auf dem Plan“, sagt er. „Mich fasziniert es, zu ‧gestalten; etwas von der Idee, über die Planung bis zur ‧Umsetzung wachsen zu sehen, beispielsweise einen Kinderspielplatz oder eine Straße.“

Aloys Lenz beerben

Sieben Jahre steht Kasseckert an der Spitze der Gründaustadt, bevor ihn 2008 die Herausforderung reizt, hauptamtlich als Erster Beigeordneter zum Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main zu wechseln. Der Versuch, Landrat zu werden, scheitert 2005. Von 2010 bis 2011 steht er als Verbandsdirektor dem Gremium vor. Eine neue rot-grüne Mehrheit im Planungsverband wählt Kasseckert 2011 als Direktor ab.

Vor der Landtagswahl 2013 öffnet sich für den Langenselbolder ein attraktiver Weg, Aloys Lenz aus Großkrotzenburg zu beerben. Der langjährige CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Main-Kinzig II trat nicht mehr an. Der Plan geht auf.

In Wiesbaden bekleidet Kasseckert wichtige Ämter, beispielsweise als wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. In die Bundespolitik zieht es den Langenselbolder aber überhaupt nicht, weil er gerne regional verwurzelt ist, anstatt über abstrakte Sachen entscheiden zu müssen, die er nicht von der eigenen Anschauung her kennt. „Ich bin halt gerne näher dran“, sagt er.

Hier können Sie den Kandidaten Fragen stellen:

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Mit Heiko Kasseckert führt der HA heute Abend um 19.45 Uhr auf seiner Facebook-Seite ein Live-Interview. Leser und User können dem Landtagskandidaten live Fragen stellen.

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