Seine Wahl zum Bundesvorsitzenden ist in der Region sehr kritisch aufgenommen worden: Armin Laschet beim digitalen Bundesparteitag, in dessen Rahmen er am Samstag zum Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt worden war.
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Seine Wahl zum Bundesvorsitzenden ist in der Region sehr kritisch aufgenommen worden: Armin Laschet beim digitalen Bundesparteitag, in dessen Rahmen er am Samstag zum Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt worden war.

Freigerichter Ortsverband stinksauer

Das meint die Basis im Main-Kinzig-Kreis zur Laschet-Wahl

  • Yvonne Backhaus-Arnold
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  • Holger Weber-Stoppacher
    Holger Weber-Stoppacher
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Die einen halten Armin Laschet für eine gute Wahl, die anderen wollen für die Christdemokraten in Berlin jetzt nicht einmal mehr Plakate kleben. Die Wahl des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen zum neuen Vorsitzenden der Bundes-CDU hat zwiespältige Reaktionen an der Parteibasis und bei den politischen Mandatsträgern in der Region hervorgerufen.

Region Hanau – Heftig fiel das Echo auf die neuerliche Niederlage von Friedrich Merz vor allem in Freigericht aus, wo der gesamte CDU-Ortsverband sein Engagement für die Bundestagswahl aufkündigte. „Wenn die Damen und Herren in Ihren Elfenbeintürmen nicht verstehen, dass sie ihre Legitimation von der Basis ableiten, mögen sie ihre Wahlkämpfe künftig ohne uns und in Eigenregie organisieren“, so der Verband in einer Pressemitteilung. Man habe bereits mehrere Nachrichten von verärgerten Parteimitgliedern erhalten, die der CDU Freigericht weiter die Treue halten wollten, aber mit der CDU im Übrigen abgeschlossen hätten, berichtet der Freigerichter Parteivorsitzende Patrice Leon Göbel.

Anne Höhne-Weigl gibt ihr Parteibuch ab

Auch gab es in der Region einen prominenten Austritt aus der Partei. Anne Höhne-Weigl, ihres Zeichens ehemalige hauptamtliche Kreisgeschäftsführerin der CDU Main-Kinzig, kehrte der Partei nach 47 Jahren Mitgliedschaft erbost den Rücken. In ihrem an den neuen Vorsitzenden adressierten Brief schreibt sie: „Dass die CDU, nun mit Ihnen als Bundesvorsitzendem, weiterhin eine Politik unter den Fäden von Angela Merkel und ein ,weiter so’ betreibt, ist für mich unerträglich. Nur mit Friedrich Merz wäre ein erfolgreicher Neuanfang möglich gewesen. Mit ihm als Bundesvorsitzenden hätte die CDU wieder Konturen erhalten. Da, wo uns Angela Merkel über viele Jahre schwammig und vielfältig gemacht hat, hätten wir wieder richtige Ränder rechts und links von der CDU erhalten.“

Härtel: „Ich war enttäuscht“

Auch Hanaus Ex-Oberbürgermeisterin und CDU-Urgestein Margret Härtel macht keinen Hehl daraus, dass sie lieber Friedrich Merz an der Spitze gesehen hätte. „Ich war, wie viele Menschen in Deutschland auch, enttäuscht, dass die Wahl am Samstag nicht auf ihn gefallen ist“, sagt Margret Härtel. Sie fordert, dass nach der Pandemie eine sehr realistische Analyse der Wirtschaft stattfinden müsse. „Dafür und für die Lösung der großen Probleme, die noch zu bewältigen sind, wäre Merz der richtige Mann gewesen“, glaubt Härtel. Dass die Vertreter der anderen Parteien über die Wahl von Armin Laschet erfreut seien, spreche auch Bände, findet die Hanauerin.

Kasseckert: „Als Demokrat sollte man Ergebnisse von Wahlen anerkennen“

Moderatere Töne schlagen die beiden Landtagsabgeordneten Heiko Kasseckert und Michael Reul an, die zwar beide Merz als Vorsitzenden favorisiert hatten, aber mit Laschet durchaus leben können. „Nach der knappen Entscheidung, müssen wir alle unsere Kräfte auf die bevorstehenden Wahlen konzentrieren. Der neu gewählte Vorsitzende muss die Partei thematisch zusammenführen und dabei den Themen Finanzen und Wirtschaft ein größeres Gewicht als bisher einräumen“, meinte Reul. Kasseckert findet derweil, das knappe Ergebnis habe gezeigt, dass es in der Union eine große Sehnsucht nach mehr konservativen Ansätzen sowie einer stärkeren Ordnungs- und Wirtschaftspolitik gebe. Ein „Weiter so“ auf dem Weg nach Mitte/Links könne und dürfe es nicht geben. „Die CDU sollte ihr klares und konservatives Profil schärfen. Deshalb müssen auch diese Stimmen in der Partei wieder mehr Gewicht bekommen“, sagte Kasseckert. Als Demokrat sollte man Ergebnisse von Wahlen anerkennen. „Wer demokratische Spielregeln nicht akzeptieren kann, muss sich fragen, ob das das richtige Spielfeld ist“, sagte Kasseckert in Richtung derjenigen, die nun gegen die Partei wettern. „Mit Laschet steht ja nun auch eine profilierte Persönlichkeit an der Spitze der Partei, der unsere Unterstützung verdient. Die Behauptungen, das Ergebnis würde die Meinung der Basis nicht widerspiegeln, sind Unfug. Man kann eine Meinung haben, -und ich war auch für Merz-, aber nur weil in den sozialen Medien Stimmung gemacht wird, ist das noch lange kein Beleg für eine Mehrheit in die ein oder andere Richtung“, so Kasseckert

Leikert kann Unmut verstehen

Verständnis für die Enttäuschung einiger CDU-Mitglieder äußerte die heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert. „Elf Monate innerparteilicher Wahlkampf mögen belebend gewesen sein, so etwas hinterlässt aber auch Spuren“, sagte sie. Jetzt müsse es nichtsdestotrotz darum gehen, dass „wir gemeinsam und geschlossen die anstehenden Wahlen in Angriff nehmen“, findet die Bruchköbelerin. „Ich traue Armin Laschet zu, dass es ihm gelingt, auch diejenigen mitzunehmen, die ihre Stimme Friedrich Merz oder Norbert Röttgen gegeben hätten“, ist sich Leikert sicher. Als Ministerpräsident des größten Bundeslandes habe er bewiesen, dass er nicht nur Wahlen gewinnen, sondern auch erfolgreich führen könne. Laschet habe eine inhaltlich starke und sehr persönliche Rede gehalten. Er habe den richtigen Ton getroffen und wichtige Themen wie den Kampf gegen die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft in den Fokus gerückt, so Leikert.

Max Schad zeigt sich zufrieden

Zufrieden mit dem Ausgang der Wahl zeigte sich hingegen der Landtagsabgeordnete Max Schad, der Laschet für eine gute Wahl hält. In seiner Rede am Samstag habe er deutlich gemacht, dass er für eine Politik der Mitte stehe und damit viele Teile der Gesellschaft erreichen könne. „Das ist wichtig, denn die CDU will Volkspartei bleiben. Als Ministerpräsident verfügt er über genau die Erfahrung, die notwendig ist, um die Partei zu führen“, so Schad. Friedrich Merz könne er sich gut als Teil einer künftigen Bundesregierung vorstellen. Sein Vorstoß am Samstag, das Amt des Wirtschaftsministers sofort zu übernehmen und Amtsinhaber Peter Altmaier abzulösen, sei dann allerdings vielleicht doch etwas zu spontan gewesen, meint der Landtagsabgeordnete.

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