Ab morgen müssen wieder viele Schüler zu Hause bleiben. Ab der 7. Klasse gilt dann ein Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht.
+
Ab morgen müssen wieder viele Schüler zu Hause bleiben. Ab der 7. Klasse gilt dann ein Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht.

Bildung

Nur noch abwechselnd in die Schule: Wechsel aus Distanz- und Präsenzunterricht gilt im MKK ab Mittwoch

  • Monica Bielesch
    vonMonica Bielesch
    schließen

„Wir haben schon vor zwei Wochen gefordert, dass die Stufe 3 kommen muss“, sagt Susanne Gärtner-Koske, die Vorsitzende des Kreiselternbeirats auf telefonische Nachfrage zu den neuesten Entwicklungen an den Schulen. Wie berichtet, müssen ab morgen alle Schüler ab der 7. Klasse im Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht beschult werden.

Main-Kinzig-Kreis – Das bisherige Vorgehen des Kreis-Gesundheitsamtes, Schulen nicht als Corona-Hotspots anzuerkennen und bei Infektionsfällen nur direkte Kontakt-1-Personen ebenfalls zu isolieren, sei für den Kreiselternbeirat nicht nachvollziehbar gewesen. „Umso mehr freut es uns, dass jetzt ein Umdenken im Gesundheitsamt stattgefunden hat“, so Gärtner-Koske. „Wir hoffen, die Einstufung ins Wechselmodell erfolgt noch rechtzeitig.“ Zudem geht die Elternvertreterin davon aus, das die Umsetzung des Wechselmodells im Sinne der Familien erfolge. Aber sie weiß auch: „Wir werden nicht allen gerecht werden können.“ Sie hofft auf Verständnis bei den Arbeitgebern von Eltern schulpflichtiger Kinder und fordert: „Jeder Schüler sollte ein Endgerät haben, damit digitalter Unterricht für alle möglich ist.“

Auch der Sprecher der Kreisschülerschaft, Öczan Erbasaran, meint: „Die Entscheidung für das Wechselmodell ist gut und lange überfällig.“ Natürlich sei Präsenzunterricht immer noch das Beste, so der 19-jährige Schüler der Beruflichen Schulen Gelnhausen. „Aber nicht um jeden Preis.“ Alleine in seiner Klasse gebe es aktuell drei positiv getestete Schüler, Erbasaran selbst ist als Kontaktperson in häuslicher Isolierung. Für den nun anstehenden Distanzunterricht fordert der Sprecher des Kreisschülerrats, dass die Lehrkräfte endlich ausreichend mit den digitalen Möglichkeiten vertraut gemacht werden und sich fortbilden lassen. Immer noch sei zudem die digitale Ausstattung der Schulen nicht ausreichend. So gebe es an seiner Schule erst seit zwei Wochen WLan. An der Hohen Landesschule in Hanau gibt es beispielsweise bis heute kein WLan. „Diese Entwicklung ist sehr schleppend“, bedauert Erbasaran.

Schulleiter der Gesamtschule in Nidderau sieht Live-Streams kritisch

Auch die Elternvertreterin Gärtner-Koske ist gespannt auf die Ausgestaltung des Distanzunterrichts. Der Idealfall wäre, wenn der Distanzunterricht nach Stundenplan umgesetzt werden könnte. Das scheitere zum einen aber an der Weigerung vieler Schulen und Lehrer, den Präsenz-unterricht für die Daheimgebliebenen live zu streamen. „Das bedeutet dann Arbeitsblätter, Arbeitsblätter, Arbeitsblätter“, kritisiert Gärtner-Koske.

Harald Klose, Schulleiter der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule in Nidderau meint dazu. dass es bei einem Live-Stream aus dem Klassenraum rechtliche Probleme aufgrund von Persönlichkeitsrechten geben könnte. Die Bertha, die aktuell rund 900 Schüler und 70 Lehrerkräfte hat, teilt die Klassen in A- und B-Gruppen und unterrichtet diese wochenweise abwechselnd. Die Schüler, die zu Hause sind erhalten Arbeitsaufträge und ihnen stehen verstärkt die Lehrer mit zusätzlichen Online-Sprech- und Beratungsstunden zur Verfügung. Für die Lehrerschaft bedeute das Wechselmodell deutlich mehr Aufwand in der Organisation. „Andererseits ist aber das Infektionsrisiko geringer.“ Klose betont, dass die Schulen aktuell durch das Planungsszenario des Kultusministeriums mehr an der Hand hätten als noch vor den Sommerferien.

Wie individuell die Lösungen für das Wechselmodell je nach Schule sind, zeigen auch die folgenden Beispiele:

  • Am Kreuzburg Gymnasium in Großkrotzenburg werde die komplette Oberstufe weiter im Präsenzunterricht behalten, so Schulleiter Thomas Wolf. Weil die Schule im Übergang zu G9 nur zwei Oberstufen-Jahrgänge hat, sei dies von der Anzahl der Schüler machbar. Ab der 7. Klasse will die Kreuzburg einen tageweisen Wechsel von Präsenz und Distanz einführen. An einem Tag kommen die Sieben- und Neuntklässler in die Schule, am nächsten Tag die Acht- und Zehntklässler. Die einzelnen Klassenverbände werden in der Schule auf zwei Räume aufgeteilt und der Unterricht von einem Raum in den zweiten gestreamt. „Wir müssen abwarten, ob unsere IT-Infrastruktur das mitmacht.“
  • An der Hohen Landesschule (Hola) in Hanau ist es dem stellvertretenden Schulleiter Helge Messner wichtig, den Schülern eine Kontinuität an der Schule zu geben. „Beim Lockdown im April/Mai haben wir gemerkt, dass Schülerinnen und Schüler völlig aus dem Rhythmus gekommen sind, wenn sie zu lange aus der Schule heraus sind.“ Darum plant die Hola einen tageweisen Wechsel von A- und B-Gruppen. Das soll helfen, in dieser schwierigen Zeit einen Arbeitsrhythmus bei den Schülern aufrechtzuerhalten. „Und wir behalten den Stundenplan bei“, so Messner. Dieses Modell wird auch für die Oberstufe gelten. „Wichtig ist uns, wir kommen nicht in den Homeschooling-Bereich, sondern wir schulen auf Distanz.“
  • Die Karl-Rehbein-Schule in Hanau verfolgt einen anderen Ansatz. Dort werden laut Schulleiter Jürgen Scheuermann die Klassen in A- und B-Gruppen geteilt und wochenweise unterrichtet. Auch in der Oberstufe werden die Kurse geteilt, wenn es mehr als 14 Schüler sind. Die anstehenden Klausuren werden nur in der Oberstufe wie geplant durchgeführt. „Nachmittags ab 15 Uhr.“ In den unteren Klassen soll es entweder Referate oder Lerntests geben. „Es ist keine einfache Situation, wir versuchen die Schüler im Training zu halten“, gibt sich Scheuermann optimistisch. „Ich bin guten Mutes, wenn alle zusammenhalten.“ Auf die KRS gehen aktuell rund 1900 Schüler.
  • An der Otto-Hahn-Gesamtschule in Hanau werden die Klassen 7 bis 11 im Klassenverband tageweise abwechselnd beschult, so die stellvertretende Schulleiterin Angela Kirchhoff. Nur die Schüler kurz vor dem Abitur sollen im wöchentlichen Wechsel kommen. „Für die Klassen 7 bis 11 ist uns wichtig, dass sie so häufig wie möglich in der Schule sind, um eine kontinuierliche Begleitung durch die Lehrer zu gewährleisten“, so Kirchhoff.
  • Alle Schulleiter betonen, dass jetzt vor allem Flexibilität gefordert sei. Sei es in der Gruppeneinteilung (Scheuermann: „Da darf man nicht zu starr sein und muss nachsteuern können.“) oder bei der Information der Eltern (Messner: „Wir haben eine außerordentliche Elternbeiratssitzung online per Teams organisiert.“) – die Schulen haben etwas aus dem ersten Lockdown gelernt.

Das Wechselmodell soll nach Angaben des Main-Kinzig-Kreises bis zum Beginn der Weihnachtsferien (18. Dezember) gelten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema