Das Gericht hatte Erbarmen mit dem Dieb und verhängt eine Bewährungsstrafe. Symbolfoto: HA

Gelnhausen

Gnade für den Schinkendieb: Amtsgericht verhängt Bewährungsstrafe

Gelnhausen. "Sie werden mich nie wiedersehen." Das versprach ein Frührentner unlängst bei seinem vermeintlich letzten Auftritt vor dem Amtsgericht Gelnhausen. Das war im vergangenen Jahr. Es hat nicht geklappt, denn jetzt saß der Mann schon wieder auf der Anklagebank.

Im November 2018 hatte er in einem Supermarkt in Schlüchtern einen großen Serrano-Schinken und eine Packung mit Küchenrollen gestohlen. Allerdings will er diesmal unschuldig gewesen sein: Um seinen Einkauf nach Hause transportieren zu können, habe er eine Mitarbeiterin nach einem leeren Karton gefragt und diese ihm die – leere – Schinken-Kartonage ausgehändigt.

Wie die Küchenrollen unter seinen linken Arm kamen, wie auf den Aufnahmen der Überwachungskameras gut zu sehen, könne er sich angeblich selbst nicht erklären, so seine Aussage. „Tolle Geschichte“, so die Einschätzung von Strafrichter Dr. Wolfgang Ott, glauben wollte allerdings nicht nur er diese Version nicht.

Gut gefülltes Strafregister

Dass der inzwischen nach Oberfranken verzogene Familienvater für einen Diebstahl immer zu haben ist, zeigte ein Blick in sein gut gefülltes Vorstrafenregister: Insgesamt 14 Eintragungen sind dort zu finden, einige davon wegen Diebstählen. 2016 wurde er zweimal wegen diverser Delikte verurteilt, kassierte eine sechsmonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem stand er im Januar 2017 beim Diebstahl seiner Frau in Steinau Schmiere – dieses Verfahren gegen ihn wurde allerdings angesichts der nun zu erwartenden Verurteilung eingestellt.

Gericht und Staatsanwaltschaft zeigten sich gnädig: Wieder wurde er zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt und wieder wurde diese zur Bewährung ausgesetzt, diesmal für vier Jahre. Binnen sechs Monaten muss er zudem 150 Stunden gemeinnützig arbeiten. az

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