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Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky sind unterschiedlicher Meinung.

Stadt fordert Aufklärung, Kreis mahnt zur Besonnenheit

Gesundheitsamt: Coronageschehen im Kreis rückläufig - OB Kaminsky klagt über mangelnde Informationen

  • Jutta Degen-Peters
    vonJutta Degen-Peters
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In der Art des Umgangs und Bewertung des jüngsten Corona-Geschehens in dem Frankfurter Bethaus, bei dem nach aktuellen Mitteilungen des Kreisgesundheitsamtes inzwischen 30 Infizierte in Hanau festgestellt wurden, klafft die Schere zwischen Stadt und dem Main-Kinzig-Kreis immer weiter auseinander.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der dem Kreis schon am Dienstag Unprofessionalität und mangelndes Verantwortungsbewusstsein vorgeworfen hatte, fordert auch weiterhin die Herausgabe von Daten und Zahlen. In einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung wirft er dem Kreis vor, mit falschen Daten und Fakten zu operieren. Zudem hat er dem Kreis einen langen Fragenkatalog vorgelegt, auf den der Kreis nun Antworten gibt. 

Die für Gesundheitsfragen beim Kreis zuständige Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler mahnt unter Verweis auf die Zuständigkeiten, die Sensibilität von Gesundheitsdaten und die allgemeine Verunsicherung in der Bevölkerung zur Ruhe. „Es gibt keinen Grund, für Aufregung oder Verunsicherungen zu sorgen, vielmehr sind Besonnenheit und Entscheidungen auf fachlicher Grundlage weiterhin das Gebot der Stunde“, meldete sich gestern Landrat Thorsten Stolz in einer Pressemitteilung zu Wort. 

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky formuliert klare Forderungen an den Main-Kinzig-Kreis

„Der Fall in Frankfurt ist für das Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises keine neue Situation oder Herausforderung“, erklärt darin die Gesundheitsdezernentin. In ihrer Stellungnahme verweisen Stolz und Simmler darauf, dass auch im Main-Kinzig-Kreis das allgemeine Infektionsgeschehen rückläufig sei. Jeden Tag bewerte der Kreis die Situation in den 29 Städten und Gemeinden und entscheide über einzelne Maßnahmen. Sie sind überzeugt, dass es gelungen sei, die Infektionen offenbar einzudämmen. Derzeit könne man die jeweiligen Fälle sehr klar eingrenzen und auf wenige Ereignisse zurückführen. Das gelte auch für die Versammlung der Frankfurter Kirchengemeinde mit Ansteckungen bis in den Main-Kinzig-Kreis und weitere Landkreise. Die jeweiligen Familien seien vom Gesundheitsamt vollständig erfasst und häuslich isoliert worden, die Kontaktpersonen und mögliche weitere Ansteckungswege habe man ermittelt. 

Für die von Oberbürgermeister Claus Kaminsky formulierte Forderung nach „einem Sonderweg für die Stadt Hanau“ gibt es für Landrat Thorsten Stolz und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler keine Grundlage und auch keine Notwendigkeit. „Die Infektionszahlen in der Stadt sind klar nachzuvollziehen“, erklären sie. So sind zum Beispiel von den insgesamt 258 positiven Fällen mehr als 100 auf den Ausbruch im städtischen Klinikum zurückzuführen. Auch hier habe das Gesundheitsamt mit seinen Fachleuten beim Management der Krise intensiv geholfen und in guter Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Klinikums Hanau das Geschehen im Griff. 

Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler: Kreis stimmt sich mit den Kommunen ab, wenn es notwendig ist

Zudem gebe es zu diesem Thema klare rechtliche Vorgaben, die aus Sicht der zuständigen Behörde nicht in Frage zu stellen seien, machen Landrat und Erste Kreisbeigeordnete am Wunsch von OB Kaminsky nach der Herausgabe von persönlichen Daten deutlich: „Kein Bürgermeister und keine Bürgermeisterin im Main-Kinzig-Kreis erhält die Namen der positiv getesteten Personen und auch keine Angaben zu den jeweiligen Arbeitgebern. Wenn im Einzelfall Kontaktaufnahmen zu den Arbeitgebern notwendig sind, übernimmt diese Aufgabe das Gesundheitsamt und nicht das örtliche Rathaus. Die personenbezogenen Daten werden nicht einmal im Verwaltungsstab des Main-Kinzig-Kreises besprochen.“ 

Sollte es darüber aber hinaus ein berechtigtes öffentliches Interesse zu Hintergründen von Infektionswegen geben oder strategische Entscheidungen zu treffen sein, so geschehe das in der Regel in Abstimmung mit den jeweiligen Kommunen, betont Simmler. „Die kurzfristige Absage des am vergangenen Wochenende geplanten Fastengebetes in Hanau ist ein gutes Beispiel, dass wir hier pragmatisch und situationsabhängig an der Seite der Städte und Gemeinden unseren Teil der Verantwortung wahrnehmen“, erklären Stolz und Simmler. 

Kaminsky sorgt sich wegen infizierten Kindern und Jugendlichen

Auf die Fragen des OB erklären sie unter anderem, dass mit Stand gestern, 8 Uhr, aus dem Gesundheitsamt im Main-Kinzig-Kreis 36 Fälle dem entsprechenden Geschehen in Frankfurt zugeordnet werden könnten. Da es sich ausschließlich um Familienverbände handele, sei damit zu rechnen, dass die Zahl noch nach oben gehe. 

Auf die Sorge von OB Kaminsky, nicht über möglicherweise infizierte Kinder und Jugendliche aufgrund der Veranstaltung in der Baptistenkirche in Frankfurt informiert zu sein, betont der Landrat, dass der Main-Kinzig-Kreis mit den Trägern von Schulen oder Kindertagesstätten Kontakt aufnehme, wenn dies nötig sei. Bei positiv Getesteten werde generell mit den Trägern von Schulen, Kitas und anderen Bildungseinrichtungen. Alle vom Gesundheitsamt ermittelten Personen, die im Frankfurter Bethaus waren, würden einem Test unterzogen. Das Gesundheitsamt habe jeweils alle individuell notwendigen Maßnahmen einschließlich häuslicher Isolierung umgehend nach Bekanntwerden veranlasst. 

114 Menschen in Hanau sind bisher von Corona genesen

Kaminsky jedoch klagt darüber, dass ihn angesichts der bevorstehenden Öffnung der Kitas Anrufe besorgter Eltern erreichten. Indem der Kreis die Frage, ob es infizierte Kinder aus Hanau gebe, nicht beantworte, „bereitet der Main-Kinzig-Kreis den Nährboden für Spekulationen und wilde Theorien.“ Zur Einhaltung der Absonderung antwortet der Kreis: „Die Überwachung obliegt dem Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises. Bei berechtigtem Verdacht, dass Personen gegen die behördlichen Auflagen verstoßen, werden die Polizeibehörden und/oder die zuständige Ordnungsbehörden um Amtshilfe ersucht.“ Infektionen außerhalb des familiären Umfeldes seien zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennbar. Im übrigen bestehe zum Krisenstab der Stadt Hanau ein enger Kontakt. 

Zuletzt waren die Erste Kreisbeigeordnete und der Leiter des Gesundheitsamtes am Samstag, 23. Mai, zu Gast in Hanau. Die Zahl der bislang Genesenen seit Ausbruch der Pandemie gibt das Gesundheitsamt mit 500 (Stand Dienstag, 10 Uhr) im Kreis und mit 114 in der Stadt Hanau bekannt.

Den Kommentar zu Kaminkys Kritik am Kreis gibt es hier.


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