Nimmt selbst gern noch im Karussell Platz: Parkbertreiber Theo Zwermann. Und das Maskottchen Erli ist ohnehin immer dabei. Fotos: Privat/Andrea Euler

Steinau

Freizeitpark in Steinau feiert 25-jähriges Bestehen

Steinau. Der Erlebnispark Steinau feiert am Sonntag sein 25-jähriges Bestehen. „Wirklich?“, ist der alteingesessene Steinauer versucht zu fragen, der den Park schon viel länger kennt.

Von Andrea Euler

Aus Zeiten nämlich, als „der Thalhof“, malerisch gelegen zwischen Krugbau und Frohnhof hoch über den Ortsgrenzen der Steinauer Kernstadt, noch von Helmut Hanzsch betrieben wurde. 1994 wurde er zum Erlebnispark, der vielen aufgrund der exotischen Tiere wie Puma und Braunbär in Erinnerung geblieben ist, oder wegen dem Schimpansen Bobbi, der das Publikum in der Gastwirtschaft mit Küsschen und Umarmungen erfreute.

Genau diese exotischen Tiere und die nicht minder exotischen Pflanzen waren es, die dem heutigen Parkbetreiber Theo Zwermann bei der Übernahme Kopfzerbrechen bereiteten. „Das war alles das, wovon wir überhaupt keine Ahnung hatten“, erinnert er sich heute. Aber die damaligen Behörden hatten die Parkübernahme davon abhängig gemacht, dass auch die Tiere übernommen werden. „Sie standen uns aber zur Seite, als es darum ging, die Tier im Zuge der Umstrukturierung an geeignete Zoos und Tierparks zu vermitteln“, wie Zwermann betont.

Letzte Vermittlung 1999

1999 wurde das letzte exotische Tier vermittelt. Mag die Familie auch von Tieren wenig Ahnung gehabt haben – von Freizeitparks hatte sie umso mehr: „Mein Vater hat die Lochmühle im Taunus gegründet, ich bin da aufgewachsen. Ich kenne nichts anderes“, erläutert der heutige Steinauer Freizeitpark-Chef. Von einem „mutigen Schritt“ will er da nicht reden: „Vor 25 Jahren ist keiner gefragt worden, ob er mutig ist. Heute sind die Zeiten, in denen man hinterfragt, damals wurde gemacht“, sagt er. Und auch, dass sein Vater, Theo Zwermann senior, die treibende Kraft gewesen sein.

Im November 1993 sei er nach Steinau gekommen, 1994 sei die erste Saison gewesen, in der der Freizeitpark geöffnet hatte. Und die Begeisterung Zwermanns ist bis heute geblieben: „Wenn man in lachende Kinderaugen schaut, ist das nicht nur unbeschreiblich, es ist auch unbezahlbar. Wenn die Kinder abends heim sollen und dann gejammert wird, dann haben wir alles richtig gemacht“, freut er sich.

Der legendäre Fliegenpilz: Wer hier durch die Luft wirbelt, hat nicht nur Spaß, sondern auch einen wunderbaren Blick auf den Freizeitpark und seine Attraktionen.

Schöne Momente seien es auch gewesen, wenn Tierbabys auf die Welt gekommen seien. Diese Zeiten seien aber endgültig vorbei. „So wie man damals anfing, die exotische Tierhaltung in Frage zu stellen, stellt man heute die für mich normale Tierhaltung in Frage“, sagt Zwermann. Er hat die Tierhaltung deshalb auf ein Minimum reduziert, dafür die Gehege vergrößert. Seit 2016 hat er keine männlichen Tiere mehr auf dem Hof, seither seien „alle zufrieden“.

Millionenwerte sind in den vergangenen 25 Jahren in den Hof geflossen. Allein einzelne Attraktionen wie das Fliegenpilz-Karussell seien siebenstellige Summen wert. „So, wie es im Moment ist, kann es gerne bleiben“, sagt Zwermann. Zwar gäbe es noch „eine Menge Ideen, was wir hier noch gerne hätten“, aber es gibt auch klare Grenzen: „Es wird keinen Jahrmarkt hier oben geben, kein Disneyland, kein Riesenrad und keine High-Tech-Achterbahn. Wenn, dann wird das Spielangebot weiter in dem Stil und Charakter ausgebaut, den der Park bisher hat.“

Angebot von drei bis 13 Jahren

Ganz bewusst habe er sich mit seiner Familie seinerzeit für ein Angebot für Kinder von drei bis 13 Jahren entschieden, sehr gut angekommen seien auch die Grill- und Picknickplätze. „Wir möchten, dass die Gäste selbst aktiv werden. Und unser Angebot soll eingepasst sein in die Natur und an die Grimmschen Märchen. Letztere zu ignorieren, wäre frevelhaft.“

Vor der Saison 2001 entschied sich Zwermann, im Restaurant auf Selbstbedienung umzustellen. „Wir haben an alles gedacht. Und dann ist uns aufgefallen, dass wir gar keine neue Bestuhlung hatten.“ Das moderne Restaurant und dann die alten Holzstühle mit den Tier- und Märchengestalten, die Helmut Hanzsch seinerzeit selbst mit der Bandsäge sausgeschnitten hat? „Wir hatten keine andere Wahl, haben dann aber festgestellt: Das hat was. Inzwischen haben wir noch passende Bilder an den Wänden“, erzählt Zwermann. Auch ein Dachsbild im Eingangsbereich zum Lokal ist als Wandbild bis heute erhalten geblieben.

Auch im Wasserboot geht es temporeich zu. Fotos: Privat

130 000 Gäste begrüßen die rund 60 Mitarbeiter jedes Jahr im Erlebnispark. Auch die Kommunalpolitik, sagt Zwermann, „hat inzwischen kapiert, dass wir doch nicht vom fahrenden Volk sind, sondern eine Wirtschaftskraft haben und ein Aushängeschild für den Tourismus sind .“

In Amerika sei die Wertschätzung für Freizeitparks eine ganz andere – „aber die haben ja auch sonst nichts zu bieten“, scherzt Zwermann. Im Herbst geht es für ihn wieder zur IAAPA nach Orlando, einer Messe für Freizeitparkbetreiber. Dann wird auch wieder der eine oder andere Besuch in einem US-Park stattfinden. „Die sind einfach genial“, sagt Zwermann, wobei er „Disney persönlich überhaupt nicht“ mag. Und überhaupt: „Ich möchte die US-Parks nicht haben, ich mag unseren Park. Und wenn ich länger als 14 Tage weg bin, werde ich eklig. Dann will ich wieder nach Hause. Hier ist es einfach schön.“

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