Wie viele Klassen auch nach Ferienende am Montag noch leer bleiben werden, müssen die Schulen jetzt bei den Eltern abfragen.
+
Wie viele Klassen auch nach Ferienende am Montag noch leer bleiben werden, müssen die Schulen jetzt bei den Eltern abfragen.

Ferien enden

Freiwillige Präsenz und angeordnete Distanz: Schulen bereiten sich auf den Schulbeginn vor

  • Monica Bielesch
    vonMonica Bielesch
    schließen

An den rund 100 Schulen der 29 Städte und Gemeinden im Kreis herrscht Hochbetrieb. Denn nach den Beschlüssen des Landes Hessen, wie es nach den Weihnachtsferien, die am 10. Januar zu Ende sind, weitergehen soll, bleibt jeder Schule nur wenig Zeit, die Details zu planen.

Main-Kinzig-Kreis – An den Grundschulen und bis zur Klasse sechs wird die Präsenzpflicht ausgesetzt – wie schon in den letzten drei Tagen vor den Weihnachtsferien. Das bedeutet vor allem für die Grundschulen einen „Kraftakt“, so Edith Köppel, Schulleiterin der Brückenschule in Bruchköbel-Roßdorf. Dort plante das 16-köpfige Kollegium gestern, wie Präsenz- und Distanzunterricht für die 245 Grundschüler ab Montag funktionieren soll.

Schulen rechnen mit 80 Prozent Anwesenheit

Die Herausforderung: Sie wissen nicht, wie viele Schülerinnen und Schüler am Montag tatsächlich in die Schule kommen werden. Laut Schreiben des Hessischen Kultusministerium (HKM) können Eltern ihr Kind freiwillig für den Präsenzunterricht anmelden, diese Anmeldung gilt immer für eine Woche. „Wir erwarten, dass 80 Prozent unserer Schüler in die Schule kommen werden“, meint Schulleiterin Köppel, aber genaue Zahlen werde erst eine Abfrage bei den Eltern ergeben, die nun auf den Weg gebracht wurde.

Die Brückenschule werde auch die Ganztagsbetreuung weiter anbieten. „Und Präsenz- sowie Distanzunterricht, wir schauen, wie die Verteilung sein wird, je nach Anmeldungszahlen.“

Main-Kinzig-Kreis: Schulen haben digital immer noch Nachholbedarf

Ab der Klassenstufe sieben sollen die Schüler laut Ministerium im Distanzunterricht bleiben, die Ganztagsangebote werden ausgesetzt. Der Distanzunterricht ist verpflichtend und wird benotet. Susanne Gärtner-Koske, Vorsitzende des Kreis-Elternbeirats, meint dazu, dass wieder nicht klar vom HKM geregelt sei, wie dieser Distanzunterricht stattfinden solle.

Einzelne Schulen im Kreis seien zwar mittlerweile digital gut aufgestellt, aber der Großteil noch lange nicht. Während einige Schulen den Präsenzunterricht streamen, verteilen andere noch Arbeitsblätter. „Und Arbeitsblätter sind aus unserer Sicht ein No-Go.“ Auch bei der digitalen Kompetenz der Lehrer sieht sie eher eine Stagnation. Sowohl das Staatliche Schulamt als auch viele Schulen hätten in diesem Bereich „ihre Hausaufgaben nicht gemacht“.

Forderung nach einheitlichen Konzepten werden lauter

Die Elternschaft würde sich wünschen, dass die Schulen einheitlich verfahren, insbesondere Eltern mit Kindern auf verschiedenen Schulen. „Es fehlt an übergeordneten Konzepten.“ Und: „Es ist immer noch nicht für alle Lehrer verpflichtend, eine Fortbildung für digitale Unterrichtsformen zu machen. Das ist unserer Meinung nach zwingend erforderlich.“ Bisher ist es den Lehrern freigestellt, ob sie sich digital fortbilden.

Ebenso kritisiert Gärtner-Koske, dass Entscheidungen und Informationen seitens des HKM wieder zu kurzfristig gekommen seien. Und sie weist auf die oft vergessene Situation an den Beruflichen Schulen hin. Denn auch die Praktika seien durch das HKM bis Ende Januar ausgesetzt worden. Allerdings benötigen viele Schüler für ihren Berufsabschluss noch zwingend ein Praktikum. Zudem hofft sie, dass die digitale Infrastruktur des hessischen Schulportals der Belastung ab Montag gewachsen ist.

Politik kritisiert mangelnde Planbarkeit für Eltern

Dazu meint Sonja Litzenberger, die seit Mitte Dezember offizielle Leiterin des Staatlichen Schulamtes Hanau ist: „Das Schulportal-System ist vom HKM zuletzt ausgeweitet worden, die Serverkapazitäten wurden optimiert, die Administratoren in den einzelnen Schulen erhalten gerade nähere Informationen.“ Warum der MKK bei den höheren Jahrgängen nicht beim Wechselmodell geblieben ist, das von Mitte November bis vor Weihnachten angewendet wurde? Dazu verweist Litzenberger auf die landesweiten Beschlüsse des HKM. Was ab dem 1. Februar gelten werde, sei aktuell noch unklar. Im Fokus der Entscheidungen stünden jedoch vorerst die hohen Infektionszahlen und daraus resultierend die notwendigen Kontaktbeschränkungen.

Christoph Degen, Landtagsabgeordneter aus Neuberg und Generalsekretär der hessischen SPD, stellt dem Kultusministerium zum wiederholten Mal kein gutes Zeugnis aus. „Es ist leider wieder keine Planbarkeit und Verlässlichkeit für Eltern und Schulen“, sagt er zu den aktuellen Entscheidungen in Wiesbaden. Die Aussetzung der Präsenzpflicht setzt Degen, der auch bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, mit einer Schulschließung gleich. Er plädiert stattdessen für ein flächendeckendes Wechselmodell an allen Schulen. „Ich befürchte, dass viele Schüler in den nächsten drei Wochen noch weiter abgehängt werden.“

Lehrer befürchten Leistungseinbußen der Schüler

Diese Befürchtung teilt auch Philip Lauber, Lehrer an der Georg-Büchner-Gesamtschule in Erlensee. „Als Lehrer verliert man die Leistungsschwächeren.“ Die Leistungsschere gehe immer weiter auseinander. Viele hätten nur ein Handy, könnten keine Arbeitsmaterialien ausdrucken oder hätten kein WLAN zu Hause, um Schulstoff im Internet zu recherchieren. Dass ein 13-Jähriger sich ein von der Schule gestelltes Tablet ausleihe, hält Lauber für weltfremd. Und er sieht auch den Wechselunterricht differenziert. In den halben Klassen, die jeweils in der Schule sein müssten, würden meistens viele Schüler fehlen. Und auch die, die Zuhause lernen sollten, tun dies oftmals nicht. „Das ist ein einziger Flickenteppich.“

Er erzählt von einer neunten Klasse, die im vergangenen Herbst komplett zwei Wochen in Quarantäne musste, dann zwei Wochen Praktikum und anschließend zwei Wochen Ferien hatte. „Diese Kinder sind für den Lehrer kaum noch erreichbar.“

Corona-Pandemie hat auch psychische Auswirkungen auf die Schüler

Die Corona-bedingten Verwerfungen an den Schulen würden diejenigen Kinder und Jugendliche am härtesten treffen, die keine Unterstützung zu Hause hätten, so der Lehrer für Mathematik und Gesellschaftskunde. Er wünscht sich Verlässlichkeit für den Schulalltag. „Damit wir planen können, damit die Schüler ihren Abschluss schaffen können.“ Zudem weist er besonders auf die psychosozialen Auswirkungen der Pandemie auf die Kinder und Jugendlichen hin. „Klassenfahrten sind ausgefallen, es gab keinen Abschlussball, keine Weihnachtsfeiern, keine Ausflüge.“ Das mache sich bei den Schülern bemerkbar.

Auch in den Pausen sei kein wirklicher sozialer Kontakt möglich. Die Schulpausen seien reglementiert und die Schüler in ihrer Bewegungsfreiheit auf dem Schulhof stark eingeschränkt. Es gebe Zonen für die Jahrgänge, wer auf Toilette wolle, müsse sich lange anstellen. Gemäß den Hygienevorschriften sei auch kein Fußballspielen oder Ähnliches in den Pausen erlaubt. „Das macht was mit den Kindern und dem Kollegium“, meint der Lehrer.

Ab Montag, wenn die Weihnachtsferien offiziell zu Ende sind, müssen nur noch die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen persönlich in der Schule antreten. Aber Ende Januar müssen alle Schulen wieder neu planen, dann endet die nun vom Land angeordnete Übergangsphase für den Schulbetrieb schon wieder.

Das könnte Sie auch interessieren