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Im Bereich der Alten Fasanerie in Klein-Auheim kam es am Dienstagnachmittag zu einem Waldbrand, der sich auf einer Fläche von rund 300 Quadratmetern erstreckte.

Sogar Scherben können Feuer auslösen

Forstamt beklagt bereits drei Waldbrände in diesem Jahr – Trockenheit setzt den Bäumen zu

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Die Trockenheit setzt den Bäumen in der Region schwer zu. Dies hat in diesem Jahr bereits zu mehreren Waldbränden geführt. Wir haben mit Försterin Sigrun Brell über die Situation gesprochen. 

Försterin Sigrun Brell stapft durch das Laub an der Klosterruine in Wolfgang. Der Wald ist üppig ergrünt, die Bäume wirken saftig und frisch. Aber das trügt. Denn unter Brells Füßen raschelt die Erde verdächtig. Sie greift sich eine Handvoll Waldboden. Reisig und braune Blätter bröseln ihr durch die Finger: „Schauen Sie, das Laub vom letzten Jahr ist total trocken.“ Normalerweise wären die Blätter unter der Oberfläche von Tau und Regen gut durchfeuchtet. Aber Regen gab es schon lange nicht mehr. 

An diesem Morgen, es ist Donnerstag, 9 Uhr, sind an der Klosterruine schon Leute unterwegs: Eine Mutter mit Kind auf dem Fahrrad hat hier einen Stopp gemacht. Ein Jogger läuft vorbei. „Zurzeit sind deutlich mehr Menschen im Wald als sonst“, hat Brell festgestellt, die seit 25 Jahren beim Forstamt Wolfgang arbeitet. Der Wald hat in der Corona-Krise als Freizeitort immens an Bedeutung gewonnen. Vor allem am Wochenende seien Rastplätze und schöne Ecken im Grünen absolute „Hotspots“. Brell wirft einen prüfenden Blick auf den Grillplatz, der offensichtlich schon lange nicht mehr benutzt wurde. Glücklicherweise halten sich die Menschen an das entsprechende Verbot. „Auch wir hätten den Platz spätestens jetzt gesperrt“, sagt sie. 

Feuerwehr geht von Brandstiftung aus

Denn am Mittwoch hat das hessische Umweltministerium auf Grundlage der Wetterdaten und der Rückmeldung der Forstämter „hohe Waldbrandgefahr“, Stufe A, ausgerufen. Sie ist der Vorläufer von Stufe B („sehr hohe Gefahr“). Diese höchste Stufe habe es in unseren Breiten allerdings noch nicht gegeben, sagt Brell. Zumindest seit sie im Amt ist. In diesem Frühjahr hat es im Main-Kinzig-Kreis schon drei Waldbrände gegeben: einen in Hasselroth und zwei in Hanau am Wildpark Alte Fasanerie. 

In allen drei Fällen geht die Feuerwehr von Absicht aus. „Wir haben ein bis zwei Brandstifter im Kreis, die immer nach dem gleichen Muster vorgehen“, berichtet Brell. Seit einigen Jahren haben Hessen Forst, die Stadt Hanau und die Gemeinde Hainburg 5000 Euro Belohnung auf Hinweise ausgesetzt, die zur Identifizierung der Täter führen. „Aber es ist sehr schwer, sie zu fassen.“ Grundsätzlich gilt derzeit für alle Waldnutzer der Appell, sich im Wald besonders vorsichtig zu verhalten. 

Feuer werden schnell entdeckt

Viele Brände entstünden durch Unachtsamkeit, erklärt Brell. Natürliche Ursachen, wie zum Beispiel ein Blitzeinschlag, seien eine absolute Ausnahme. Alle Feuerquellen bergen derzeit eine enorme Gefahr: die weggeworfene Zigarettenkippe, das glühende Grillfeuer, sogar Flaschen und Glasscherben können Brandherde sein. „Weil zurzeit starke Winde herrschen, die den Oberboden weiter austrocknen, wird die Gefahr noch höher“, sagt Brell. Allein im vergangenen Jahr hat es im Beritt von Hessen Forst 20 Brände gegeben, die mehrere Hektar Wald in Mitleidenschaft gezogen haben. Schaden: rund 20 000 Euro. Dazu kommen die Kosten für die Feuerwehr, die oft mit mehreren Löschzügen anrückt. Die trägt der Steuerzahler. Glücklicherweise blieb es in der Vergangenheit meist bei Bodenbränden. 

Der erste Blick täuscht: Auf dem Boden des üppig grünen Waldes liegt trockenes Laub, das sehr schnell Feuer fangen kann.

„Das liegt daran, dass die Feuer bei uns schnell entdeckt werden“, erklärt die Försterin. Was macht die Forstverwaltung, wenn „Stufe A“ angesagt ist? „Wir hängen wieder Schilder an den Waldeingängen auf, die Besucher über die Gefahr informieren“, erklärt Brell. Jäger und Revierförster sind angehalten, länger erreichbar zu sein. Der Kontakt zu Brandschutzstellen wird intensiviert. Und die Forst-Mitarbeiter fahren extra Runden, um nach dem Rechten zu sehen. „Hier unterstützt uns das Ordnungsamt, dafür sind wir sehr dankbar.“ Das Trockenheitsproblem wird sich in den kommenden Jahren wahrscheinlich fortsetzen. „Wir müssen also langfristig unsere Waldbaustrategien verändern“, so die Försterin. Welche neuen Baummischungen mit der zunehmenden Trockenheit besser auskommen, wird derzeit in der „Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt“ in Göttingen erforscht. 

Käfer haben ein Flugjahr

Brells Prognose: „Der Wald wird sich verändern. Vielleicht kommen Zedern und andere südeuropäische Bäume ins Spiel.“ Auf dem Weg zurück zum Auto fällt Brell etwas auf: Auf dem gepflasterten Weg entdeckt sie unzählige tote Maikäfer. „Das wird unser nächstes Problem“, sagt sie. Denn nach drei Jahren Pause haben die Käfer wieder ein Flugjahr und treten in großen Mengen auf. An die Redakteurin unserer Zeitungen gewandt sagt sie: „Bald werden hier alle Baumkronen kahl gefressen sein. Wir sehen uns vielleicht schon bald wieder.“

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