Nadelöhr: Auf der A66 und A45, wie hier am Langenselbolder Dreieck, hat nach einer Auswertung der Industrie- und Handelskammer der Verkehr in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Archivfoto: Kleine-Rüschkamp

Main-Kinzig-Kreis

IHK fordert bessere Autobahn-Infrastruktur

Main-Kinzig-Kreis. Die Autobahn 45/66 zwischen dem Langenselbolder Dreieck und dem Hanauer kreuz ist die am meisten befahrene Strecke im Kreis. Rund 97 500 Fahrzeuge haben diesen Autobahnabschnitt 2015 täglich passiert. Das waren gut neun Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Nun soll schnelles Internet helfen.

Von Thorsten BeckerDie Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern hat jetzt auf die von der Bundesanstalt für Straßenwesen und der Landesbehörde Hessen Mobil veröffentlichten neuen Daten hingewiesen. Für den Kreis ausgewertet habe sie IHK-Trainee Steffen Lachnit, teilt die Kammer mit.

Die Daten belegten, „was viele Autofahrer jeden Morgen nicht nur vermuten, sondern im Stau auch spüren: Der Straßenverkehr hat deutlich zugenommen“, heißt es in der IHK-Mitteilung.Hohe Zuwachsraten„Fast zehn Prozent in fünf Jahren, das klingt nicht dramatisch“, wird Lachnit mit Blick auf die Belastung der Autobahn zitiert. Wenn man aber wisse, dass die Bundesregierung für ganz Deutschland mit einem Verkehrswachstum von 9,9 Prozent von 2010 bis 2030 rechne, werde deutlich, dass man auf diesem Autobahnabschnitt in nur fünf Jahren das Verkehrswachstum erlebe, das man eigentlich für einen Zeitraum von 20 Jahren erwartet habe.

Für die A 66 verzeichnete die Straßenverkehrszählung laut IHK eine noch weitaus höhere Zuwachsrate: Zwischen der Ausfahrt Erlensee und dem Hanauer Kreuz seien im Jahr 2015 pro Tag 70 100 Fahrzeuge unterwegs gewesen – 42,2 Prozent mehr als 2010. Eine der Ursachen dafür liegt auf der Hand: Die Strecke der Kinzigtalautobahn ist nur zweispurig, obwohl bereits vor dem Anschluss an an die große Nord-Süd-Anbindung A7 bei Fulda geplant wurde.Erste Engpässe zeichnen sich abNach Worten von Lachnit zeichnen sich hier „erste Engpässe“ ab. Anzeichen für künftige Stauherde gebe es auch im Westen des Keises. Sowohl die A 66 bei Bergen-Enkheim mit 24 000 Fahrzeugen pro Tag als auch die Bundesstraße  8 (Hanauer Landstraße) mit 20 700 Fahrzeugen pro Tag könnten den wachsenden Verkehr „nur noch begrenzt bewältigen“.

Über ihre Belastungsgrenze hinaus werde ferner die Bundesstraße B 45 als Zubringer zur A 3 beansprucht. „Auch wenn für die Bundesstraßen die 2015er Zahlen noch nicht veröffentlicht sind, wird anhand der Zahlen aus 2010 deutlich, dass Tausende Pendler betroffen sind“, so Lachnit.Riederwaldtunnel könnte Entlastung in Richtung Westen bringen„65 000 Fahrzeuge pro Tag stehen dort in Stoßzeiten mehr, als dass sie fahren.“ Eine Entlastung in Richtung Westen könnte nach Meinung der Main-Kinzig-IHK der Riederwaldtunnel bringen, der allerdings frühestens im Jahr 2025 von den Pendlern genutzt werden könne.

Zu einer weiteren Entspannung auf den Straßen Richtung Frankfurt dürfte die Nordmainische S-Bahn beitragen, mit deren Eröffnung aber frühestens in zehn Jahren zu rechnen sei. Kurz- und mittelfristig könnte die steigende Bereitschaft der Pendler zur Fahrradnutzung helfen, glaubt die Kammer. Die zunehmende Verfügbarkeit von E-Bikes dürfte diesen Trend verstärken. Es erscheine also sinnvoll, den geplanten Radschnellweg zwischen Frankfurt und Hanau zügig zu bauen.Internet könne dazu beitragen, Verkehrschaos abzuwenden Schließlich setzt die IHK auf den fast vollendeten Ausbau des Glasfasernetzes im Kreis. Er könne dazu beitragen, das drohende Verkehrschaos abzuwenden, „weil damit die Arbeit im Home-Office erleichtert wird“. Die Kammer setzt sich für eine stärkere Nutzung dieser Option ein, indem sie die Unternehmen auf diese Möglichkeit hinweise und in Workshops dazu berate.

Auch wenn vielleicht bald mehr Pendler zumindest an einigen Tagen zu Hause online arbeiteten: Der Ausbau des Straßen- und Schienennetzes sei weiter dringend, betont die IHK. Spürbare Entlastungen werde dies aber in den nächsten fünf bis sieben Jahren nicht bringen. Schnelles Internet sei deshalb von „extremer Bedeutung“.

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