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Eine Fototafel mit den Kesselstädter Kommunionkindern in der St. Elisabeth-Kirche zeigen Gemeindereferentin Margit Lavado und Dechant Andreas Weber. Sie wurde als Zeichen der Verbundenheit und Vorfreude auf die verschobene Erstkommunion aufgestellt.

Mini-Format oder Doppeljahrgang

Erstkommunion und Konfirmationen sind verschoben – Neue Modelle werden diskutiert

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Gottesdienste dürfen unter Beachtung von strengen Abstands- und Hygieneregeln seit dem 1. Mai wieder stattfinden. Große kirchliche Feste wie Erstkommunion und Konfirmation, die normalerweise zwischen Ostern und Pfingsten gefeiert werden, sind allerdings vorsorglich abgesagt worden.

Voll besetzte Kirchenbänke mit mehreren Hundert Besuchern sind aktuell nicht machbar. Die Gemeinden arbeiten an kreativen Modellen, wie die Feste trotz Corona noch vor den Herbstferien stattfinden können, manche ziehen aber auch eine weitere Verschiebung in Betracht. Pfarrer, Eltern und natürlich die Kinder und Jugendlichen selbst hatten sich monatelang auf dieses besondere Ereignis vorbereitet. In der Kesselstädter St. Elisabeth-Pfarrei sind es beispielsweise 32 Mädchen und Jungen mit ihren Familien, die sich auf die Erstkommunion gefreut hatten. Verständlich, dass sich bei vielen Enttäuschung breit machte. 

Gemeinsam arbeiten Gemeindereferentin Margit Lavado mit den Katecheten, Marco Taranto, Philipp Schöppner und Pfarrer Andreas Weber daran, den Kontakt zu den Familien nicht abreißen zu lassen: über die sozialen Netzwerke, die Einladung zu Haus- und Internetgottesdiensten, durch eine Video-Botschaft auf der Pfarrei-Homepage, durch Briefe mit Lese-, Gebets- und Bastelanregungen. In einem Schreiben wandten sie sich jetzt noch einmal an die Erstkommunionkinder mit ihren Familien und sagten ihnen das Gebet in der nicht- öffentlichen Eucharistiefeier am Weißen Sonntag zu. 

23 Kinder sollten am 26. April Erstkommunion feiern

In der festlich geschmückten St. Elisabeth-Kirche stehen die Fotos mit den Kindern jetzt ganz dicht bei der Osterkerze. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir wollen das Erstkommunionfest so bald wie möglich nach den Sommerferien nachholen“, sagt Pfarrer Weber. Ein genaues Datum stehe aber noch nicht fest. Schließlich müsse man noch abwarten, wie sich die Corona-Pandemie weiter entwickelt. Auch wenn die Situation für alle schwierig ist, Pfarrer Weber kann der „Auszeit“ auch positive Aspekte abgewinnen. „Es ist toll, wie kreativ die Gemeinden geworden sind. Es gibt auch viel Schönes“, betont er. Ein Beispiel für findige Ideen ist auch die katholische Kirchengemeinde St. Maria in Niederdorfelden. 

Am Sonntag, 26. April, wollten dort 23 Kinder ihre Erste Heilige Kommunion feiern. Es sollte ein großes Fest werden, mit Eltern, Großeltern, Verwandten und Freunden. „Es ist traurig, dass wir das jetzt nicht feiern können, aber wir wollten dennoch ein Zeichen setzen für den lebendigen Glauben der Kirchengemeinde“, sagt Kerstin Hoßfeld vom Katechetenteam. Die Kinder wurden deshalb gebeten, Bilder von ihrer geplanten Erstkommunion zu malen. Sie werden vor der Kirche ausgestellt. „Wir freuen uns darauf, den Tag der Erstkommunion mit den Kindern irgendwann feiern zu können, auch wenn es noch etwas dauern wird“, betonen die Katecheten. 

Pfarrer Jens Heller: „Es wird keine klassischen großen Konfirmationsgottesdienste geben"

Martin Lückhoff, Dekan des Evangelischen Kirchenkreises Hanau, ist sich sicher, dass sich die Konfirmationen in diesem Jahr generell nicht eins zu eins umsetzen lassen. „Großveranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern werden sicher noch lange nicht möglich sein“, sagt er. Die Gemeinden entwickelten gerade verschiedene neue Formate. Neben den Planungen für die alternativen Konfirmations-Gottesdienste sieht er noch weitere Herausforderungen. 

Eine wichtige Frage werde sein, wie der Unterricht für den neuen Konfirmationsjahrgang organisiert werden kann. In der evangelischen Kirchengemeinde in Maintal-Bischofsheim hat man bereits zwei Termine für die verschobenen Konfirmationen ausgeguckt: 6. und 13. September. Auch wenn die Rahmenbedingungen noch völlig unklar sind, so viel scheint sicher: „Es wird keine klassischen großen Konfirmationsgottesdienste geben, sondern eher viele kleine Konfirmationen“, erklärt Pfarrer Jens Heller. Schließlich sind Großveranstaltungen bis in den September hinein abgesagt worden. 

Auch in Schöneck wird über eine kleinere Form diskutiert

In Bischofsheim hat man deshalb die Kirche ausgemessen und gerechnet. „Unter Einhaltung der Abstandsregeln passen etwa 50 Menschen in unsere Kirche. In einem Gottesdienst mit zwei Jugendlichen könnte dann jeder Konfirmand 20 Angehörige mitbringen“, so Heller. Das wären dann zwölf bis 13 Gottesdienste für die 25 Jugendlichen, verteilt über zwei Wochenenden. Eine Mammutaufgabe für die Gemeinde. „Das ist eine Möglichkeit, auch wenn es natürlich ein Jammer wäre, weil das Gemeinschaftserlebnis fehlt“, sagt Heller. Auch auf den Gospelchor und die Kantorei müsste wohl verzichtet werden. Singen ist derzeit nicht erlaubt. 

Auch in Schöneck schwebt der evangelischen Kirchengemeinde Kilianstädten-Oberdorfelden eine kleinere Form der klassischen Konfirmation im September vor. „Aber auch eine Verschiebung auf 2021 ist denkbar“, sagt Pfarrerin Johanna Ruppert. Man müsste einfach noch abwarten. In der evangelisch-reformierten Wallonisch-Niederländischen Gemeinde sollen die Eltern mitentscheiden: Verschiebung der Konfirmation auf die Zeit vor den Herbstferien unter Vorbehalt oder direkt ins nächste Jahr. „Es läuft gerade eine Online-Umfrage“, erklärt Pfarrer Torben W. Telder. 

Die Konfirmation, die eigentlich am Pfingstsonntag stattfinden sollte, habe man in der Gemeinde frühzeitig abgesagt. „Es ist ja auch ein Fest für die Jugendlichen, das groß mit der Familie gefeiert wird. Und im Moment ist noch nicht sicher, wann Gaststätten wieder öffnen können“, so Pfarrer Telder. Die Verschiebung auf 2021 hätte den Vorteil, dass möglicherweise die ausgefallene Konfifahrt nachgeholt werden kann. „Das finden die Jugendlichen natürlich sympathisch“, so Telder. Elf Mädchen und Jungen zählt der aktuelle Jahrgang. Ein Doppeljahrgang wäre machbar.

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