Fototermin am Forum: Susanne Simmler möchte als Erste Kreisbeigeordnete gern weiter Politik für die Menschen im Main-Kinzig-Kreis machen. Morgen steht ihre Wiederwahl auf der Agenda des Kreistags. Foto: Mike Bender

Main-Kinzig-Kreis

Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler vor der Wahl im Gespräch

Main-Kinzig-Kreis. Interessant. Vielfältig. Anstrengend. Drei Begriffe, die Susanne Simmler nennt, wenn man sie fragt, wie die vergangenen sechs Jahre waren.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

2013 wurde die heute 43-Jährige als Erste Kreisbeigeordnete ins Amt gewählt. Am Freitag steht ihre Wiederwahl auf der Tagesordnung des Kreistages. Die neue Amtszeit würde am 1. April 2020 beginnen.

Dass es keine Mehrheit für die Sozialdemokratin geben könnte, scheint nahezu unmöglich. In den eigenen Reihen holte Simmler bei ihrer Nominierung vor wenigen Wochen 100 Prozent. Neben der Demut vor der Wahl am Freitag („Politik ist kein Erbhof, sondern nur Macht auf Zeit“) wäre Susanne Simmler aber nicht Susanne Simmler, wenn ihr die Stimmen von SPD und CDU genügen würden. „Eigentlich“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung, „habe ich schon das Gefühl, dass viele Kreistagsmitglieder mich und meine Arbeit schätzen.“ Die Zusammenarbeit mit Grünen und Freien Wählern, vor der letzten Kommunalwahl noch Koalitionspartner der SPD, bezeichnet Simmler nach wie vor als gut.

Selbst politische Gegner loben ihren Fleiß

Als Simmler 2013 von Erich Pipa, Vorgänger André Kavai und ihrer SPD aufs Schild gehoben wurde – damals mit 92,7 Prozent – hagelte es Kritik von der CDU, die sich seinerzeit noch mit der Oppositionsrolle begnügen musste. Den Vorwurf, sich in gemachte Nester zu setzen, wies Simmler damals weit von sich. „Ich arbeite hart, und ich will daran gemessen werden, was ich leiste.“

Dass sie fleißig war und ist, bestätigen selbst politische Gegner. In den eigenen Reihen wird ihre Arbeit als Sozial- und Umweltpolitikerin mit dem Prädikat „erfolgreich“ versehen. Simmler setzt sich vor allem für eine Sorgekultur ein, dafür, Pflege kommunal zu organisieren, „auch, damit die Menschen wieder mehr Vertrauen in den Staat gewinnen“.

Spitzname: „Bienen-Susi“

In den zurückliegenden Jahren hat Simmler viele konkrete Projekte umgesetzt: Sie hat neue Pflegeplätze in Seniorendependancen geschaffen, eine Palliativoase in Hanau etabliert, die noch weiterentwickelt werden soll („ein Herzensprojekt“), beim Aufbau eines Hospizes in Gelnhausen unterstützt, gemeinsam mit der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern die Spessart Tourismus und Marketing GmbH gegründet und vor dreieinhalb Jahren das Projekt „Main-Kinzig blüht“ initiiert.

Für die erste Blühwiese hinter dem Main-Kinzig-Forum, damals ein Pilot mit dem BUND und der Unteren Naturschutzbehörde, wurde sie von allen belächelt und erntete den nicht immer freundlich gemeinten Spitznamen „Bienen-Susi“. Heute, in Zeiten von Fridays for Future und Klimadebatte, lacht keiner mehr über Susanne Simmler und ihre Blühwiesen-Idee.

„Das wird nichts.“

Im Gegenteil: Viele Städte und Gemeinden im Main-Kinzig-Kreis nehmen an dem Programm teil und benennen entsprechende Flächen. Der Kreis bezahlt die Berater, die die Projekte mit den Kommunen umsetzen. Mittlerweile sind Privatpersonen genauso an Bord wie Unternehmen und die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde bundesweit unterwegs, weil ihre Expertise in dieser Sache gefragt ist.

Simmler („Ich bin schon eine detailversessene Chefin und deswegen mit Sicherheit nicht immer einfach“) verweist im Gespräch wieder und wieder auf ihre Mitarbeiter, denn sie weiß, dass sie ein Thema zwar begleiten und ihm einen Fokus geben kann, am Ende aber nie alleine auf dem Spielfeld steht. Als beispielsweise die Idee geboren wurde, in Gelnhausen ein Hospiz zu bauen, hieß es: „Das wird nichts.“ Am Ende ist es doch was geworden, weil viele daran mitgewirkt haben.

Pädagogik-Studium in Bamberg

Vor wenigen Tagen stand Simmler beim 150. Geburtstag des DRK-Kreisverbandes Hanau am Rednerpult, sprach über Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit. Seit 2017 ist sie die Vorsitzende des Hanauer Rot-Kreuz-Vereins, „auch, weil ich als hauptamtliche Politikerin nicht nur darüber rede, sondern auch etwas tun kann“.

Susanne Simmler ist eine Quereinsteigerin in die Politik. In Aschaffenburg geboren und in Babenhausen aufgewachsen, studierte sie nach dem Abitur in Bamberg. Als Diplom-Pädagogin arbeitete Simmler im Anschluss in der Erwachsenenbildung, gab an den Euroschulen in Aschaffenburg Bewerbungstraining und andere Kurse für Arbeitslose.

Simmler wurde 2012 Geschäftsführerin

Zur SPD Main-Kinzig führte sie ein Zufall. Ein Freund schickte ihr die Stellenausschreibung für den Geschäftsführerposten. Simmler bewarb sich und wurde genommen. Das war 2003. Sie managte Erich Pipas ersten Landrats-Wahlkampf vom DGB-Haus am Hanauer Freiheitsplatz mit, wechselte dann zur AQA und schließlich ins Kreishaus. Hier war sie unter anderem für Sport und die Wirtschaftsförderung zuständig.

Die war es am Ende auch, die sie zum Thema Internet brachte. „Bei den Betriebsbesuchen auf dem Land gab es immer wieder Beschwerden wegen des Internets, keine Bandbreite, keine Auswahl“, erzählt sie. Und so wurde die Gründung der Breitband Main-Kinzig GmbH damals in ihrem Amt vorangetrieben. Als der Geschäftsführer Anfang 2012 kurzfristig absprang, übernahm Simmler die Geschäftsführung.

Tief einarbeiten, begreifen, dann entscheiden

Die Mutter zweier Söhne (sechs und neun), die mit ihrer Familie in Hanau lebt, ist in den zurückliegenden sechs Jahren nicht nur als Politikerin, sondern auch als Mensch gewachsen, „auch, weil ich viele Menschen kennengelernt habe, deren Lebensweg mich beeindruckt hat“, sagt sie. Der politische Alltag habe sie aber auch verschlossener gemacht, sie gelehrt, nicht jedem von Anfang an zu vertrauen. Und Politik mit Parteibrille? „Das nervt mich manchmal“, gesteht die 43-Jährige.

Weggefährten loben auf der anderen Seite Simmlers sachliche Art. Sie könne sich, heißt es, zurücknehmen, persönliche Befindlichkeiten – anders als andere – ausblenden. Tief einarbeiten, begreifen, dann entscheiden – so arbeite sie, sagt Simmler, für die – wenn nicht gerade Wahlkampf ist und am Bahnhof Flyer verteilt werden müssen – das gemeinsame Frühstück mit der Familie Pflicht ist. Und auch wenn die Zeit oft knapp ist, „seit die Kinder auf der Welt sind, bringe ich sie zur Schule und in den Kindergarten“.

„Mit ihr macht es immer richtig Spaß.“

„Ich merke ganz oft bei ihr, wenn wir über Projekte im sozialen Bereich sprechen, beispielsweise über die Sanierung des Frauenhauses in Wächtersbach, dass dies absolute Herzensangelegenheiten für sie sind“, sagt Landrat und Parteifreund Thorsten Stolz, „es gelingt ihr dann auch immer wieder, mir als Finanzdezernenten noch ein paar Euro zusätzlich zu entlocken.“ Stolz lobt Simmlers authentische Art. „Manchmal“, fügt er mit einem wissenden Lächeln an, „ärgert sie sich bereits über Dinge, bei denen bei mir die Schmerzgrenze noch lange nicht erreicht ist.“

Dass auch die Landespolitik Susanne Simmler sieht und ihre Arbeit schätzt, wurde im September 2018 offenkundig, als Thorsten Schäfer-Gümbel sie als Umweltministerin in sein Schattenkabinett berief. Eine politische Weggefährtin aus der CDU hat die Zusammenarbeit auf Nachfrage übrigens so beschrieben: „Mit ihr macht es immer richtig Spaß.“

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