Coronavirus - Frankfurt am Main
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Vorbereitungen in den Geschäften: Bisher wegen der Ausbreitung des Coronavirus geschlossene Läden mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter dürfen ab Montag wieder aufmachen. In den Geschäften gelten dann auch Schutzkonzepte mit Abstands- und Hygieneregeln.

Corona-Krise sorgt für wirtschaftliche Probleme

Geschäfte öffnen wieder: Einzelhändler in der Region atmen auf  

  • Monica Bielesch
    vonMonica Bielesch
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Knapp vier Wochen mussten viele Händler wegen der Corona-Pandemie ihre Geschäfte geschlossen halten. Ab Montag dürfen Läden, die kleiner als 800 Quadratmeter sind, wieder öffnen. Auch in der Region atmen die Einzelhändler auf und treffen Vorbereitungen, um die Sicherheitsvorgaben zu erfüllen.

„Es ist sehr gut, dass sich nun diese Lockerungen für den Einzelhandel ergeben haben“, freut sich Mehmet Kandemir, Vorsitzender des Hanau Marketing Vereins. Kandemir betreibt in der Hanauer Innenstadt das Bekleidungsgeschäft Glam Luxury Style und betont, dass für ihn die Sicherheit seiner Kunden und Mitarbeiter an erster Stelle stehe.

Nur zwei Kunden gleichzeitig im Bekleidungsgeschäft

So werde er nur maximal zwei Kunden gleichzeitig reinlassen. Von den zwei Umkleidekabinen werde er eine Kabine blockieren. „Damit sich die Kunden beim Anprobieren frei bewegen können.“

Der Geschäftsmann sieht das Vorgehen der Regierung und der Behörden außerordentlich positiv und sieht sich als Einzelhändler in der Verantwortung: Diese ersten Lockerungen müssten nun vorbildlich umgesetzt werden, damit weitere Schritte in die Normalität folgen könnten. „Wir müssen an alle denken.“

Geschäfte treffen Hygienevorkehrungen

Auch beim Buchladen am Freiheitsplatz wurden Vorbereitungen für die Wiedereröffnung getroffen. Klebemarkierungen für den Boden und ein Acrylschutz für den Kassenbereich seien bestellt. Auch hier plant Inhaber Dieter Dausien, nur eine begrenzte Anzahl von Kunden in den Laden zu lassen. Sollten sich Kunden vor dem Laden ansammeln, werde auch vorgesorgt.

„Wir wollen Stühle in entsprechendem Abstand aufstellen und die Buchauslagen verringern“, so Dausien. Er ist erleichtert, dass sein Geschäft wieder öffnen darf, obwohl die Zeit der Schließung doch vergleichsweise glimpflich für ihn abgelaufen sei. „Wir haben viel Zuspruch von den Kunden bekommen und konnten auch viele Neukunden gewinnen, die wir beliefert haben.“

Lockerungen kommt für viele gerade noch rechtzeitig

Seit 25 Jahren betreibt Olga Gioga ihre Mode-Boutique Magic Moden in Maintal, mit Filialen in Bruchköbel (seit 21 Jahren) und Bad Vilbel (seit elf Jahren). Mehr als drei Kunden gleichzeitig sollen in die Maintaler Filiale mit ihren 120 Quadratmetern nicht rein, wenn diese ab Montag wieder geöffnet ist. Vor und im Geschäft will sie Klebestreifen zur Abstandswahrung anbringen. „Und vor jeder Filiale stellen wir Desinfektionsmittel für die Kunden auf“, so Gioga.

Neben Aktions-Rabatten will sie sogar Mundschutz-Masken für die Kunden bereithalten, die keine dabei haben. Gerade rechtzeitig sei die Lockerung gekommen, meint sie, darum wäre noch die jahreszeitlich richtige Ware im Laden.

Einzelhändler planen wegen Corona-Krise mit Verlusten

Um Auswege aus der Corona-Krise zu finden, die immer mehr zu einer Handelskrise zu werden drohe, hatte sich laut einer Mitteilung der FDP Main-Kinzig vor Kurzem der Hanauer Textilhändler Michael Bailly an Verbände, die Industrie- und Handelskammern und die Politik an den Standorten gewandt, an denen er seine 18 Filialen betreibt. Nach Jahren des kontinuierlichen Wachstums von Umsatz, Standorten und Mitarbeiterzahlen sei seine ursprüngliche Gewinnplanung für das laufende Jahr nur noch Makulatur, wird Geschäftsmann Bailly darin zitiert.

Statt eines geplanten Gewinns – und das sei jetzt schon abzusehen – werde er dieses Jahr mit einem Verlust abschließen. Diese Entwicklung liege nicht nur an den fehlenden Umsätzen, sondern auch daran, dass Kosten wie zum Beispiel Mieten weitergelaufen würden. Hier zeigten sich laut Bailly Vermieter in unterschiedlichem Maße bereit, die mitunter seit Jahrzehnten laufenden Verträge für ein oder zwei Monate zur Unterstützung der Einzelhändler auszusetzen.

IHK fordert Lockerungen auch für die Gastronomie

Die IHK Hanau-Gelnhausen Schlüchtern begrüßt die Lockerungen. „Ein erster Schritt ist getan“, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Andreas Kunz. Unglücklich sei lediglich die Beschränkung auf kleinere Geschäfte bis 800 Quadratmeter. Nun wünsche sich die IHK, dass die Lockerungen zügig auch für die Gastronomie komme. „Insbesondere die Außengastronomie kann die Regeln gut umsetzen“, meint Kunze.

In Einkaufszentren wird bei der Betrachtung der Höchstgrenze jeder Laden einzeln für sich bewertet, was bedeutet, dass beispielsweise im Forum Hanau ein großer Teil der Geschäfte am Montag wieder öffnen darf, andere aber nicht. Denn Einzelhandelsgeschäfte, die über mehr als 800 Quadratmeter verfügen, müssen weiterhin geschlossen bleiben. 

Quadratmeter-Regelung sorgt bei Kaminsky für Unverständnis

Das Land habe auf Nachfrage angekündigt, diese Regel sehr restriktiv anzuwenden, so dass auch eine temporäre Verkleinerung der Verkaufsfläche durch entsprechende Absperrungen, um unter die 800 Quadratmeter-Grenze zu kommen, nicht erlaubt sei, so die Stadt Hanau in einer Mitteilung. „Diese Entscheidung können wir überhaupt nicht nachvollziehen“, zeigt sich Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky irritiert von dieser Auslegung.

„Es ist weder aus hygienetechnischen Gründen noch mit Blick auf die Abstandsregelungen erklärbar, warum man dem großflächigen Einzelhandel diese Chance nicht einräumen will.“

Die gute Nachricht: Kunden sind geduldig und freundlich

Das Schokolädchen in Bruchköbel hat nur eine kleine Filiale in der Kernstadt der 20 000 Einwohner zählen- den Kommune. Das Geschäft konnte als Hersteller von Lebensmitteln bereits vor drei Wochen seine Pforten wieder öffnen. Inhaberin Barbara Schadeberg lässt immer nur einen Kunden in ihr kleines Geschäft, das sie mit ihrem Mann Volker zusammen betreibt.

Sie kann der Pandemie trotzalledem auch Positives abgewinnen: Die Kunden, die manchmal in einer Schlange vor ihrem Geschäft warten müssten, seien sehr geduldig und freundlich – ein Effekt, der hoffentlich anhalte, so die Geschäftsfrau. „Alles findet in Slow Motion statt, das ist toll.“

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