Bruchköbel/Hanau – Für seine Diebestouren kam ein 34-jähriger Albaner gezielt nach Deutschland, wie diverse Ein- und Ausreisen belegen. Auch „Kurztrips“ in die Schweiz und nach Italien standen bei Luis M. und seinen Brüdern auf der To-do-Liste. Derartige Reisen wird es in Zukunft nicht mehr geben. Archivfoto: Thorsten Becker

Bruchköbel/Hanau

Einbrecher muss fünf Jahre hinter Gitter

Bruchköbel/Hanau. Für seine Diebestouren kam ein 34-jähriger Albaner gezielt nach Deutschland, wie diverse Ein- und Ausreisen belegen. Auch „Kurztrips“ in die Schweiz und nach Italien standen bei Luis M. und seinen Brüdern auf der To-do-Liste. Derartige Reisen wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Von Michael Bellack

Am Dienstag ist M. im Schnelldurchlauf vom Landgericht Hanau zu fünf Jahren Haft wegen Wohnungseinbruchsdiebstahls verurteilt worden. In Bruchköbel, Rodenbach und Frankfurt war er alleine oder mit Komplizen in Wohnungen eingestiegen.

Vier Verhandlungstage waren von der 1. Großen Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Dr. Peter Graßmück ursprünglich angesetzt, bereits nach knapp vier Stunden fiel das Urteil. Früh hatte sich angedeutet, dass sich der Angeklagte geständig zeigen würde. Sehr zur Freude von Staatsanwalt Markus Links, der kistenweise Akten zu den Fällen mit der Sackkarre hatte herbringen lassen.

Fette Beute in der Silvesternacht

Die Beweislage war eindeutig, leugnen hätte die Verhandlung wohl nur unnötig in die Länge gezogen. Die erhebliche Verkürzung des Verfahrens wurde dem Angeklagten auch im Urteil angerechnet. Zehn Fälle von Einbruchsdiebstahl wurden dem Angeklagten Luis M. zur Last gelegt. Fünf Anklagepunkte, bei denen es beim Versuch blieb oder bei denen keine Beute gemacht wurde, wurden vorläufig eingestellt. In den anderen fünf Fällen hielt sich der Interpretationsspielraum in Grenzen: An den Tatorten wurden mehrere DNA-Spuren gefunden, die eindeutig dem Angeklagten zugeordnet werden konnten.

M. und seine Komplizen waren im Zeitraum von November 2014 bis Dezember 2016 in Häuser, Wohnungen, Villen und Bungalows eingebrochen. Allein fünfmal davon in Bruchköbel, zweimal in Rodenbach. Dabei hatte die Einbrecherbande Wertgegenstände und Bargeld in Höhe von mehr als 56 000 Euro erbeutet. In der Silvesternacht 2015 machten die Täter erneut fette Beute und stahlen in einem Haus in Bruchköbel Wertgegenstände und Bargeld im Wert von 36 000 Euro.

Spuren am Tatort

Die Vorgehensweise war immer die gleiche: Vornehmlich in der dunklen Jahreszeit warfen die Einbrecher Scheiben mit Steinen ein, hebelten Türen mit gestohlenem Werkzeug auf und verschafften sich so Zutritt zu den Wohngebäuden. Staatsanwalt Links sprach von einem professionellen Vorgehen: „Die Täter gingen brachial, aber nicht dilettantisch vor.“ Zuvor hatten die Täter darauf geachtet, dass zur Tatzeit kein Anwohner zu Hause ist. Ein Umstand, den Richter Graßmück dem Angeklagten anrechnete.

Doch auch wenn sich Richter, Staatsanwalt und Verteidiger einig waren, dass die Bande durchaus professionell vorging, hinterließ sie amateurhaft Spuren an den Tatorten. So wurden dem Angeklagten unter anderem Blut auf einer Terrassenfliese und an einem Beil sowie einige weitere DNA-Treffer zum Verhängnis.

Geld nach Albanien überwiesen

Zu den weiteren teils noch unbekannten Mitgliedern der Bande wollte sich der Angeklagte nicht äußern. Wenig verwunderlich, schließlich handelt es sich bei mindestens zweien um seine Brüder. Die Ermittler gehen von vier männlichen und zwei weiblichen Personen aus. Insgesamt 80 Einbrüche soll die Bande auf dem Kerbholz haben. Gegen drei bekannte Mitglieder laufen Verfahren, sein Bruder wurde kürzlich zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

Geschäftstüchtig zeigte sich die Gruppe beim Verkauf der gestohlenen Wertgegenstände, was meist innerhalb weniger Tage passierte. Rund 75 000 Euro wurden insgesamt auf Konten in Albanien überwiesen. Geld, das laut Graßmück „verloren“ ist. „Das ist eine ordentliche Anschubfinanzierung in Ihrer Heimat, die sie in den nächsten fünf Jahren abarbeiten können“, stellte Graßmück fest. Der Angeklagte hatte zuvor über einen Dolmetscher verlauten lassen, dass seine Familie in Albanien von umgerechnet 20 Euro Sozialhilfe im Monat leben müsse. Der Vater zweier kleiner Töchter nahm die Urteilsverkündung regungslos hin. „Ich möchte mich für die ganze Aufregung entschuldigen“, ließ er über einen Dolmetscher mitteilen.

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