Eine ganze Reihe von Einbrüchen wird einem 21-Jährigen zur Last gelegt. Scheinbar nur aus Spaß an der Freude hatte er in der Verhandlung einen 27-Jährigen belastet. Symbolbild: Pixabay

Gelnhausen

Einbrecher belastet Komplizen aus Lust und Laune

Gelnhausen. Schwere Vorwürfe erhebt die Staatsanwaltschaft Hanau gegen einen 27-jährigen Mann aus Gelnhausen. Bei insgesamt zwölf Einbrüchen in der Barbarossastadt soll er Schmiere gestanden und jeweils die Hälfte von der Beute bekommen haben.

Von Andreas Ziegert

Die Anklage vor dem Schöffengericht Gelnhausen stützt sich auf die Aussage des Haupttäters, der seinen vermeintlichen Komplizen verpfiffen haben soll. In der Verhandlung gibt es aber eine Überraschung: Der 21-Jährige widerrief seine damalige Aussage.

Die Einbrüche wurden alle zwischen Dezember 2017 und Februar 2018 begangen. Gleich viermal war das Café Merlin am Gelnhäuser Bahnhof das Ziel. Die Beute betrug zweimal 300 Euro sowie Wechselgeld. Zweimal wurde zudem die Ysenburgschule in Hailer heimgesucht, ebenso die Beruflichen Schulen und die Kindertagesstätte am Konrad-Schneider-Weg. Dort wurde jeweils nichts erbeutet.

Gleiches Muster bei Einbruchserie

Wie in den meisten anderen Fällen wurde sich auch an der Herzbergschule in Roth der Zugang über ein Fenster verschafft, hier wurden 100 Euro aus einer Geldkassette erbeutet. Rabiat wurde es bei einem Einbruch in eine Bäckerei im Lützelhäuser Weg: Zwei Gullydeckel und ein Pflasterstein brauchte es, um eine Glasscheibe zu brechen – 30 Euro Wechselgeld wurden erbeutet.

Vier Kameras im Gesamtwert von 400 Euro waren aus der Kindertagesstätte an der Goethestraße entwendet worden. Am lukrativsten war der Einstieg in eine Wohnung an der Jahnstraße in Hailer: Schmuck, Mobiltelefon sowie Kamera im Gesamtwert von 470 Euro wurden geklaut und dabei ein Schaden von insgesamt fast 3000 Euro hinterlassen. Auch bei den anderen Taten wurden neben den Fenstern auch Innentüren und Einrichtungsgegenstände zerstört.

Komplizen verpfiffen "weil ich Lust hatte"

Der inzwischen 21-jährige Haupttäter gestand im Juli 2018 alle Einbrüche und sitzt nach seiner Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe hinter Gittern. In der Verhandlung und den Vernehmungen durch die Polizei zuvor hatte er den jetzt angeklagten 27-jährigen Gelnhäuser als seinen Komplizen angegeben. Jetzt die Wende: „Er hat mit den Taten nichts zu tun“, erklärte er nun vor dem Schöffengericht, seine damaligen Angaben habe er gemacht, „weil ich Lust hatte“.

Nicht die einzige Kuriosität in diesem Fall: Der Haupttäter soll laut Angaben des Verteidigers auch noch in eine Shisha-Bar und in einen Friseurladen in Gelnhausen eingebrochen sein, was wiederum der Angeklagte den Inhabern erzählt habe. Anstatt den jungen Mann anzuzeigen, hätten diese ihn allerdings „ordentlich vermöbelt“.Da es außer der belastenden Aussage keine weiteren Hinweise auf die Täterschaft des Angeklagten gab, wurde er vom Vorwurf des schweren Diebstahls in zwölf Fällen freigesprochen.

Verurteilung wegen Fahrens ohne Führerschein

Verurteilt wurde er aber dennoch: Im Mai und im November 2018 war er ohne Führerschein am Steuer erwischt worden. Dafür verhängte das Schöffengericht eine Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen – insgesamt 3750 Euro, außerdem wurde eine sechsmonatige Sperre für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis verhängt. Das Urteil ist rechtskräftig.

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