Main-Kinzig-Kreis

Drei geprüfte Pilzsachverständiger sorgen für Sicherheit im Kreis

Main-Kinzig-Kreis. Im vergangenen Jahr haben sie gar nicht erst zum Messer und den Körben gegriffen. Es war viel zu trocken, für die Pilzsammler gab es kaum etwas zu finden. In diesem Spätsommer sieht es anders aus.

Von Thorsten Becker

Daher sind jetzt auch die drei offiziell zugelassenen Pilzsachverständigen im Altkreis Hanau wieder aktiv, um ungeübte Sammler zu informieren.

„Es ist deutlich besser, die Pilze sprießen“, sagt Andrea Eschenbrenner. Die Ronneburgerin kennt sich aus. Auch ihre Kollegin Doris Kreißl (Rodenbach) hofft in diesem Herbst auf leckere Funde. Ihre Aufgabe ist es, interessierte Bürger und vor allem passionierte Pilzsammler zu beraten – und vor allem vor den Gefahren zu schützen, die ungenießbare oder gar tödlich giftige Exemplare mit sich bringen. Eschenbrenner erwartet daher in den kommenden Wochen etwas mehr Arbeit als sonst.

Ihre Zielgruppe sind nicht die erfahrenen Sammler, die „Jagd“ auf Pfifferlinge und Co. machen und sich auskennen. Immer wieder gebe es Laien, die unsicher sind, ob es sich bei den Funden in Feld und Flur um ein schmackhaftes Mahl oder eine tödliche Gefahr handelt.

Warnung der Expertin

„Was nicht eindeutig identifiziert werden kann, sollte unbedingt stehen gelassen werden – solche Pilze dürfen auf gar keinen Fall in die Pfanne“, warnt die Expertin.

Sie bietet daher praktische Hilfe an und steht bereit, die Sammler zu beraten. Das ist allerdings nur persönlich möglich mit einem kritischen Blick in den Korb. „Per Foto oder am Telefon ist das nicht machbar“, schränkt sie ein. Denn die Gefahr, eine falsche Auskunft zu geben, ob es sich beispielsweise um einen leckeren Steinpilz oder dessen ekelig schmeckenden Doppelgänger, den Gallenröhrling handelt – oder schlimmere Exemplare –, ist zu groß.

„Wer mit seinem Korb bei mir vorbeikommt, dem kann ich bei der Bestimmung der Funde helfen“, sagt Eschenbrenner und freut sich, dass es im Bereich des Altkreises Hanau inzwischen drei geprüfte Pilzsachverständige als Anlaufstelle gibt. Somit haben Pilzsammler die Wahl zwischen Ronneburg, Rodenbach und Hanau.

Doris Kreißl ist bereits seit elf Jahren aktiv. Und ihre Erfahrung zeigt, dass die ehrenamtliche Arbeit der Pilzsachverständigen dringend nötig ist. Schon mehrfach musste sie in Notfällen helfen. „Entweder ist es die Giftnotrufzentrale in Mainz oder es sind die Krankenhäuser direkt, die bei mir anrufen.“

Anruf aus Hanauer Klinik

Erst kürzlich hatte sie einen Anruf aus einer Hanauer Klinik. „Eine Frau hatte Morcheln im Wald gefunden, diese eindeutig identifiziert und sich richtig darüber gefreut, weil sie diese Pilze früher mit ihrer Oma gesammelt hatte.“ Der Fehler: Die Frau hat bereits im Wald in den Pilz gebissen. „Das sollte man auf gar keinen Fall machen, denn die allermeisten Pilze sind im Rohzustand giftig“, mahnt die Rodenbacherin.

In über einem Jahrzehnt hat sie auch schon zahlreiche Anfänger-Sammler beraten. „Da waren in einigen Körben auch schon tödlich giftige Exemplare dabei.“

Es muss aber nicht gleich der Knollenblätterpilz sein, der zu Recht für Angst und Schrecken sorgt. „Auch erfahrene Sammler können Fehler machen, denn selbst essbare Pilze können unerwünschte Folgen haben“, ergänzt ihre Kollegin Eschenbrenner. Vor allem derzeit sei es riskant, beispielsweise Rotfußröhrlinge, die bereits zu finden sind, länger aufzubewahren. „Wer die Pilze nach einer Wanderung bei diesen Temperaturen länger im Auto transportiert, läuft Gefahr, dass sie verderben. Das gilt auch für alte Exemplare, die im Wald stehen. In beiden Fällen kann es zu Magenproblemen kommen“, mahnt sie.

Daher bietet Eschenbrenner Anschauungsunterricht an, plant in diesem Jahr drei Pilzexkursionen in Ronneburg sowie eine Ausstellung in Langenselbold.

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