Kreative Kunstwerke: Mit selbstgebautem Werkzeug und einer Schleifmaschine fertigt der Steinauer aus dem Rohmaterial Ringe und Ketten an. Foto: Andrea Euler

Steinau

Dieter Ruppert stellt aus antikem Besteck Schmuckstücke her

Steinau – Für die einen ist es Müll. Für die anderen dient es als Grundlage einer großen Leidenschaft. Dieter Ruppert aus Steinau hat in der Schmuckherstellung aus antiken Bestecken ein Hobby gefunden, dem er mit Leidenschaft und Hingabe seine Zeit widmet: Aus Einzelstücken entstehen wahre Schmuckstücke.

Von Andrea EulerDenn reines Silber ist zu weich und deshalb für Besteck nicht geeignet. Damit es fester und härter wird, werden weitere Metalle – etwa Kupfer, Zinn oder Zink – hinzugefügt. Wie groß der Anteil des Silbers tatsächlich ist, wird an einem Stempel erkenntlich, der eine Zahl zwischen 375 und 950 aufweist. „1000 Prozent wären reines Silber. Wenn also der Stempel auf 800er Silber verweist, bedeutet das, dass 800 von 1000 Teilen Silber sind, der Rest besteht aus anderen Metallen“, erläutert Dieter Ruppert. „935er“ ist beispielsweise das bekannte Sterling Silber.Ruppert kennt sich aus:

Gelernter Werkzeugmacher

Der gelernte Werkzeugmacher, der von 1965 bis 1969 in Obertshausen seine Lehre absolvierte, war anschließend in Steinau tätig. Später arbeitete er bei einem Gabelstaplerservice – und landete durch die Vermittlung einer Bekannten bei einem Goldschmied in Wiesbaden-Erbenheim, der auch ein Schmuckatelier leitete. Dort lernte Ruppert innerhalb von 14 Tagen die Grundlagen der Schmuckreparatur. Danach war er für einige kleine Goldschmiedewerkstätten der Ansprechpartner, wenn es um das Weiten der Ringe, das Löten von Ketten und das Anfertigen kleinerer Schmuckstücke ging.

„In dieser Zeit bin ich das erste Mal mit Edelmetall intensiver in Berührung gekommen“, erinnert sich Ruppert. 35 Jahre lang war er schließlich in einem Autohaus als Verkäufer tätig, seit 2017 ist er im Ruhestand.Er verdankt sein neues Hobby und die Gelegenheit, viel von seinem angehäuften Wissen in künstlerischer Weise umzusetzen, erneut einem Zufall: Auf einem Antikmarkt in Bad Orb entdeckte seine Ehefrau Jutta einen Ring aus einem alten Silberbesteck, der sie faszinierte. „Da habe ich mir gedacht: Das ist eine tolle Idee, ich glaube, so was mache ich mal selbst. Ich war total begeistert.“

Ringe, bei denen die Gabelzinken grazil die Finger umschließen, Armbänder, an denen zwei gebogene Messergriffe mit einem Magnetverschluss verbunden werden, Schmuckrosen an Löffelgriffen, die nun am Ringfinger funkeln – Rupperts Leidenschaft war entfacht. Gleich nach Rentenbeginn machte er sich auf den Weg zu zwei Flohmärkten – und durfte erfahren: „Man braucht etwa genauso viel Zeit, um das Material zu besorgen, wie man in der Werkstatt verbringt.“

Beginn eines Lernprozesses

Für ihn begann mit den ersten erworbenen Stücken auch ein Lernprozess: Dass man Silber besser nicht in einem Schraubstock biegt und sinnvoller Weise auch nicht mit dem Hammer drauf schlägt, etwa. „Deshalb habe ich mir selbst Werkzeuge gebaut oder bauen lassen, und irgendwann kamen dann die ersten Ringe heraus.“ Recherchen im Internet sorgten für immer neue Ideen. „Ich habe das ja nicht erfunden, das gibt es schon lange. Beispielswei-se die Spoon-Rings in Amerika“, erklärt der Künstler.

Für den 64-Jährigen ist ein 72-teiliger Besteckkasten gänzlich uninteressant. „Jeder Ring soll ja anders sein. Deshalb kaufe ich Einzelteile oder auch kleine Konvolute mit verschiedenen Besteckteilen.“ Um einen fairen Preis zu zahlen, ist die Kenntnis der teils uralten Silberstempel ein absolutes Muss. „Es macht ebenso viel Spaß und ist genauso spannend, mit den Trödlern und Händlern zu verhandeln, wie in der Werkstatt zu sitzen und zu überlegen: Was mache ich denn da jetzt draus.“

Schmuckstücke und Steine

Herstellerstempel, die Zahl mit dem Silberanteil, die Herstellungsepoche, der zufolge ein Stück auch deutlich mehr wert sein kann als der reine Materialwert – all das zusammen ergibt die Bewertungsgrundlage. „Beim Allerweltsbesteck gilt ein Kilopreis, der zwischen 300 und 320 Euro liegt. Mir wurden aber auch schon drei Löffelchen angeboten mit einem Preis von zwei Euro pro Gramm.“ Der größte Anteil des feilgebotenen Bestecks sei ohnehin mit einer Silberauflage versehen – da sind nur die Oberflächen der Besteckteile versilbert.

Im Keller in Rupperts Haus liegen neben Schmuckstücken in Pappkisten Besteckteile von der Fleischgabel bis zum Löffel, Swarovski-Steine zum Verzieren, Kettengliedern und Magnetverschlüsse. Aber wer möchte, kann auch Omas Besteckteile vorbei-bringen und sich wünschen, was der Künstler daraus machen soll. „Es ist ein Hobby“, erklärt Ruppert. Entsprechend stellte er bislang nur auf dem Steinauer und einen Tag lang auf dem Weihnachtsmarkt in Bad Soden-Salmünster seine Werke aus.

Gäste sind bei Ruppert jederzeit herzlich willkommen. Allerdings bittet er um eine vorherige Terminverein-barung unter Telefon 01 51/28 43 35 03.

Das könnte Sie auch interessieren