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Auch in der Hanauer Kläranlage weiß man um die Probleme, die Feuchttücher und Co in den Pumpwerken verursachen können.

Reißfeste Stoffe verstopfen die Pumpen

Vermehrter Gebrauch von Feuchttüchern sorgt für Probleme in Klärwerken

  • vonThomas Seifert
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Hamsterkäufe bei Toilettenpapier? Wer kennt das nicht in diesen Zeiten. Und die Alternative? Papiertaschentücher, Haushaltsrolle und Feuchttücher. Doch da tut man der örtlichen Kläranlage keinen Gefallen,

Im Gegenteil, durch solche „Abfälle“ bekommen die Betreiber große Schwierigkeiten, denn die Pumpen setzen sich mit den reißfesten Tüchern zu und sind nur ganz schwer zu reinigen.

Bernhard Lotz ist Betriebsleiter der Nidderauer Kläranlage die für 24 000 Bewohner ausgelegt und im Stadtteil Windecken angesiedelt ist. Er und seine Nachfolgerin Daniela Wißner können ein Lied davon singen, vor welche Probleme die Mitarbeiter, die in zwei Schichten die Abwasserreinigungsanlage am Laufen halten, mit diesen Hinterlassenschaften gestellt werden.

Feuchttücher aus reißfesten Stoffen verstopfen die Kläranlagen

„Das Problem ist, dass Feuchttücher, Papiertaschentücher und Haushaltsrollen zum Teil aus sehr reißfestem Kunststoff oder Baumwolle gefertigt sind. Damit bekommen selbst Pumpen, die eingebaute Messer und Zerkleinerungseinrichtungen haben, extreme Probleme. Von normalen Tauchpumpen ganz zu schweigen“, stellt Lotz fest.

Auch in Hanau weiß man um solche Komplikationen. Erst jüngst wies Markus Henrich, Betriebsleiter des städtischen Eigenbetriebs Hanau Infrastruktur Service (HIS), in einer Mitteilung darauf hin, dass Papiertaschentücher, Küchenpapier und feuchtes Toilettenpapier nach Gebrauch nicht in die Toilette, sondern in den Restmüll gehören. 

Mitarbeiter müssen Verstopfungen mühsam entfernen

Nidderau hat ein Abwassersystem für die rund 20 000 Einwohner, das auf dem Prinzip des Gefälles beruht. Das heißt, die finalen Zuleitungskanäle zur Kläranlage enden in rund acht Metern Tiefe. Von dort müssen die Abwässer, die während Trockenzeiten teilweise über einen Tag vom Verursacher bis nach Windecken im Leitungssystem unterwegs sind, hochgepumpt werden.

Nicht gerade appetitlich: So verstopfen Pumpen in der Nidderauer Kläranlage mit Feuchttüchern, Papiertaschentüchern und Haushaltsrollen, die über die Toilette entsorgt werden.

Diejenigen Tücher, die bereits vor dem Pumpvorgang durch die engmaschigen Rechen gerutscht sind und sich in den Pumpen verfangen haben, müssen die Mitarbeiter nach dem Heben der Geräte mühsam entfernen. „In den Pumpen bilden sich aber so feste Pfropfen oder Verzopfungen, dass man selbst mit einem scharfen Teppichmesser nur sehr mühselig die verfilzten Tücher entfernen kann. Zudem werden durch diese Feststoffe die Laufräder oder Schneidewerkzeuge nicht selten beschädigt, was nicht nur Mehrarbeit, sondern auch zusätzliche Kosten nach sich zieht“, berichtet der Betriebsleiter.

Benutzung von Feuchttüchern in der Corona-Krise gestiegen

„Erst mit dem massenhaften Gebrauch der Feuchttücher sind diese zum Problem geworden, mit normalem Toilettenpapier gibt es diese Schwierigkeiten nicht“, fügt Daniela Wißner hinzu. Ein weiterer Grund, weshalb diese Feststoffe zum Problem geworden sind, ist der Einsatz einer anderen Pumpentechnik. „Früher waren Schneckenpumpen – auch in Nidderau – in der Kläranlage im Einsatz. Einige abgesägte Teile sind noch auf dem Gelände als 'Skulpturen' zu bestaunen“, so Bernhard Lotz.

Der Nachteil dieser Technik sei gewesen, dass auch die Schweb- und Feststoffe in den Abwässern, die sich am Grund des Kanals abgesetzt hatten, mit hochgepumpt wurden. In trockenen Sommern, wenn die Fäkalien sehr konzentriert die Kläranlage erreichten, war die Geruchsbelästigung der Umgebung schon enorm, denn die Schneckenpumpen seien ein offenes System. Der Vorteil: Fest- und Fremdstoffe konnten die Schneckenpumpen nicht verstopfen, wurden an den dahinter geschalteten Rechen herausgefiltert.

Kläranlage bei Bau nicht auf Feuchttücher ausgelegt

Um Geruchsbelästigungen zu vermeiden, müsste man Pumpen in Gebäuden betreiben, was einen baulichen und finanziellen Aufwand bedeuten würde. „Die Kläranlage wurde bereits 2003 in Betrieb genommen, da hat man Feucht- und Desinfektionstücher allenfalls in Kliniken oder Altenheimen benutzt“, weist der Betriebsleiter auf einen weiteren Aspekt hin.

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