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Notbetrieb beim BWMK: Die Werkstätten sind leer. Für die verschiedenen Einrichtungen gelten strenge Besuchsvorschriften.

Corona-Krise trifft auch Behinderten-Werk Main-Kinzig: „Das ist für uns alle eine Herausforderung“

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Dort, wo sonst die Metallspäne fallen, wo Holz gesägt, Werkzeuge verpackt oder Akten vernichtet werden, ist es ruhig geworden. Der Betrieb der Werkstätten des Behinderten-Werks Main-Kinzig (BWMK) ist seit einer Woche als weitere Schutzmaßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus eingestellt worden.

Neben den Kitas und der inklusiven Grundschule des BWMK mussten auch die Tagesförderstätten, Tagesstätten und das inklusive Bildungszentrum in Hanau, das Blauhaus sowie die Cafés im Hanauer Brockenhaus und in Gelnhausen ihre Türen vorerst schließen.

Eine Notfallbetreuung der Menschen mit Behinderung ist unter bestimmten Umständen weiterhin möglich. Der Rest läuft momentan ebenso in Notbetrieb und Krisenmodus, um die wichtigsten Dienstleistungen zu erbringen.

Betrieb in Wäscherei geht weiter

 „Von Anfang an war wichtig, dass wir den Betrieb in der Heinzelmännchen-Wäscherei in Wächtersbach aufrechterhalten, da dort unter anderem Klinikwäsche gewaschen wird“, sagt BWMK-Sprecherin Dorothee Müller. „Auch die Supermärkte halten wir weiter in Betrieb und bieten überdies Dienstleistungen wie Scannen und Montagearbeiten an, natürlich unter der Berücksichtigung aller Hygieneregeln.“ 

Auch der Alltag in den Wohnbereichen des BWMK hat sich in den letzten Wochen grundlegend verändert. Nach wie vor werden die Bewohner an allen Wochentagen betreut, doch die Tagesaktivitäten finden wie bei vielen Menschen, die wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu Hause bleiben, hauptsächlich in den eigenen vier Wänden statt.

Betreuer haben kreative Ideen

Da müssen die Betreuer kreativ werden: Kochen, Spazieren und Handwerkliches stehen beispielsweise auf dem Plan. Auch das Nähen von wiederverwendbarem Mundschutz wird zurzeit an verschiedenen Standorten organisiert.

„Wir achten darauf, dass sich die Menschen etwa bei Aktivitäten nicht außerhalb ihrer Wohngruppe treffen, separieren die Gruppen also im besten Sinne, um eine Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten. Außerdem achten wir darauf, dass in den Außenbereichen der Wohnanlagen die Regeln der Kontaktsperre sowie Hygieneregeln generell eingehalten werden“, sagt Müller. „Das ist für uns alle eine riesige Herausforderung.“ 

Besuchsverbot für Angehörige in Wohnheimen

Seit Mitte März besteht außerdem ein Besuchsverbot in allen Wohneinrichtungen des BWMK. „Eltern, Angehörige und gesetzliche Betreuer sind da sehr verständnisvoll und kooperativ. Das ist natürlich keine leichte Situation für viele“, so Müller.

„Die Familien dürfen ihre Angehörigen, die in unseren Wohnstätten leben, momentan zwei Wochen lang nicht besuchen oder müssen sie für 14 Tage komplett zu sich nehmen, sollten sie in der Zeit direkten Kontakt wünschen.“ Somit müssten sie auch selbst zwei Wochen lang rund um die Uhr für die Pflege und Betreuung ihrer Angehörigen sorgen. „Da sind wir auch sehr streng, denn die nächsten 14 Tage sind die entscheidenden“, sagt Müller.

Besetzung des Personals wurde angepasst

Daher wurde auch die Besetzung des Personals strukturell angepasst. „Wir haben die Dienste in den Wohnbereichen so aufgeteilt, dass festgelegte Teams immer blockweise am Stück im Einsatz sind. So können wir rasch handeln, sollten wir Corona-Fälle im Betrieb haben.“ 

Zudem werden die Teams personell durch Mitarbeiter der Kinder- und Familienbetreuung unterstützt. Je nach Wunsch können die Bewohner, die besondere Unterstützung und Betreuung benötigen, daher auch zu zweit in Begleitung einer Betreuungskraft spazieren gehen.

„Da gehen alle Einrichtungen der Behindertenhilfe momentan flexible Wege“, so Müller. „Die Priorität liegt bei den Menschen.“ Flexible Wege gehen auch die Fitnessstudio-Mitarbeiter des Gesundheitszentrums Westpark in Hanau, das auch wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus vorübergehend schließen musste. Die dadurch beschäftigungslos gewordenen Mitarbeiter helfen in den Supermärkten des BWMK in Kesselstadt und Bad Soden-Salmünster aus.

Große Solidarität seitens Mitarbeiter und Angehörigen

„Wir sind sehr dankbar, dass in unserer BWMK-Gruppe ein gutes Miteinander herrscht und wir eine große Solidarität seitens unserer Mitarbeiter, aber auch seitens der Angehörigen erfahren“, so die BWMK-Sprecherin. Auch die „Cantina“, die vom BWMK in der Arbeitsagentur in Hanau bewirtschaftet wird, ist noch in Betrieb. Von dort aus werden auch die anderen Standorte mit Essen bedient.

Die größte Herausforderung sei es nun laut Betriebsratsvorsitzendem Markus Grothe, Personal in den einzig verbliebenen Betreuungseinrichtungen, den Wohneinheiten zu mobilisieren. Ob weitere Umverteilungen auch im Bereich der Werkstattmitarbeiter möglich seien oder ob man staatliche Hilfen wie das Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen müsse, werde derzeit beraten. 

Lage wird nach dem 19. April neu bewertet

Auch andere Fragen seien laut Martin Berg, dem Vorstandsvorsitzenden des BWMK, noch offen: „Wie können wir die Beschäftigung aufrechterhalten und wie funktioniert die Finanzierung? Auch Fragen wie Entgeltfortzahlungen für die Werkstätten-Mitarbeiter sind schwierig abzuschätzen im Moment.“ Alle vom BWMK bisher getroffenen Regelungen in der Corona-Krise gelten vorerst bis zum 19. April. „Dann müssen wir die Lage neu bewerten“, so die BWMK-Sprecherin.

Das BWMK hatte bereits im Februar einen neunköpfigen Organisationsstab gegründet, um aktuell auf die sich verändernde Lage zu reagieren. Dieser besteht aus Mitgliedern des Vorstands, Betriebsrats, Vertretern der Beschwerdestelle, Kommunikation, Rechtsabteilung, Arbeitssicherheit, IT und Personalchef. Alle zwei Tage schließen sie sich in einer Konferenz kurz. „Natürlich besteht dennoch jederzeit die Möglichkeit, Fragen direkt über den Schreibtisch zu klären“, sagt Müller.

Direct-Beratungszentrum und die Info-Büros sind telefonisch erreichbar

Zwar sind das direct-Beratungszentrum und die Info-Büros ebenfalls geschlossen, sie können aber unter 0 60 51/ 9 21 85 00 oder per E-Mail an bz@direct-bz.de kontaktiert werden. Die Zentralen Dienste in Gelnhausen dürfen nur nach vorheriger Anmeldung betreten werden. Die Mitarbeiter sind für alle Fragen telefonisch weiterhin erreichbar. Zu diesem Zweck wurde extra ein Info-Telefon eingerichtet, das montags bis freitags jeweils von 8 bis 18 Uhr unter der Nummer 0 60 51/92 18 19 99 kontaktiert werden kann.

Einkaufslieferung: Die mobilen Supermärkte des BWMK liefern auch in der Corona-Krise. Der „Eins Zwei Drei“-Markt in Bad Soden-Salmünster ist zur Bestellung telefonisch unter der Nummer 0 60 56/ 90 04 94, der Nahkauf in Kesselstadt unter Telefon 0 61 81/92 32 10 erreichbar. Infos zur Arbeit des BMWK in der Corona-Krise gibt es auf der BWMK-Webseite. ›› bwmk.de

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