+
Die Corona-Krise macht auch vor großen, global agierenden Unternehmen nicht Halt: Auch Goodyear Dunlop, Umicore, die Veritas AG und Evonik mussten vorübergehend in unterschiedlichem Maße temporäre Kurzarbeiterregelungen einrichten.

Corona-Krise zieht sich durch alle Branchen

Jedes achte Unternehmen im Kreis hat Kurzarbeit bei der Bundesagentur für Arbeit angezeigt

  • schließen

Die Corona-Krise macht auch vor großen, global agierenden Unternehmen nicht Halt: Jedes achte Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis hat im März bei der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeit angezeigt. In ganzen Zahlen sind das 3300 von insgesamt 25 500 Unternehmen.

Das bestätigte Regina Umbach-Rosenow, die Sprecherin der Agentur für Arbeit in Hanau, auf Anfrage. „Wie viele Menschen davon letztlich betroffen sind, können wir erst im nächsten Jahr sagen. Dass sich die Folgen der Krise durch alle Wirtschaftsbranchen durchziehen und alle Betriebsgrößen umfasst, ist, denke ich mal, allgemein bekannt.“ 

Eine nicht repräsentative Umfrage bei Unternehmen in der Region zeigte, dass unter anderem auch die Veritas AG, Goodyear Dunlop, Evonik und Umicore in unterschiedlichem Maße coronabedingte Kurzarbeiterregelungen eingeführt haben. So sind in Hanau etwa 1400 Mitarbeiter von Goodyear Dunlop von der temporären Stilllegung des Reifenwerks seit Mitte März betroffen, wie Unternehmenssprecherin Mirjam Berle mitteilt. 

Die Kurzarbeiterpläne variieren pro Abteilung

Das Werk soll jedoch bereits in der nächsten Woche wieder in Betrieb genommen werden. „Zur Aufrechterhaltung des Reifenbestands, der notwendig ist, um systemrelevante Dienstleister mobil zu halten, hat das Unternehmen letzte Woche die Reifenproduktion in seinen Werken in Europa teilweise wieder aufgenommen“, sagt Berle. „Um die Mitarbeiter zu schützen und die allgemeine Ausbreitung von Covid-19 bei Wiederaufnahme der Produktion zu reduzieren, hat das Unternehmen vorbeugende Maßnahmen ergriffen. Dazu zählen zusätzliche Reinigung und die Verfügbarkeit von Desinfektionsmitteln, die Beschränkung der Besucher auf geschäftskritische Gäste sowie die Einhaltung angemessener Distanzierung.“ 

Die Gesundheit der insgesamt 1900 Mitarbeiter am Standort Hanau sowie die der Kunden habe dabei oberste Priorität. „Wie viele andere Unternehmen in Europa haben wir die Arbeitszeiten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Kurzarbeiterpläne, die je nach Abteilung variieren, temporär dem aktuellen Arbeitsumfang angepasst“, so Berle. 

Gelnhäuser Standort von Veritas sei stark von Kurzarbeit betroffen

Auch die Verwaltungs- und Vertriebsstandorte werden mit einem reduzierten Personaleinsatz betrieben. Sobald sich die Gesundheitslage und die Marktbedingungen bessern, wolle man schnellstmöglich zum Normalbetrieb zurückkehren. Die coronabedingt veränderte Auftragslage in der Automobilindustrie hat auch die Veritas AG hart getroffen: „Die Corona-Pandemie wirkt sich gravierend auf die Auslastung der Produktion bei der Veritas-AG aus. Daher hat das Unternehmen an allen deutschen Standorten Kurzarbeit angemeldet“, bestätigte Veritas-Sprecherin Marion Wögler. 

Der in Gelnhausen ansässige Automobilzulieferer reagierte damit auf die kurzfristigen Werksschließungen von PSA, VW, Daimler, Ford und BMW, wodurch die Abrufe von Produkten eingestellt wurden. Seit etwa einem Monat komme es so durch die Corona-Krise auch am Standort Gelnhausen zu einem erheblichen Umfang an Kurzarbeit. 

Geschäftsjahr habe vor Ausbruch der Corona-Pandemie gut begonnen

Eine coronabedingt veränderte Auftragslage in der Automobilindustrie hatte auch für den Materialtechnologie- und Recyclingkonzern Umicore weitreichende Folgen: „Um die Eindämmung von Covid-19 weiterhin zu unterstützen und gemeinsam die Beschäftigung bei Umicore zu sichern, sind wir gerade in der Abstimmung über die Einführung von temporär begrenzter Kurzarbeit für einige ausgewählte Bereiche am Standort Hanau“, teilte Unternehmenssprecherin Katharina Brodt auf HA-Anfrage mit. „Zu welchem Prozentsatz und in welchen Stufen einzelne Bereiche betroffen sein werden, können wir derzeit noch nicht genau sagen. Diese Maßnahmen betreffen derzeit weniger als zehn Prozent der rund 850 Mitarbeitenden in Hanau.“ 

Das Geschäftsjahr habe vor Ausbruch der Corona-Pandemie gut begonnen. „Als sich die Ansteckung mit dem Virus auf den Rest der Welt ausbreitete, sah sich die Automobilindustrie jedoch gezwungen, den Großteil ihrer Produktion außerhalb Asiens stillzulegen, in vielen Fällen für einen unbestimmten Zeitraum“, schreibt Brodt. „Bis die Automobilhersteller die Produktion wieder aufnehmen, legt Umicore den größten Teil seiner Produktionskapazitäten im Bereich Katalysatoren außerhalb Asiens vorübergehend still und greift gegebenenfalls auf vorübergehende Kurzarbeit zurück. Umicore hat den Zufluss von Rohmaterialien entsprechend angepasst und reduziert andere Kosten.“  

Bei Evonik in Hanau ist nur der Catering-Service betroffen

Die Vacuumschmelze (VAC) in Hanau hatte bereits im September vergangenen Jahres in nahezu allen Bereichen Kurzarbeit angemeldet. Ob sich die Lage aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus zugespitzt hat, wollte Unternehmenssprecher Norman Lemm nicht beantworten. Auf HA-Anfrage sagte er: „Die Situation ist unverändert. Das wollen wir im Detail nicht ausführen, da das Geschehen sehr dynamisch ist und sowohl von den Maßnahmen der Politik als auch von den Reaktionen der Kunden abhängt.“ 

Bei dem ebenfalls global agierenden Spezialchemiekonzern Evonik ist hingegen nur der Catering-Service durch die veränderten Arbeitsbedingungen am Standort Hanau betroffen." nochmal ändert auf: Bei dem ebenfalls global agierenden Spezialchemiekonzern Evonik ist am hingegen nur der Catering-Service am Standort Hanau von Kurzarbeit betroffen. Da durch die verschärften Hygienemaßnahmen des Unternehmens deutlich weniger Mitarbeiter am Standort arbeiten, bieten die Betriebsrestaurants derzeit nur zwei Gerichte und eine Lunchtüte zum Mitnehmen an. Von den insgesamt 3500 Evonik-Mitarbeitern am Standort Hanau arbeitet derzeit nur noch rund die Hälfte vor Ort. „Rund die Hälfte der Mitarbeiter arbeiten jetzt aus dem Homeoffice (zum Beispiel aus den Verwaltungsbereichen), um die Gefahr einer Infektion zu minimieren“, erklärt Evonik-Sprecherin Silke Wodarczak.

An mehreren deutschen Standorten hat das Unternehmen Desinfektionsmittel produziert

Um sicherzustellen, dass die vor Ort arbeitenden Mitarbeiter genügend Abstand zueinander einhalten, wurde auch der Gastraum des Betriebsrestaurants geschlossen, sodass die Mitarbeiter ihre Mahlzeiten im Büro oder in Aufenthaltsräumen zu sich nehmen. Daher befinden sich derzeit 40 Restaurantmitarbeiter temporär in Kurzarbeit 50. Die Standortleitung lädt dort regelmäßig zu Steuerungskreisen zur Covid-19-Situation ein, teilt Wodarczak mit. „In diesen Meetings wird die aktuelle Lage besprochen und welche Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, um ein potenzielles Infektionsrisiko am Standort zu minimieren.“ An mehreren deutschen Standorten hat das Unternehmen Desinfektionsmittel produziert, wovon viele Tausend Liter an Einrichtungen des Gesundheitswesens gependet werden konnten. In Hanau wurden so die Feuerwehr und das DRK mit Desinfektionsmitteln von Evonik versorgt, ebenso wie die Apotheken in Rodenbach.

Für den Technologiekonzern Heraeus sei Kurzarbeit am Standort Hanau bislang kein Thema, berichtet Unternehmenssprecher Tore Prang: „So weit ich weiß, haben wir in Hanau bisher keine Kurzarbeit. Wir beobachten die Situation jeden Tag und haben hier in Hanau sehr früh zahlreiche Maßnahmen für Social Distancing und mobiles Arbeiten getroffen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema