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Auch die Laufwege der Prüflinge, die am Lichtenberg-Oberstufen-Gymnasium gestern ihr Englisch-Abitur schreiben durften, waren im Voraus genau geplant, entsprechend beschriftet und ausgewiesen.

Corona-Krise

Mit Pudelmütze in die Abiturklausur: Reifeprüfung für Schüler und Lehrer

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Am Donnerstag haben für rund 23 500 Abiturienten die Abschlussprüfungen in ganz Hessen begonnen. Auch in der Region kam vorübergehend wieder Leben in die seit Montag geschlossenen Schulen.

Erst am Mittwochabend hatte der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) mitgeteilt, dass das Abitur trotz der Coronavirus-Krise stattfinden soll. 

Am Eingang des Lichtenberg-Oberstufen-Gymnasiums (LOG) in Bruchköbel kontrollierte Schulleiter Ingo Wintermeyer frühmorgens am Donnerstag persönlich die ankommenden Schüler und fragte sie nach ihrem Gesundheitszustand, bevor sie ins Gebäude durften. Alles lief gut organisiert und ruhig ab. 

Der 18-jährige Abiturient Axel war aufgeregt. Aber eher wegen der Prüfung und nicht wegen der Corona-Situation. Am Donnerstag hatten die Englisch-Leistungs- und Grundkurse ihre Klausuren. „Wir hatten zum Glück viel Zeit zum Lernen“, sagte Axel zuversichtlich, bevor er die Tür zur Schule aufmachte, nicht ohne seine Hand mit dem Jackenärmel zu schützen. An der Hohen Landesschule in Hanau informierte der stellvertretende Schulleiter Helge Messner mit einem Youtube-Video die Abiturienten und Eltern bereits am Vortag über die Verhaltensweisen. Hier trafen sich die 60 Prüflinge morgens vor dem Schulgebäude, jeder hielt gebührenden Abstand zu den anderen, und die Schulleitung informierte über die Verhaltensregeln. 

Schüler haben sich sehr diszipliniert und konzentriert verhalten

Und auch an der Hola wurden Schüler einzeln befragt, ob sie gesund sind. So lautete eine der vielen Bedingungen des Hessischen Kultusministeriums zum Durchführen der Abiturprüfungen. Alle Schulleiter erleben die Schüler in dieser Situation außerordentlich diszipliniert und verantwortungsvoll. „Es ist sehr bemerkenswert, wie hier junge Leute Verantwortung übernehmen“, betont Messner. 

Auch Jürgen Scheuermann, Schulleiter der Karl-Rehbein-Schule (KRS) meinte: „Die Schülerinnen und Schüler haben sich sehr diszipliniert und konzentriert verhalten.“ Jederzeit sei der Sicherheitsabstand gewahrt worden. „Es gab keine Begrüßungsszenen wie sonst üblich, auch in den Gesprächen vor der Prüfung haben sie sich an die empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen gehalten.“ Der diesjährige große Abiturjahrgang mit 165 Prüflingen stelle die Karl-Rehbein-Schule vor große Herausforderungen. 

Am LOG mussten am Donnerstag 137 Schüler ihre Klausur schreiben. „Wir haben am Mittwoch zwölf Stunden organisiert, weil bis zum Schluss nicht feststand, ob die Klausuren überhaupt stattfinden“, erzählt Wintermeyer. Dabei seien es insbesondere die Schüler gewesen, die die Prüfungen nicht verschieben wollten, berichten Messner und Wintermeyer übereinstimmend. Die Abiturienten seien froh und erleichtert gewesen, dass das hessische Abitur nicht ausfalle. 

Klassenzimmer werden gut durchgelüftet

Einzelne Bedenken wegen möglicher Enge in den Klausurräumen konnte das LOG zerstreuen. So wurden die Schüler auf ein Dutzend Räume verteilt. „Wir haben sogar zwei Meter Abstand zwischen den Tischen, also mehr als die vom Ministerium geforderten 1,5 Meter“, so Wintermeyer. Außerdem werden alle Türen offen gelassen, damit niemand an Türgriffe fassen muss und eine Belüftung gegeben ist. Auch das ist eine Ministeriums-Vorgabe. Die Toiletten am LOG werden nach jeder Klausur besonders gereinigt, und die Schule stellt extra Portionen an Seife und Tüchern zur Verfügung. 

Der große Aula-Bereich am Lichtenberg Oberstufen Gymnasium Donnerstagmorgen kurz vor dem Start der Klausuren: die Abiturienten sitzen in gebührendem Sicherheitsabstand zueinander an den Tischen.

In der KRS wurde am Donnerstag in allen zehn Räumen, in denen die 90 Abiturienten saßen, vor und während der Klausuren desinfiziert, so Scheuermann. Im weitläufigen Aula-Bereich des LOG saßen um 8.30 Uhr schon die Prüflinge an ihren Tischen. Um 9 Uhr sollten die Klausuren beginnen. „Weil die Räume laut Ministerium gut durchlüftet sein sollen, habe ich die Abiturienten vorab gebeten, sich warm anzuziehen“, berichtet Wintermeyer. Und tatsächlich haben sich einige Mädchen Decken, Pudelmützen und Schals mitgebracht. Auch Süßigkeiten und viele Getränke sind auf den Tischen zu sehen.

AES-Schulleiter Claus Wörn: „Sie sind froh, dass sie jetzt endlich mit ihren Abiturprüfungen anfangen können.“

Weil in einem Raum maximal zehn Personen sitzen sollen, müssen am LOG 45 Lehrer Aufsicht führen. „Es ist ein ‧erhöhter Aufsichtsaufwand“, bestätigt Wintermeyer. An der KRS sei das große Kollegium ist in dieser Zeit von Vorteil, betont Schulleiter Scheuermann. So könnten die Präsenszeiten der einzelnen Kollegen verringert werden. „Insgesamt sind zirka 70 Kollegen über die zwei Wochen verteilt im Einsatz“, weiß er zu berichten. Zurück am LOG, wo die Englisch-Leistungskurs-Schüler fünf Stunden und die Grundkurs-Teilnehmer knapp 4,5 Stunden Zeit für ihre Aufgaben haben. Bis 2. April werden alle zwei Tage nun Abi-Klausuren geschrieben. Besonders viele Prüflinge werden am LOG, genauso wie an der KRS, im Fach Mathe am kommenden Mittwoch erscheinen. 

An der Maintaler Albert-Einstein-Schule (AES) erwartet Schulleiter Claus Wörn auch am letzten Prüfungstag, wenn Biologie ansteht, viele Schüler. Er hat 2003 in Singapur als Auslandslehrer die SARS-Epidemie miterlebt und bringt darum einiges an Erfahrung in diese Krisensituation mit. „Ich erlebe die Stimmung unter den Schülern als äußerst positiv“, berichtet Wörn. „Sie sind froh, dass sie jetzt endlich mit ihren Abiturprüfungen anfangen können.“ An der AES haben am Donnerstag 32 Schüler ihr Englisch-Abitur geschrieben. Schon auf dem Schulparkplatz wurden sie von der Schulleitung mit Infozetteln empfangen, die über die besonderen Verhaltensregeln informierten. Auch hier sei alles sehr geordnet und diszipliniert abgelaufen, so Schulleiter Wörn. Sein Schulleiter-Kollege Wintermeyer fasst zusammen: „Alle verhalten sich prima!“

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