Öffentliche Verkehrsmittel

So schwierig ist es wegen Corona ein Ticket für den Bus zu bekommen

  • vonReinhold Schlitt
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Auch zu Zeiten von Corona herrscht Ticketpflicht in Bus und Bahn. In Wiesbaden gibt es alternative Möglichkeiten für den Ticketkauf. 

  • Corona erschwert den Ticketkauf fürBus und Bahn
  • Auch zur Zeit von Corona herrscht Ticketpflicht
  • Es gibt alternative Modelle

Wie kommt man von Großkrotzenburg nach Hanau, wenn man kein Auto fährt? Am einfachsten mit dem Bus. Das gilt auch für Klara F. Ihren richtigen Namen nennen wir nicht. Frau F. ist krank und muss regelmäßig nach Hanau zum Facharzt. Mit ihren über 70 Jahren ist sie gleichwohl stolz darauf, ihre Wege trotz Gehbehinderung noch allein bewältigen zu können. Weil sie aber den Bus außer für ihre Arztbesuche kaum benötigt, kommt eine Wochen-, Monats- oder gar Jahreskarte für sie nicht infrage. Also braucht sie einen Einzelfahrschein oder eine Tageskarte. Und die gibt es auch beim Busfahrer. Normalerweise. 

Fahrer in Bussen sollen vor Corona geschützt werden

Weil sich aber auch die Busfahrer in Coronavirus-Zeiten vor einer Ansteckung schützen müssen, dürfen sie keine Fahrkarten verkaufen. Als Frau F. kürzlich wieder nach Hanau musste, hatte sie das nicht bedacht. Also konnte sie nicht, wie sonst üblich, vorne einsteigen und auch kein Ticket kaufen. Und ohne Fahrschein in den Bus? Das hat sie nie gemacht und wollte auch diesmal „nicht ohne“ fahren. Sie nahm sich ein Taxi – und das kostete sie hin und zurück 45 Euro. Auf den Kosten bleibt sie sitzen, weil ihre Krankenkasse die Fahrt zum Arzt nicht bezahlt. 

Auch zu Zeiten von Corona gelte eine Ticketpflicht in Bus und Bahn

Rüdiger Krenkel von derKreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig (KVG), dort wird der lokale öffentliche Nahverkehr organisiert, bedauert die Situation. Gegenüber dem HANAUER ANZEIGER sagte er: „Die Corona-Pandemie wirbelt viele Gewohnheiten im öffentlichen Nahverkehr durcheinander. Aber im vorliegenden Fall hätte Ihre Leserin keine Probleme bekommen, wenn sie ohne Fahrschein eingestiegen wäre. Hier liegen Umstände vor, die sie daran gehindert haben, sich einen Fahrschein zu kaufen.“ 

Übersetzt heißt dies: Auch in Coronavirus-Zeiten gilt selbstverständlich die Ticketpflicht. Gibt es an der Einstieg-Haltestelle keinen Automaten und in zumutbarer Entfernung keine Vorverkaufsstelle, und kann man sich auch keinen digitalen Fahrschein kaufen, dann darf man bis zu der Haltestelle mitfahren, an der man sich dann wieder einen Fahrschein holen kann. 

Vorratskauf von Tickets für Bus und Bahn ist auch zur Zeit von Corona beim RMV nicht möglich

Streifenkarten, wie es sie noch im Raum Mainz-Wiesbaden gibt, wären in Corona-Zeiten eine gute Lösung.

Die Zielhaltestelle der Frau F. war eine Facharztpraxis am Klinikum Hanau - einen Fahrscheinautomaten gibt es aber nur am Freiheitsplatz und am Marktplatz. Gehbehindert und mit Rollator wäre es ihr einfach nicht zuzumuten gewesen, sich dort einen Fahrschein zu besorgen. Und in Großkrotzenburg selbst gibt es keine Vorverkaufsstelle, sondern nur einen Fahrkartenautomaten am Bahnhof – eineinhalb Kilometer von ihrer Wohnung entfernt. Was tun? Fahrscheine auf Vorrat kaufen? 

Einzelfahrkarten oder auch Tageskarten gelten im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) immer nur an dem Tag, für die sie gekauft wurden, maximal vier Wochen im Voraus. Flexibilität sieht anders aus. Da dürfte sich manch einer nach den Streifenkarten inVor-RMV-Zeiten zurücksehnen. Die ermöglichten einen „echten“ Vorrat, konnten flexibel eingesetzt und selbst in Bus und Bahn entwertet werden. Das wäre vielleicht auch in der jetzigen Corona-Pandemie hilfreich. Aber Streifen- oder Mehrfahrten-Karten lassen sich nicht so einfach wieder einführen. Mit ihrer Abschaffung wurden schließlich auch die Entwerter in den Fahrzeugen abgeschafft. Einzig im Raum Mainz-Wiesbaden gibt es noch Streifenkarten und Entwerter. Ein Novum im RMV. 

Zur Zeit von Corona hat die Kontrolle der Fahrkarten in Bus und Bahn nun wieder begonnen

Christian Giesen vom Wiesbadener Stadtbus-Betrieb ESWE Verkehr bestätigte unserer Zeitung: „Wir haben die Entwerter nie abgeschafft.“ Die Situation hier könnte indes für so manchen Zeitgenossen auch als Einladung zum Schwarzfahren missverstanden werden, aber: „Vorsicht“, rät Rüdiger Krenkel von der KVG. „Der RMV hat zwischenzeitlich wieder mit seinen Fahrscheinkontrollen begonnen. Und wer bei einer solchen Kontrolle nicht hieb- und stichfest nachweisen kann, dass ein Ticketkauf vor Fahrtantritt für ihn unzumutbar war, der fährt dann ohne gültigen Fahrausweis und muss ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 60 Euro zahlen. Im Wiederholungsfall droht ihm oder ihr sogar eine Strafanzeige.“

Rubriklistenbild: © Reinhold Schlitt

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