Die Busflotte der Unternehmen Stroh und Heuser soll moderner werden. Zum Betriebsstart am Sonntag werden in Langenselbold zwei besondere Fahrzeugtypen eingesetzt: ein überlanger Gelenkbus "CapaCity" (22 Meter, fünf Türen) und ein Hybridbus (hier abgebildet). Vorwiegend werden wegen der langen Lieferzeiten jedoch noch einige Monate lang ältere Busse in Nidderau und im Linienbündel 6 fahren. Fotos: Jan-Otto Weber

Nidderau

Busverkehr: Heuser und Stroh zurück im Geschäft

Main-Kinzig-Kreis/Langenselbold/Nidderau. Montag, 21 Uhr. In der ARD begrüßt Moderator Frank Plasberg seine Gäste bei „Hart aber fair“. Es geht um den Brexit und die Bürokratie in Europa. Etwa die Auswüchse des Vergaberechts. Auch beim Busbetrieb im Main-Kinzig-Kreis.

Von Jan-Otto Weber

Als Beispiel wird in einem Einspieler der TV-Sendung das Gezerre um die Linienbündel 2 und 6 im Main-Kinzig-Kreis genannt. Nach der Aufnahme des Interimsbetriebs durch das Unternehmen BRH Viabus zum 24. Juni 2018 war es zu einer Serie von Pannen gekommen. Fahrgäste übten vor allem Kritik an den eingesetzten Fahrern wegen mangelnder Sprach- und Ortskenntnisse.

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, und die anderen Gäste der TV-Sendung sind sich schnell einig: Schuld ist in diesem Fall nicht das europäische Vergaberecht, sondern die Ausarbeitung der Ausschreibung: Sprach- und Ortskenntnisse hätte man als Voraussetzung aufnehmen müssen.

„Das haben wir ja“, verteidigt Kreisverkehrsdezernent Winfried Ottmann am Dienstag in der Klosterberghalle in Langenselbold das Vorgehen des Main-Kinzig-Kreises und betont, dass die vergangenen Monate nicht spurlos an Kreis und KVG vorübergegangen seien. „Ich wünsche keinem verantwortlichen Politiker, eine solche Vergabe treffen zu müssen – gegen die bewährten heimischen Betriebe. Die Modalitäten waren die gängigen, die Ergebnisse klar, ebenso die Überprüfung der Ergebnisse durch Dritte und somit die Vergaben aus unserer Sicht absolut rechtssicher. Das ändert am Verdruss über den Ausgang und alles Folgende überhaupt nichts“, macht Ottmann deutlich.

Der Main-Kinzig-Kreis und die KVG hätten in Abstimmung mit Vergaberechtlern ihrerseits in den letzten Monaten die Ausschreibungsformalia für Linienbündel überprüft und auch inhaltlich Veränderungen vorgenommen, wo es ging. Bis heute liege dem Kreis vonseiten der Vergabekammer beim Regierungspräsidium jedoch keine schriftliche Begründung über die Rechtmäßigkeit der Vergabe vor, an der man sich orientieren könnte. „Bis zuletzt hat die Vergabekammer Monat für Monat eine Entscheidung hinausgezögert. Am Ende war sie froh, dass sie kein Urteil fälen musste, weil sich der Fall durch den Rückzug von Viabus von selbst erledigt hat.“

Dass das Unternehmen aus Speyer ab Sonntag nicht mehr auf den Linienbündeln 2 und 6 fahre, sei dem gemeinsamen Druck durch die Öffentlichkeit und durch die KVG zu verdanken, die alle vertraglichen Möglichkeiten ausgenutzt habe, um aufgrund der Mängel Zahlungen zu kürzen. „Dadurch hat sich der Busbetrieb für Viabus als ursprünglich preiswertester Anbieter nicht mehr gerechnet“, ist Ottmann überzeugt.

Anfangs kann es noch zu Störungen kommen

Alle Beteiligten zeigen sich jedoch zuversichtlich, dass mit den alteingesessenen und ursprünglichen Vertragsnehmern Heuser aus Langenselbold (als Auftragnehmer der Bietergemeinschaft DeinBus und VBN Nagoldtal, siehe Infokasten) und Stroh aus Altenstadt ab Sonntag wieder ein zuverlässiger Linienverkehr auf die Straße gebracht wird. Wobei KVG-Geschäftsführerin Sonja Landschreiber um Verständnis dafür warb, dass es aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit von nur acht Wochen anfänglich zu Störungen kommen könne.

Aufgrund der langen Lieferzeit werden nicht alle vertraglich vereinbarten Fahrzeuge zum Betriebsstart zur Verfügung stehen. Eine Herausforderung sei auch die Personallage.

„Wir hatten extra ein Rekrutierungsbüro an der Schnurstraße in Hanau eingerichtet, um Fahrer anzuwerben“, berichtet DeinBus-Geschäftsführer Walter Schützenhofer. Er räumt ein, dass nicht jeder verfügbare Busfahrer gute Deutschkenntnisse vorweisen könne. Sie bekämen deshalb Sprachkurse sowie Schulungen zu Tarif- und Beförderungsbestimmungen. Zudem würden sie so lange auf den Fahrtstrecken geschult, bis sie „betriebssicher“ seien.

Fahrer mit Ortskenntnissen

Auch Stroh-Prokurist Rolf Heuser berichtet, dass sein Unternehmen neue Fahrer eingestellt habe. Wie Heuser in Langenselbold könne man jedoch auch auf bisherige Fahrer mit Ortskenntnissen zurückgreifen. Hinzu kommt, dass das Nidderauer Unternehmen Schäfer-Reisen für Heuser eine der drei Linien im Nidderauer Stadtbusverkehr übernimmt. „Sofern uns keine Grippe-Welle erwischt, bin ich sicher, dass wir ab Sonntag einen ordentlichen Busverkehr auf die Straße bekommen.“

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