Ein Fahrzeug von Viabus mit Fahrtziel Bahnhof Langenselbold hält am Freiheitsplatz in Hanau. Ein Teil des Linienbündels Langenselbold/Gelnhausen wird künftig wieder vom Unternehmen Hesuer aus der Gründaustadt bedient. Archivfoto: Diegel

Region Hanau

Busverkehr: So geht es nach dem Rückzug von Viabus weiter

Region Hanau. Mit dem Rückzug des Unternehmens Viabus hat sich das Verfahren zur Vergabe der Linienbündel im Main-Kinzig-Kreis erledigt. Der Jubel bei den regionalen Unternehmen Heuser und Stroh ist jedoch nicht ungetrübt. Denn die Zeit ist knapp, um am 3. Februar genügend Fahrzeuge und Personal bereitzustellen.

Von Jan-Otto Weber

Langenselbolds Bürgermeister Jörg Muth (CDU) macht aus seiner Freude über die jüngste Entwicklung keinen Hehl. „Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann hat bereits am Dienstag im Rahmen der Bürgermeister-Kreisversammlung berichtet, dass Viabus verzichtet und es zu einer Neuvergabe kommt. Mich freut es insbesondere für die Familie Heuser/Bahr, dass dieses Selbolder Traditionsunternehmen nun wieder im Spiel ist. Das ist eine sehr gute Nachricht.“

Das Selbolder Stadtoberhaupt erinnerte in diesem Zusammenhang an die zahlreichen Beschwerden von Fahrgästen über die Qualität der Busbeförderung, die sich seit der interimsmäßigen Übernahme durch Viabus gehäuft hätten. Laut Muth sei es nun die einzig richtige Entscheidung von Viabus gewesen, das Angebot zurückzuziehen.

Kreis stand in der Kritik

Heuser-Geschäftsführerin Inge Bahr ist einfach nur erleichtert. Vor allem ist sie dankbar für den Zuspruch aus der Bevölkerung, der die Familie über diese schweren Monate hinweg getragen habe. Denn das Unternehmen musste wegen des Verlusts seiner früheren Linien zwischenzeitlich einen Großteil seines Personals entlassen. „Wissen Sie, es ist nicht einfach, Leuten zu kündigen, die seit 20 Jahren in der Firma waren“, sagt sie am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung. „Da ist die ein oder andere Träne geflossen. Dass sich unsere Kunden derart für uns einsetzen, hätten wir nicht erwartet. Das war überwältigend. Das gibt einem das Gefühl, dass man doch nicht alles falsch gemacht hat.“

Landrat Thorsten Stolz (SPD) war wegen der Vergabe der ausgeschriebenen Linienbündel an Viabus stark in Kritik geraten. Der Vorwurf: Der Kreis entscheide nur nach dem günstigsten Preis, zumal Viabus schon andernorts wegen vermeintlicher Dumpingangebote in die Schlagzeilen geraten war. Die zunächst unterlegenen Busunternehmen Heuser und Stroh hatten deshalb Einspruch gegen die Vergabe eingelegt.

Verkehrsdezernent Winfried Ottmann (CDU) versuchte am Mittwoch noch einmal, diese Vorwürfe zu entkräften. „Für den Main-Kinzig-Kreis und die Kreisverkehrsgesellschaft sind Neutralität, Gleichbehandlung und die Vorgaben aus dem Vergaberecht bindend“, so Ottmann. „Hier gelten klare Richtlinien, die für einen einwandfreien Verlauf der Auftragsvergabe anzuwenden sind. Dabei spiele die Wirtschaftlichkeit des Angebotes neben der Qualität und Sicherheit eine vorrangige Rolle.“

Wie in der Vergangenheit, habe die Kreisverkehrsgesellschaft für die beiden aktuellen Vergabeverfahren zu den Stadtbuslinien Nidderau sowie die Verbindungen im Raum Langenselbold/Gelnhausen ein Fachbüro hinzugezogen. Zudem sei der Prozess durch Juristen mit Blick auf das europäische Vergaberecht begleitet worden.

Lage in Langenselbold angespannt

Kurz nach der Entscheidung im Dezember 2017 hätten dann die unterlegenen Bieter von ihrem Recht Gebrauch gemacht, die Vergabekammer in Darmstadt für eine Nachprüfung einzuschalten. Dieses Verfahren zog sich nun über fast zwölf Monate hin, sodass ab dem 24. Juni auf den betroffenen Buslinien der Verkehr über eine sogenannte Notvergabe geregelt werden musste. Diese Ausschreibung hatte die BRH Viabus GmbH gewonnen.

„Bei der Interimsvergabe war für die Entscheidung der Gesellschafterversammlung – wie für solche Übergangsphasen üblich – die Wirtschaftlichkeit maßgebend“, erklärt Ottmann. „Ab sofort kann nun aber langfristig geplant werden. Die Kreisverkehrsgesellschaft wird über die weitere Entwicklung in den kommenden Monaten informieren.“

Wechsel zum 3. Februar

Doch von langfristig kann bei den Planungen für den Betreiberwechsel, der am 3. Februar erfolgen soll, nicht die Rede sein. Besonders angespannt ist die Lage bei Heuser in Langenselbold. Die Fahrer, die das Unternehmen erst vor wenigen Monaten entlassen musste, haben mittlerweile neue Anstellungen gefunden. Und auch der reduzierte Fuhrpark muss wieder erweitert werden. „Wir brauchen mindestens sieben neue Busse und bis zu 14 zusätzliche Fahrer“, erklärt Geschäftsführerin Bahr. „Aber der Arbeitsmarkt ist leergefegt.“

Kooperationspartner DeinBus setzt dabei auch auf Fahrer, die bisher für Viabus tätig waren. Geschäftsführer Walter Schützenhofer ist bewusst, dass die Kritik der Fahrgäste sich vor allem auf die mangelnden Sprach- und Ortskenntnisse des Personals bezogen hatte. „Unsere Aufgabe ist es, diese Leute zu qualifizieren“, so Schützenhofer. „Ab kommender Woche sind wir auf den Strecken drauf, um uns mit dem Gebiet vertraut zu machen.“

"Hauptsache, dass die Busse zuverlässig fahren"

Über die Ortskenntnisse seiner Fahrer macht sich Stroh-Prokurist Rolf Heuser keine Gedanken. Das Unternehmen aus dem benachbarten Altenstadt war bereits vor der Ausschreibung für den Stadtbusverkehr in Nidderau zuständig. Doch auch er braucht für die nun drei Stadtbuslinien sechs zusätzliche Fahrer. „Wir haben uns zwar riesig gefreut, aber stehen nun auch vor einer riesigen Herausforderung“, schildert Heuser.

Zum Problem könnten vor allem die Fahrzeuge werden. Zwar hat das Unternehmen noch Kapazitäten im Fuhrpark. Allerdings verfügt es nicht über die derzeit von Viabus eingesetzten Midi-Busse, die sehr wendig und für die Touren durch die Nidderauer Wohngebiete besonders geeignet sind. „Mercedes oder Solaris sind ausgebucht. Neue Busse bekommen wir frühestens im Spätherbst 2019. Aber wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung.“

Vor diesem Hintergrund sieht Nidderaus Verkehrsdezernent Rainer Vogel (Grüne) den Rückzug von Viabus eher nüchtern. „Wir begrüßen grundsätzlich, dass wir jetzt wieder ein regional ansässiges Unternehmen bekommen. Hauptsache ist aber, dass die Busse zuverlässig fahren.“ Der Betrieb mit Viabus habe sich nach den massiven Problemen in der Anfangsphase mittlerweile „eingeschliffen“. „Bei der Schülerbeförderung hakt es noch, aber der Stadtbusverkehr läuft gut.“ Dass sich mit den fehlenden Midi-Bussen ab Februar eventuell neue Probleme ergeben könnten, sorgt bei dem Ersten Stadtrat für Skepsis. „Aber das müssen dann der Kreis und die KVG regeln“, meint Vogel.

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