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Eisdielen dürfen einen Lieferservice anbieten: Schwer vorstellbar finden das einige Bürgermeister wie Erlensees Verwaltungschef Stefan Erb.

SARS-COV-2-PANDEMIE

Corona-Krise: Bürgermeister in der Region hoffen auf präzise Regelungen vom Land

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Nachdem Bund und Länder am Mittwoch ihre Pläne zum weiteren Vorgehen im Kampf gegen das Coronavirus bekanntgegeben haben, warten die kommunalen Entscheidungsträger im Main-Kinzig-Kreis nun auf die näheren Ausführungsbestimmungen.

„Ich gehe davon aus, dass wir sie noch vor dem Wochenende bekommen, damit wir am Samstag und Sonntag die Vorbereitungen treffen können, ehe die neuen Regelungen am Montag in Kraft treten“, sagte beispielsweise Erlensees Bürgermeister Stefan Erb (SPD) auf Anfrage unserer Zeitung.

Noch seien viele Fragen ungeklärt, die mit der Lockerung der Schutzmaßnahmen und einer teilweisen Wiedereröffnung von Einzelhandelsgeschäften und Eisdielen verbunden seien, so Erb: „Wir wissen beispielsweise noch nicht, ob die Geschäfte Desinfektionsspender aufstellen müssen, welche besonderen Maßnahmen ergriffen werden sollen, damit es vor der Eisdiele nicht zu einer Ansammlung von Menschen kommt und so weiter“, sagte Erb.

Bestimmungen können auch individuell verschärft werden

Generell gelte, dass die Bestimmungen des Landes eingehalten werden müssten, je nach besonderer Lage in den Kommunen jedoch auch noch verschärft werden könnten. Fragen der Umsetzung beschäftigen auch Gelnhausens Bürgermeister Daniel Glöckner (FDP): „Laut den aktuellen Verordnungen dürften wir auch unsere Stadtbibliothek am Montag öffnen. Aber wir müssen erst einmal dafür sorgen, dass dort die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können.“

Die Bürger seien generell sehr interessiert, aber die Informationen spärlich. „Wir hatten alleine heute rund 40 E-Mails mit der Frage, ob das Freibad im Mai geöffnet werden kann. Das können wir bislang nicht sagen, wir hängen in der Luft“, beschreibt Glöckner das Dilemma.

Landrat Stolz: "Maßnahmen mit Augenmaß"

Derweil begrüßte Landrat Thorsten Stolz (SPD) generell die Entscheidungen und Abstimmungen zwischen Bund und Ländern. Die Fortsetzung der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie seien richtig und mit Augenmaß getroffen worden, lautete die Einschätzung von Stolz, die aus dem Landratsamt per Pressemitteilung verschickt wurde.

„Vor allem wird deutlich, dass der eingeschlagene Weg natürlich eine Gratwanderung ist zwischen der Eindämmung der Pandemie einerseits und ersten Lockerungen andererseits, um schrittweise in das öffentliche und wirtschaftliche Leben zurückzukehren“, macht Landrat Stolz deutlich.

Notbetreuung soll erweitert werden

Der Landrat erwartet weitere Informationen dazu in den nächsten Tagen. „Hier möchte ich die Bürgerinnen und Bürger noch um etwas Geduld bitten. Während die Schulen schrittweise wieder geöffnet werden sollen, bleiben die Kindertagesstätten weiterhin geschlossen, aber die Notbetreuung soll noch einmal um weitere Personen- und Berufsgruppen erweitert werden“, erklärt der Landrat.

Geschäfte mit einer Fläche von maximal 800 Quadratmetern dürfen ab Montag unter Auflagen wieder öffnen, das gelte unabhängig von der Größe auch für Kfz-Händler, Fahrradläden und Buchhandlungen. „Großveranstaltungen und Events bleiben jedoch bis mindestens 31. August verboten, das gilt auch für Fußballspiele“, kündigt Landrat Stolz an.

Empfehlung zum Tragen von Schutzmasken

Wer einkaufen geht oder den öffentlichen Nahverkehr nutzen will, für den gelte ab sofort eine Schutzmasken-Empfehlung. „Eine Pflicht gibt es allerdings hierzu in Hessen ausdrücklich nicht. Hier haben sich Bund und die 16 Bundesländer darauf geeinigt, dass es bei der Empfehlung bleibt“, erläutert Thorsten Stolz. Eine Ausnahme bildet Hanau.

Restaurants und Gaststätten bleiben weiterhin geschlossen, Eisdielen hingegen dürfen jetzt einen Lieferservice wie Gastronomiebetriebe anbieten. Friseure sollen ab 4. Mai unter Auflagen öffnen dürfen und Kirchen und Gotteshäuser bleiben geschlossen.

Viele offene Fragen auch bei Friseuren

Auch bei den Friseuren gibt es nach Ansicht des Obermeisters der Friseurinnung in Hanau, Michael Dörr, großen Regulierungsbedarf. „Vor allem was die Hygienemaßnahmen anbelangt“, sagte Dörr unserer Zeitung. Stolz räumte ein: „Natürlich gibt es noch ganz viele offene Fragen, da das Land die Ankündigungen und Botschaften des Ministerpräsidenten erst noch einmal in Verordnungen packen und rechtssicher auf den Weg bringen muss. Aber der Rahmen, in dem wir uns bewegen, ist deutlich geworden. Ich hoffe jetzt, dass uns die neuen und ergänzten Verordnungen zeitnah erreichen, damit wir im Main-Kinzig-Kreis in Abstimmung mit unseren 29 Städten und Gemeinden die notwendigen Vorbereitungen zügig treffen und unsere Bürgerschaft auch noch einmal konkreter informieren können“, so Stolz.

Ungerechtigkeiten sind nicht zu vermeiden

Ihm sei durchaus bewusst, dass es bei all den Regelungen niemals eine hundertprozentige Gerechtigkeit geben könne. Es werde immer einzelne Gruppen geben, die sich benachteiligt fühlen. „Das ist zwar nachvollziehbar, lässt sich unter diesen schwierigen Umständen jedoch nicht vermeiden“, stellt Thorsten Stolz fest, und erklärt, warum: „Unser Ziel ist es nach wie vor, die Corona-Pandemie einzudämmen und eine sehr schnelle Steigerung der Fallzahlen zu verhindern. Nur so kann es uns im Main-Kinzig-Kreis gelingen, die ambulante und stationäre medizinische Versorgung weiterhin aufrechtzuerhalten.“

Kreisweit würden nach wie vor steigende Fallzahlen gemeldet. „Fast jeden Tag haben wir Tote unter den Corona-Infizierten“, verdeutlicht der Landrat und fügt hinzu: „Die Corona-Pandemie ist noch längst nicht überwunden.“ Die von Bund und Ländern getroffenen Entscheidungen unterstreichen aus Sicht des Landrats eines sehr deutlich: „Es darf sinnvollerweise kein Hochfahren von null auf 100 geben. Es kommt weiterhin auf Geduld, Verständnis, Disziplin und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft an“, wirbt der Landrat um Verständnis.

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