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Die Mitglieder der Rathaus-WG: Dominik Brasch (von oben links), Carsten Ulrich, Roland Weiß, Sylvia Braun, Fabian Fehl, Matthias Pfeifer und Monika Böttcher. Heute soll Klaus Schejna aus Rodenbach noch hinzukommen.

Jeden Samstag ab 13 Uhr

Rathaus-WG: Bürgermeister diskutieren live per Videokonferenz auf Facebook

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Sie sitzen bei Kaffee und Tee beieinander und sind dennoch getrennt. In der sogenannten Rathaus-WG analysieren Bürgermeister im Main-Kinzig-Kreis die aktuelle Krisensituation – auch am Samstag wieder ab 13 Uhr auf Facebook.

Mehr als in normalen Zeiten gilt es während der Corona-Pandemie Entscheidungen, die auf höherer politischer Ebene getroffen werden, umzusetzen oder aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse auch zu verschärfen. Bisher haben sich die 29 Verwaltungschefs im Kreisgebiet vor allem im Rahmen einer Telefonkonferenz ausgetauscht, an der alle Amtsträger sowie Landrat Thorsten Stolz regelmäßig teilnehmen.

Aus den Diskussionsrunden sind der Öffentlichkeit jedoch nur die Ergebnisse in Form von Verhaltensvorschriften im öffentlichen Raum bekannt. In dem neuen Format kann der Bürger dabei zuschauen, wie die Bürgermeister diskutieren. Mehr noch: Sie können sich sogar in die Diskussion einschalten, in dem sie Fragen stellen.

Immer mehr "Bewohner" der Rathaus-Weg 

Die Rathaus-WG, die von Dominik Brasch, dem Bürgermeister der Kurstadt Bad Soden-Salmünster, initiiert worden ist, läuft über Facebook. Die Bürgermeister sind per Videokonferenz zugeschaltet und können sich somit bei der Diskussion auch in Augenschein nehmen. Erstmals fand die Rathaus-WG in ganz kleinem Rahmen statt. Brasch diskutierte zunächst mit seinen Amtskollegen Carsten Ulrich (Sinntal), Fabian Fehl (Birstein) und Matthias Pfeifer (Hasselroth).

Bei der zweiten Ausgabe am vergangenen Samstag gesellte sich Roland Weiß (Bad Orb) hinzu: Und die WG bekam erstmals Damenbesuch mit Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher und Bruchköbels neuer Verwaltungschefin Sylvia Braun.

Diskutiert wird nur über Probleme der Corona-Krise

In der Diskussion geht es nicht um Parteipolitik, sondern ausnahmslos um Probleme und praktische Lösungen in der Krise. „In der großen Bürgermeisterrunde per Telefon ist es bei der großen Zahl von Teilnehmern manchmal schwierig zu diskutieren. Auch ist es wichtig, sich zu sehen“, findet Sylvia Braun, die nach ihrer ersten Teilnahme eine überaus positive Bilanz zog. Und Monika Böttcher hob die Bürgernähe des Formats hervor. Man könne die Menschen direkt ansprechen und sprechen lassen. Die Rathaus-WG ist keine Erfindung aus dem Main-Kinzig-Kreis.

Dominik Brasch hat sie aus dem Nachbarkreis Hersfeld-Rotenburg importiert, wo sich die Verwaltungschefs schon ein paar Wochen länger virtuell treffen. Der Zeitpunkt, immer samstags um 13 Uhr, ist eher zufällig entstanden, berichtet Sylvia Braun schmunzelnd. Es sei die Zeit, wenn der kleine Sohn von Dominik Brasch seinen wohl verdienten Mittagsschlaf halte.

Samstags mehr Ruhe für vernünftige Diskussion

Aber der Zeitpunkt hat auch andere Vorteile. So können sich die Bürgermeister aus dem derzeit stressigen Tagesgeschäft an einem Samstag eher mal zurückziehen und haben mehr Ruhe für die Diskussion. Auch die Bürger finden an einem Samstag Zeit, sich das einstündige und von Dominik Brasch sehr souverän moderierte Programm anzusehen.

Am vergangenen Samstag ging es um die Maskenpflicht, die Probleme der Vereine, die nicht wissen, ob und wann sie wieder Veranstaltungen ausrichten dürfen. Es ging um die Öffnung von Wertstoffhöfen – um Probleme eben, die derzeit alle Kommunen gleichermaßen betreffen. „Keiner von uns lebt auf einer Insel“, bringt es Bad Orbs Bürgermeister Roland Weiß auf den Punkt.

Bürger können sich beteiligen

Die WG könnte noch wachsen, soll aber überschaubar bleiben, damit auch eine Diskussion zustande kommen kann. Auch am Samstag trifft sich die Rathaus-WG wieder virtuell. Dabei sein werden neben den genannten Bürgermeistern auch Landrat Thorsten Stolz sowie Rodenbachs Bürgermeister Klaus Schejna.

Und so kann man die Rathaus-WG verfolgen und auch Fragen stellen: Einfach um 13 Uhr auf eine der Facebookseiten der genannten Bürgermeister gehen. Dort kann man sich per Klick einwählen in die Diskussion.

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