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Motivierte Retter in der Not: Technisches Hilfswerk startet neue Grundausbildung

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Helfer in höchster Not: Die Teams des Technischen Hilfswerks aus dem Main-Kinzig-Kreis haben nach der Flutkatastrophe im Ahrtal geholfen, die Infrastruktur wiederherzustellen.
Helfer in höchster Not: Die Teams des Technischen Hilfswerks aus dem Main-Kinzig-Kreis haben nach der Flutkatastrophe im Ahrtal geholfen, die Infrastruktur wiederherzustellen. © THW/PM

Das Technische Hilfswerk im Main-Kinzig-Kreis bildet neue Helfer aus. Ehrenamtliche, die bei den anspruchsvollen Einsätzen dabei sein wollen, können sich melden.

Main-Kinzig-Kreis - Sie schlagen mitten im Chaos Brücken über Flüsse, errichten Notunterkünfte, sichern die Stromversorgung und kümmern sich um die Logistik bei der Impfdatenerfassung. Sie sorgen dafür, dass die Trinkwasserversorgung in Hochwassergebieten wieder hergestellt wird und schaffen die notwendige Infrastruktur für die Unterbringung von Geflüchteten.

Die „blauen Engel“, wie die Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) auch genannt werden, sind vor allem für den Katastrophenschutz zuständig – helfen aber auch im Ausland. Fast alle Helfer sind ehrenamtlich im Einsatz. Jetzt beginnt ein neuer Grundausbildungskurs.

„Bei uns darf generell jeder mitmachen“, sagt Sascha Fischer von der koordinierenden THW-Regionalstelle in Gelnhausen. Fischer ist im Sachgebiet „Ehrenamt und Ausbildung“ tätig und seit fünf Jahren dabei. Gemeinsam mit seinem Kollegen Maximilian Lux kümmert er sich um die Ausbildung in den zehn angegliederten Ortsverbänden im Main-Kinzig-Kreis, dem Vogelsbergkreis und dem Landkreis Fulda.

17 Jahre alt müssen die Interessenten sein, die an der Grundausbildung teilnehmen und dann in den „aktiven Dienst“ übernommen werden, weitere Bedingungen gibt es nicht. Was es dafür gibt: Eine kostenlose Ausbildung in „vielen Bereichen, die auch privat hilfreich sind“. Wie geht man mit einer Kettensäge oder einem Trennschleifer um, wie bedient man eine Hochleistungspumpe, wie bearbeitet man Metall oder Holz? Auch Erste Hilfe steht auf dem Lehrplan.

„Dass man anderen helfen kann, davon hat man auch selbst etwas“: Sascha Fischer (links) und Maximilian Lux sind beim THW aktiv.
„Dass man anderen helfen kann, davon hat man auch selbst etwas“: Sascha Fischer (links) und Maximilian Lux sind beim THW aktiv. © Andrea Euler

Für Jüngere gibt es ebenfalls Angebote, bereits ab sechs Jahren kann ein Kind beim THW mitmischen. „Je jünger die Teilnehmer, desto höher ist der weibliche Anteil“, hat Lux beobachtet. „Vielleicht gibt es bei den Jüngeren weniger Berührungsängste.“

Solche sind nämlich nicht nötig: Das Spektrum der Hilfseinsätze reicht vom Retten aus Höhen und Tiefe über Beleuchtung, das Retten aus verschütteten Bereichen, Pump-Arbeiten und Arbeiten in und auf dem Wasser bis hin zur Notstromversorgung. Interesse an Technik ist hilfreich, aber keine Voraussetzung „Bei mir selbst war es so: Ich bin wegen der Technik gekommen, der Kameradschaft wegen geblieben“, so Lux. „Dass man anderen helfen kann, davon hat man auch selbst etwas“, sagt der 31-Jährige, der seit sechs Jahren hauptamtlich dem THW angehört. Wie sein Kollege ist er aber auch noch ehrenamtlich bei „der Truppe“, die auch im Verwaltungsbereich, in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Küche immer Unterstützung in Anspruch nimmt. Die einzelnen Ortsverbände haben im Durchschnitt zwischen 30 und 50 Aktive, die sich ein- bis zweimal in der Woche treffen, ihr Wissen auf dem aktuellen Stand halten und sich weiterbilden. „Natürlich hoffen sie, dass ihr Wissen auch zum Einsatz kommt und sie das Erlernte dann auch wirklich einsetzen können“, betont Fischer. Viele Aktive belassen es nicht bei der Grundausbildung, sondern ergänzen ihr Wissen um Fortbildungen. Beispielsweise in den Bereichen räumen, bergen, Beleuchtung oder Wasserschaden.

Diese Spezialkenntnisse werden gebraucht, wissen die beiden Fachleute: Pro Ortsverband „sind es maximal zehn Einsätze im Jahr“, sagt Fischer. Manche davon sind zeitintensiv und fordern einiges an Risikobewusstsein, wie etwa der Einsatz im vergangenen Sommer nach der Flutkatastrophe im Ahrtal.

„Da haben wir Wege geschaffen, Straßen geräumt, die Trinkwasserversorgung sichergestellt und geholfen, eine Brücke zu bauen“, zählt Fischer auf. Etwa 150 Leute aus dem Gelnhäuser Regionalbereich waren vor Ort aktiv. Auch die Pandemie hat für Einsätze gesorgt: Die THW-Helfer haben Desinfektionsmittel zu den Impfstationen gebracht und diese logistisch unterstützt. Um Infrastruktur für die Unterbringungen ging es in Fulda und Frankfurt, als es galt, kurzfristig viele Geflüchtete unterzubringen.

Seit der Abschaffung der Wehrpflicht ist die Zahl der Aktiven im THW gesunken. „Die Aktiven sind zwar zahlenmäßig weniger, dafür sind die, die heute dabei sind, ganz anders motiviert“, so Lux. Motivation, die sich lohnt, die aber eben auch erforderlich ist: Die Grundausbildung dauert rund sechs Monate, jeden zweiten Samstag gibt es zwischen 8 und 18 Uhr in zehn Lernabschnitten Theorie und Praxis. „Unsere Kurse finden nach aktueller Planung alle real und nicht digital statt“, sagt Fischer. (Von Andrea Euler)

Das THW Gelnhausen ist erreichbar unter 06051 914440 und im Internet thw.de

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