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Main-Kinzig-Kreis

Bewährungsstrafe nach Einbruchserie

Main-Kinzig-Kreis - Eine Einbruchserie aus dem Sommer 2017 im Main-Kinzig-Kreis ist aufgeklärt. Ein 35-jähriger Mann aus dem Altkreis Gelnhausen hat vor Gericht insgesamt 14 Taten eingeräumt, unter anderem war er in Vereinsheime und Gaststätten in Gelnhausen, Freigericht und Hasselroth eingestiegen.

Von Andreas Ziegert

Gestanden hat er auch zwei Diebstähle aus Opferstöcken in Kirchen sowie zweifachen EC-Karten-Betrug. Das Schöffengericht im Amtsgericht Gelnhausen verurteilte den in Hanau geborenen Angeklagten zu einer 22-monatigen Bewährungsstrafe.

Schlüssel geklaut um wieder zuzuschlagen

Seine Einbruchserie begann am 30. Mai in Linsengericht, dort bracht er in das Kreisjägerheim ein, ging dabei aber leer aus. Gleich zweimal suchte er die Gaststätte „Zum Deutschen Haus“ im Hasselrother Ortsteil Neuenhaßlau auf: Am 30. Juni verschaffte er sich über ein Küchenfenster Zugang zu den Innenräumen und erbeutete eine Geldbörse mit den Tageseinnahmen in Höhe von 1.500 Euro. Am 21. August kehrte er dorthin zurück, kletterte diesmal ein Fallrohr bis zu einem Fenster hoch, schlug ein Fenster ein und verschwand diesmal mit 150 Euro. In der Nacht zum 19. Juli drang er in die nah beieinander liegenden Vereinsheime von Gesangverein und Tennisclub im Gelnhäuser Stadtteil Meerholz ein. Bei den Sängern ließ er 300 Euro, 30 Schlüssel sowie jeweils eine Flasche Limonade und Wein mitgehen, beim Tennisverein erbeutete er zwei Schlüssel und brach einen Chipautomaten auf. Die Schlüssel nahm er mit, um eventuell noch einmal dort zuschlagen zu können, erklärte er vor Gericht.

Noch in der gleichen Nacht startete er nur wenige Kilometer weiter in Niedermittlau seinen nächsten „Bruch“: Zunächst brach er in die Gaststätte „Zur Grünen Au“ ein, klaute unter anderem acht Flaschen Haselnussschnaps, anschließend stieg er auch in die angrenzenden Pension ein und machte dort mit 1739 Euro seine größte Beute. Gescheitert ist er an einem Weinlokal in der Burgstraße in Gelnhausen, dort wurde er am 9. Juli 2017 von der Polizei gestört, die auch Einbruchswerkzeug bei ihm fand.

Aufbruchversuch mit Deko-Messer

Sein letzter Einbruch führte ihn auf das Golfplatzgelände „Hof Trages“ in Freigericht: Hier brach er in den frühen Morgenstunden des 7. August in das Verwaltungsgebäude ein, klaute einen Geldbeutel mit 400 Euro und holte aus einem Ballmünzautomaten weitere 40 Euro. Am gleichen Tag dann seine kurioseste Tat: Kurz vor 22 Uhr betrat den Eingangsbereich des Kinos in Gelnhausen, nutzte die kurze Abwesenheit der Kassiererin aus und wollte mit einem Deko-Messer eine Schublade aufbrechen. Als ihn die Kassiererin überraschte, reichte er ihr das Messer mit dem Schaft voraus und flüchtete mit 87 Euro Bargeld. „Ich wollte nie jemanden verletzen“, erklärte er sein durchaus ungewöhnliches Verhalten.

Aus den Opferstöcken in der Marienkirche in Gelnhausen und der Kirche St. Josef in Niedermittlau raubte er im Sommer 2017 insgesamt circa 330 Euro, zudem fand er auf dem Parkplatz vor einer Kirche in Langenselbold am 7. Juni 2017 eine Geldbörse und entnahm daraus circa 30 Euro sowie eine EC-Karte samt Geheimnummer. Damit hob er noch am gleichen Tag an den Geldautomaten von zwei Banken in Langenselbold jeweils 1.000 Euro ab.

Drogenkarriere und Schuldenberg

Vor Gericht legte der 35-Jährige nicht nur ein Geständnis ab, sondern schilderte auch seine Lebensgeschichte, die ihn letztlich vor dem Gefängnis bewahrte. Nach erfolgreicher Drogentherapie im Jahr 2011 habe er sieben Jahre lang „clean“ gelebt, bis ihn Ende 2016 seine Freundin verlassen habe. Anschließend habe er auch Job und Wohnung verloren und zeitweise auf der Straße gelebt. Seine damalige Tagesration: zwei Gramm Kokain, drei bis vier Gramm und Marihuana und eine Flasche Schnaps. Das hätte für den zuckerkranken Angeklagten beinahe tödlich geendet: Am 16. November 2017 wurde er auf die Intensivstation des Klinikums Hanau eingeliefert, musste nach einem Herzstillstand reanimiert werden und lag vier Tage lang im künstlichen Koma. „Danach habe ich beschlossen, mein Leben zu ändern“, habe ihn danach sein Vater in Friedberg aufgenommen, er habe weder Drogen genommen, noch sei er wieder straffällig geworden. Allerdings schleppt er laut eigenen Angaben noch circa 28.000 Euro Schulden mit sich herum.

Da sein langes Vorstrafenregister tatsächlich im November 2017 endete, folgte das Gericht der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, dass es sich bei dem 35-Jährigen nicht um einen Profi-Einbrecher handelt, sondern er von seiner Sucht getrieben war und daher eine verminderte Schuldfähigkeit zum Tragen komme. Dass er weiterhin drogenfrei lebt, muss er jetzt allerdings ein Jahr alle drei Monate mit einem Urintest nachweisen. Außerdem wird er der Bewährungshilfe unterstellt, die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Das Urteil ist rechtskräftig.

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