Der Blick auf die unansehnliche Brache in Wilhelmshaven auf den "Ehrenwortplatz" soll bald durch einen Holzzaun versperrt werden. Auf dieser Fläche soll, ähnlich wie in Gelnhausen, ein Outlet-Center entstehen. Foto: Gabriel-Jürgens

Gelnhausen/Wilhelmshaven

Barbarossa City Outlet: Investor Leuze bekannt für Verzögerungen

Gelnhausen/Wilhelmshaven. Mit dem Ärger über den drohenden Flop beim „Barbarossa City Outlet“ scheint Gelnhausens Bürgermeister Daniel Glöckner (FDP) nicht alleine zu sein. An der Nordseeküste treibt Investor Jan Dieter Leuze offenbar ein ähnliches Spiel mit den Verantwortlichen – dort hatte er sogar sein Ehrenwort gegeben.

Von Thorsten Becker

Für den Investor Jan Dieter Leuze scheinen große Ankündigungen am Anfang und eine nachfolgende Hinhaltetaktik ohne konkrete Ergebnisse kein Novum zu sein. Eigentlich hätte Leuze, Geschäftsführer der „Barbarossa City Outlet GmbH undamp; Co. KG“ mit Sitz in Konstanz dem Gelnhäuser Magistrat bis zum 4. Februar unterschriebene Mietverträge für mindestens 50 Prozent der geplanten Ladenfläche (rund 10 000 Quadratmeter Nettoverkaufsfläche) im ehemaligen Kaufhaus Joh vorlegen sollen. Erst in diesem Fall würde der Verkauf des Areals über die Bühne gehen (wir berichteten).

Leuze hatte diese Frist jedoch verstreichen lassen und damit sowohl Bürgermeister Glöckner als auch die Stadtverordnetenversammlung brüskiert. Das Parlament hatte im vergangenen Mai zähneknirschend der Bitte des Investors entsprochen und die Frist zur Vorlage der Dokumente um sechs Monate verlängert – bis zum 4. Februar.

Wie geht es weiter?Der Grund: Die Mietakquise sei schwieriger als zunächst geplant. Damals hatte Leuzes Unternehmen jedoch beteuert, die 50-Prozent-Marke zu schaffen. Offenbar ist das aber nicht gelungen. „Uns liegen keine Daten vor“, hat Bürgermeister Glöckner am Montag in einer kurzen Pressemitteilung öffentlich gemacht.

Wie es in Gelnhausen weitergeht, ist völlig offen. Glöckner hatte öffentlich die Zusage angemahnt und dafür eine Vier-Wochen-Frist gesetzt. Ursprünglich war die Eröffnung des „Barabrossa City Outlet“ zuletzt für Frühjahr 2018 angekündigt worden.

Auch in Wilhelmshaven wartet man nochBereits vor rund einem Jahr, im Frühjahr 2017, wollte Leuze auch an der Nordseeküste ein fast identisches Projekt eröffnen. Die Menschen in Wilhelmshaven (Niedersachsen) warten heute noch darauf.

Im Norden nehmen es die Einwohner inzwischen mit viel Humor und haben das Areal mitten in der Stadt als „Ehrenwortplatz“ umgetauft, wie die „Wilhelmshavener Zeitung“ berichtet.

Nach dem Abriss einer alten „CundA“-Filiale hatte dort die Kaiser-Wilhelm-Objektgesellschaft das Gelände gekauft – Leuze ist dort ebenfalls einer der Geschäftsführer. Der Plan: Ein Outlet Center unter dem Titel „Wilhelms“ sollte errichtet werden.

Holzzaun und „Ehrenwortplatz“Doch seit den Abrissarbeiten ist das Areal verwaist. In der vergangenen Woche gab es dort jedoch eine neue Begebenheit: Das bereits zugewachsene Feld soll jetzt mit einem blickdichten Holzzaun umgeben werden.

Wie es weiter in der Zeitung heißt, sei die Brache „seit Monaten der Verwaltung und auch vielen Bürgern ein Dorn im Auge“.

Leuze hatte laut „Wilhelmshavener Zeitung“ immer wieder geplante Termine zum Start der Tiefbauarbeiten für das „Wilhelms“ verschoben und schließlich in einem Interview sogar sein Ehrenwort gegeben, dass die Tiefbauarbeiten im Frühjahr 2017 starten sollen. Die Wilhelmshavener hatten bereits mehrfach Schilder mit der Aufschrift „Ehrenwortplatz“ aufgehängt.

Deutliche ParallelenNun habe Leuze in der vergangenen Woche den „Bau des Zauns“ bestätigt und erneut von „finalen Gesprächen“ mit einem „Generalunternehmer“ gesprochen.

Ein Vertrag sei aber noch nicht geschlossen worden, es solle „aber möglichst zügig losgehen“, sagte er. Wie und ob überhaupt auf dem ehemaligen „CundA“-Gelände jemals mit einem Bau für ein Outlet-Center begonnen wird, ist dem Zeitungsbericht nach „derzeit nicht abzusehen“.

Die Parallelen zwischen Gelnhausen und Wilhelmshaven sind offensichtlich. Der Unterschied: Die Stadt Gelnhausen ist immer noch Eigentümerin der Joh-Immobilie, die rund zwei Millionen Euro wert ist.

Große AnkündigungDabei hatte sich alles vor etwas mehr als eineinhalb Jahren noch so gut angehört. Am 23. Juni 2016 hatte die Barbarossa City Outlet GmbH in einer Pressemitteilung noch verkündet: „Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Der Umbau des ehemaligen Kaufhauses Joh in Gelnhausen fällt definitiv in diese Kategorie. Im Frühjahr 2018 wird hier mit dem Barbarossa City Outlet das erste Outletcenter Hessens seine Tore öffnen.“

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