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Welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Zahl der Arbeitslosen haben wird, zeigt sich erst in den kommenden Wochen.

Zahlen könnten rasant steigen

Statistik hinkt hinterher: Auswirkungen von Corona werden sich erst Ende April bei den Arbeitslosenzahlen wiederfinden

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Normalerweise bringt die Arbeitsagentur immer am Monatsende die Arbeitslosenzahlen raus und gibt damit einen aktuellen Eindruck vom Arbeitsmarkt und seinen Entwicklungen. Aber was ist in der heutigen Zeit schon normal.

 Wieso die aktuellen Zahlen nicht die Situation unter dem Vorzeichen Coronavirus wiedergeben erklärt Heike Hengster, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Hanau im Interview, für das sie unsere Fragen schriftlich beantwortet hat.

Ende des Monats veröffentlicht die Arbeitsagentur regelmäßig die Arbeitslosenstatistik. Allerdings spiegeln die Zahlen zum 31. März nicht die aktuelle Situation im Main- Kinzig-Kreis im Hinblick auf die Coronakrise wieder. Warum nicht?

Der Stichtag für die Erhebung der Arbeitsmarktzahlen liegt jeweils um die Monatsmitte herum. Der Vorlauf ist nötig, weil alle Daten für jede Agentur auf- bereitet und verifiziert werden müssen. In diesem Monat war es der 12. März und das war, nach der jetzigen Zeitrechnung, „vor Corona“.

Wann frühestens werden wir Zahlen über die Auswirkungen dieser Krise auf den lokalen Arbeitsmarkt haben?

Bei den Arbeitslosen werden wir frühestens Anfang April erste Eindrücke haben.

Das sind aber nur Zahlen zu den Anfängen der Krise. Womit rechnen Sie bei der Arbeitslosenquote?

Sie wird ansteigen. Ob kurz- oder langfristig und in welcher Höhe kann ich nicht sagen. Der Arbeitsmarkt im Main-Kinzig-Kreis ist robust. Allerdings haben in den letzten Monaten, als von Corona noch keine Rede war, mehrere Unternehmen Kurzarbeit beantragt oder sogar Leute entlassen oder den Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt. Jetzt kommen noch die neuesten Entwicklungen hinzu. Wie scharf die Einbrüche auf dem Arbeitsmarkt sein werden, hängt stark davon ab, wie lange die gegenwärtigen Maßnahmen beibehalten und ob sie in den nächsten Wochen gelockert oder verschärft werden. Und natürlich davon, wie gut und wie lange die finanziellen Stützpakete der Bundesregierung auffangen und abmildern können.

In welchen Branchen wird es die größten Einbrüche geben?

Vielleicht sollte ich eher die Branchen aufzählen, in denen es voraussichtlich zu den wenigsten Einbrüchen kommt. Das sind der Lebensmittelhandel, Apotheken und der Gesundheitssektor und vielleicht noch der Onlinehandel.

Wie wirkt die Arbeitsagentur schon jetzt dagegen? Welche Rolle spielt das Kurzarbeitergeld dabei?

Kurzarbeitergeld spielt eine ganz wesentliche Rolle – und die Agentur für Arbeit auch. Wir haben all unsere Kräfte gebündelt und auf die Auszahlung von Geldleistungen und die Bearbeitung von Anfragen konzentriert. In den südhessischen Bezirken haben wir in Windeseile unsere Kapazitäten für die Bearbeitung von Kurzarbeitergeld verfünffacht und die für Auszahlung von Arbeitslosengeld verdoppelt. Zudem haben wir die Telefonie massiv verstärkt und beispielsweise die bisherigen Hotlines durch lokale Rufnummern ergänzt. Auch unsere Online-Services wurden massiv ausgebaut. Dass, was man jetzt online melden und einreichen kann, muss ja hintendran auch korrekt bearbeitet und ausgezahlt werden. Wir wurden förmlich überrollt von Anfragen aller Art und haben eine beachtliche Performance hingelegt. Bei allen Unzulänglichkeiten – das muss uns erst einmal jemand nachmachen, in dieser Geschwindigkeit den ganzen Apparat umzubauen. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine unglaubliche Flexibilität bewiesen und eine hohe Bereitschaft, dort anzupacken, wo es jetzt eben brennt. Das finde ich schon klasse.

Wie viele Anträge auf Kurzarbeitergeld haben Sie erhalten, Stichtag 15. März? Und wie ist die Steigerung zu Januar 2020?

Die Anträge auf Kurzarbeit gehen erst bei uns ein, wenn Betriebe Kurzarbeit gemacht und das Kurzarbeitergeld ausgezahlt haben. Danach beantragen die Unternehmen das Kurzarbeitergeld bei uns und bekommen es rückwirkend ausgezahlt. Was zurzeit bei uns eingeht, sind die Anzeigen von Kurzarbeit. Die sagen per se noch nichts darüber aus, ob die Kurzarbeit tatsächlich realisiert wurde und wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer davon betroffen waren. Auch hierzu können wir aber zurzeit noch keine aktuellen Zahlen auf lokaler Ebene liefern. Möglicherweise bekommen wir in den nächsten Tagen Schätzungen.

In welchen Branchen werden jetzt noch Arbeitskräfte gesucht?

Gesucht werden Fachkräfte im Pflege- und Gesundheitswesen – das ist aber eigentlich kein neues Phänomen. Es tritt jetzt nur dramatischer als je zuvor zutage.

Alle Informationen zur Kurzarbeit finden Sie hier.

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